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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Unter dem Titel Geschichte in Arbeit / Tarih Ins¸ada / Istorija u nastajanju gestaltete das Team des Projekts Migration Sammeln (Arif Akkılıç, Vida Bakondy, Ljubomir Bratic´, Regina Wonisch, www.migrationsammeln.info) eine Einabend- Ausstellung im Wien Museum. Eine Auswahl der bis dahin für das Wien Museum gesammelten Objekte zur Geschichte der Arbeitsmigration wurde entlang von Begriffspaaren präsentiert: Objekt und Geschichte, Zuschreibung und Kritik, Subjekt und Regulierung, Netzwerk und historische Spur sowie Repräsentation und Selbsthistorisierung. Die Themenfelder umrissen zentrale Fragestellungen in Bezug auf die Migrationsgesellschaft – Regulierungsmaßnahmen, Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft oder Strategien der Selbstrepräsentation und Selbstironisierung seitens der Migrant_innen – ebenso wie Reflexionen aus dem Sammelprozess: Was kann überhaupt ein Objekt der Migration sein? Welche Geschichten können die auf den ersten Blick unscheinbaren Objekte transportieren? Was bedeutet es für die musealen Sammlungsstrategien, dass Papiere die zentralen Objekte der Migrationsgeschichte darstellen?

In der Arbeit The Extraordinary Bakotins (Fotocollage, Wien 2008) beschäftigen sich Elke Auer und Esther Straganz mit dem klassischen Familienportrait, nur dass sie Dildos als Körpererweiterung tragen. Inspiriert wurde die Inszenierung durch das Buch Kontrasexuelles Manifest. Subversive Praxen zur sexuellen Identität von Paul (Beatriz) Preciado (2000): „Everything is dildo, everything is hole, everything is clitoris.“ Auer und Straganz arbeiten mit gefundenen und gekauften Dingen, Gedichten, Körpern und einem erweiterten Begriff von Drag an performativen Skulpturen, Photographien und Installationen. Ihre Arbeiten werfen Fragen zu Normativität und Begehren, Ritualen und Spiel, und dem Wunsch nach grundlegend erweiterten, gedehnten, verknoteten und fragmentierten Körpern und identitären Konstruktionen auf.

Die komplexe Arbeit von Niko Sturm Gojko Mitiund seine Brüder (Ausstellung, Installation, Malerei, Skulptur; Jennersdorf 2012) spielt mit ihrem Titel auf den Film Rocco und seine Brüder (Luchino Visconti, Italien 1960) an, der vom sozialen Gefälle Italiens zwischen Süd und Nord handelt: von der internen Migration nach Mailand, dem Schicksal Roccos im Prekariat und der Kriminalität, und wie die traditionelle süditalienische Familie in der Großstadt ihren Zusammenhalt verliert. „Wir sind alle Feinde“. Gleichzeitig aber beschäftigt sich Niko Sturm mit dem ex-jugoslawischen Schauspieler Gojko Mitic´, der ab den 1960er Jahren auch den Häuptling in mehreren DEFA-„Indianerfilmen“ spielte. Diese Filme dienten in der DDR einem antiimperialistischen Bild des guten Wilden. Ausgerechnet 1973, als Wounded Knee im fernen Westen vom militanten American Indian Movement (AIM) besetzt wird, besuchten AIM-AktivisitInnen die DDR. Gojko Mitic´ wird zum „White Indian“, eine Allegorie Niko Sturms für die Bezeichnung jeglicher Identitätsverschiebungen.