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Galerie 5020, IG Bildende Kunst und Tiroler Künstler*schaft im Gespräch zu Künstler_innenhonoraren

Daniela Koweindl

Gut bezahlt oder doch wieder nur symbolisches Kapital? Wie steht es um Ausstellungs- und andere Künstler_innenhonorare? Welche Beispiele guter Praxis kennen wir? Im Sommer 2016 hat die IG Bildende Kunst zu Frühstücksgesprächen rund um Kunst und Geld eingeladen. Der Bildpunkt greift das Gespräch mit Hildegard Fraueneder (Galerie 5020, Salzburg), Ingeborg Erhart (Tiroler Künstler*schaft, Innsbruck) und Vasilena Gankovska (IG Bildende Kunst, Wien) noch einmal auf.

Welche Rolle spielt die Verankerung von Künstler_innenhonoraren in eurer Arbeit?

Vasilena Gankovska: Die IG Bildende Kunst beschäftigt sich seit 2012 mit Ausstellungs- bzw. Künstler_innenhonorare. In einem ersten Schritt haben wir internationale und nationale Beispiele für Kämpfe um gerechte Bezahlung gesammelt und online zusammengestellt. In der Folge haben wir Diskussionsveranstaltungen durchgeführt. Ziel ist, Richtlinien und Mindesthonorare zu implementieren, die zumindest für Institutionen verbindlich sind, die aus öffentlichen Mitteln subventioniert werden. Gleichzeitig soll damit die Verhandlungsposition der Künstler_innen gestärkt werden.

Ingeborg Erhart: Die Tiroler Künstler*schaft ist eine Interessenvertretung, wir betreiben zwei Galerien und beschäftigen uns ebenfalls schon lange mit Fair Pay. 2007 haben wir den Zusammenschluss bættlegroup for art initiiert und als erstes eine Plakataktion gemacht: „Kultur ist Arbeit – Arbeit verdient Geld“ und „Wir machen es gern, aber nicht gratis“. An der bættlegroup haben sich Innsbrucker Dachverbände von Kulturinitiativen, Freien Radios, Literatur, Musik, Architektur usw. beteiligt.

Hildegard Fraueneder: Als ich die Leitung der Galerie 5020 übernahm gab es weder Ausstellungs- noch Künstler_innenhonorare, aber es war völlig normal, bei Tagungen oder auch Podiumsdiskussionen Vortragshonorare zu zahlen. Dies erschien uns als eigenartiges Missverhältnis, zumal wir für die Ausstellungen eher raumbezogene oder auch ephemere Arbeiten wünschten. Es bedurfte damals zwar vieler Gespräche und Verhandlungen mit den Subventionsgeber_innen, doch in Salzburg gibt es heute keine Einsprüche mehr seitens der Kulturverwaltung, wenn Honorare budgetiert und ausbezahlt werden – dafür habe ich zwei Jahre lang gekämpft.

… und wie ist die Praxis in euren Ausstellungsräumen?

Hildegard Fraueneder: Konkret gibt es bei uns für eine Präsentation, die ca. ein Drittel des Ausstellungsraumes bespielt, derzeit 500 € Honorar und 1.000 € Produktionskosten. Die Honorare können wie erwähnt mit den Subventionsstellen abgerechnet werden. Allerdings mussten wir, da die Gesamtsubvention deshalb nicht erhöht wurde, notgedrungen unsere eigenen Personalkosten reduzieren. Dies stellt jedoch für mich die notwendige solidarische Haltung dar, zumal es um Fairness geht! Auch bei Gruppenausstellungen ist ein Ausstellungshonorar vorgesehen – und zwar unabhängig davon, ob das Kunstwerk „alt“ oder neu ist, ob es ein Video oder ein Objekt ist. Dieses Minimum von 100 € erhalten alle: Darüber hinaus werden die anfallenden Kosten (Transport, Reise, Übernachtung etc.) und ein Künstler_innenshonorar bezahlt. Produktionskosten werden bei Gruppenausstellungen je nach Aufwand gewährt.

Ingeborg Erhart: Wir haben in den Galerien keine fixen Honorare. Unsere Ausstellungsbudgets sind sehr gering, sie liegen zwischen 3.000 und 4.000 €, davon sind bei Solopräsentationen ca. 500 € für Honorare vorgesehen. Wir überlegen, das aufzustocken um diverse Posten, wie bspw. „screening fees“ für das Zeigen von bestehenden Videos. Wenn eine beteiligte Künstler_in uns aber sagt, ich mache mit dem Geld lieber eine Publikation, statt es für mein Honorar zu verwenden, dann ist das ihre Entscheidung.

Vasilena Gankovska: In Galerie IG Bildende Kunst waren bis 2016 die Budgets für die meisten Ausstellungen mit 500 € Kurator_innenhonorar und 1.000 € Produktionskosten fixiert. Dazu kamen Leistungen wie Folder, Ausstellungsorganisation, Events, Unterstützung beim Aufbau, Transportkosten, Versicherung etc. Wir haben nun vor, ein Honorarschema anhand von unseren budgetären Möglichkeiten zu entwickeln, sodass klar wird, welche Arbeit im Rahmen von Projekten wie bezahlt wird. Das umfasst Honorare z. B. für Performances, Artist Talks, Produktion von Videos, Ausstellen von bestehenden Arbeiten sowie Stundensätze für punktuelle Tätigkeiten. Wir wollen damit auch Transparenz schaffen.

Ingeborg Erhart: Wir machen auch immer eine schriftliche Ausstellungsvereinbarung, in der die Rechte und Pflichten aller Beteiligten festgehalten sind. Die Künstler_innen bekommen das sofort am Anfang in die Hand, und wir sprechen im Detail darüber. Eine der Bedingungen lautet: Wenn eine extra gemachte Arbeit, für die wir das Material zahlen, noch einmal gezeigt oder auch verkauft wird, dann wollen wir genannt werden, aber wir verlangen kein Geld dafür.

Welche Hürden gilt es zu überwinden?

Hildegard Fraueneder: Nur wenige Kunstinstitutionen Österreichs können ein ausreichendes Produktionsbudget zur Verfügung stellen, das den Künstler_innen über die Abgeltung anfallender Kosten hinaus auch in angemessener Weise ihre Arbeit honorieren würde. Zur künstlerischen Arbeit gehört auch die Projektentwicklungsphase, deshalb haben wir auch das Bewerbungsverfahren budgetiert. Ebenso wichtig ist es, ein Umfeld zu kreieren, das es den Künstler_ innen erlaubt, Ideen zu erproben und Konzepte zu realisieren.

Ingeborg Erhart: In Tirol ist es nicht möglich gegenüber Förderstellen, Honorare zu budgetieren. Nur über das TKI open und die Förderaktion Kunst im öffentlichen Raum des Landes Tirol können max. 30% Honorare abgerechnet werden, und selbst da kann das Abrechnen je nach Projekt ziemlich tricky werden.

Vasilena Gankovska: Trotzdem: Honorare immer in Kalkulationen für Förderanträge schreiben, es ist einfach politisch wichtig!

Wie sollte es sein? Gibt es Vorbilder?

Vasilena Gankovska: In Schweden sind Künstler_inennhonorare heute selbstverständlich. Aber das war ein acht Jahre langer Kampf der Interessenvertretungen. Es gibt dort eine „exhibition fee“ (egal, ob ein Werk neu ist oder nicht) und eine „artist fee“ (für die Arbeitszeit für die Ausstellung). Die mit öffentlichen Geldern finanzierten Häuser und Institutionen müssen diese Fees zahlen. Für alle Ausstellungsprojekte mit öffentlichen Förderungen gelten sie als Richtlinien. Bei den ganzen internationalen Beispielen müssen wir aber sagen, dass es sehr viele landestypische Details gibt; also das eine Vorbild, das wir „kopieren“ könnten, gibt es nicht.

Ingeborg Erhart: Auch Transparenz ist wichtig. Wir machen alle unsere Budgetbereiche öffentlich, d.h. auch, dass alle wissen, welche Bezahlung wofür vorgesehen ist.

Vasilena Gankovska: Es gibt keine Regelung für Künstler_innenhonorare, deshalb ist unser Ziel, hier Verbindlichkeiten zu schaffen. Damit Schluss ist mit „Häng‘ mal auf …“, sondern damit es heißt: Das bieten wir als Honorar. Die derzeitige Situation ist für Künstler_innen nicht tragbar, das muss so oft wie möglich kommuniziert werden. Insofern wäre eine entsprechende Kampagne ganz wichtig.

Kampagne? Kampagne!

Hildegard Fraueneder: Eine Kampagne zur Durchsetzung von Honoraren und Vergütungen muss von allen Beteiligten – Künstler_innen, Kurator_innen, Institutionen und Förderstellen – gemeinsam getragen werden. An allen diesen Stellen muss eine Kampagne Bewusstsein schaffen.

Ingeborg Erhart: Wir sollten bei solchen Kampagnen – zur Verankerung von verbindlichen Honorare, Richtlinien, Musterverträgen – jedenfalls auch auf die Handlungsspielräume der kleinen Institutionen achten, sie nicht vergessen. Denn diese Häuser sind für uns sehr wichtig. Aber zur Orientierung braucht es das alles selbstverständlich!

Hildegard Fraueneder: Eine solche Kampagne muss auf jeden Fall österreichweit angelegt sein.

Ingeborg Erhart: … und wir machen bei einer Kampagne, die das alles aufgreift, sofort mit!


Ingeborg Erhart ist Kunsthistorikerin, Kulturarbeiterin und seit 2001 Kuratorin und Geschäftsleiterin der Tiroler Künstler*schaft. Hildegard Fraueneder ist Kunsthistorikerin und Kuratorin; von 2001 bis Juli 2016 hat sie die Galerie 5020 in Salzburg geleitet. Vasilena Gankovska ist bildende Künstlerin, seit 2012 Vorstandsmitglied der IG Bildende Kunst, seit 2016 Ansprechperson für die Galerie IG Bildende Kunst in Wien.

Dieses Gespräch basiert auf dem Protokoll zum Frühstücksgespräch zu Kunst und Geld vom 30.6.2016 in der IG Bildende Kunst und wurde im Herbst 2016 per Email weitergeführt. 

Pay the Artist Now! war auch Titel der Ausstellung in der Galerie IG Bildende Kunst anlässlich „60 Jahre Interessengemeinschaft - 60 Jahre Kampf um soziale Rechte von Künstler*innen“ (15.9. bis 28.10.2016).


Pay the Artist Now! (Tasche) (Foto: Eva Dertschei)
Kunst & Geld: Frühstücksgespräche (Foto: Malin Brewi)
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