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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2016

Punk

Absurd sei der Vorwurf der Kommerzialisierung, meinte der Musikjournalist und Chronist der Punk-Bewegung Jon Savage kürzlich in einem Interview: „Punk war immer kommerziell“. Vierzig Jahre nach Aufkommen der Melange aus Dreiakkordmusik, Do It Yourself und Hippiehass ist Punk zweifelsohne ein Fall fürs Museumsarchiv und zugleich ausdifferenzierte Subkultur mit Pfiff und Einfluss ohne Ende. Ob Punk zur Kulturindustrie gehört wie der Bodenreformer zum Kapitalismus, lässt sich daher nach wie vor ebenso diskutieren wie die Mackerhaftigkeit der Revolte und die Aktualität von Arbeitsverweigerung und Hässlichkeit. Weil Punk auch in die Kunst intervenierte, Feminismus affirmiert und radikale Praxis ausprobiert hat, widmet sich diese Bildpunkt-Ausgabe dem transnationalen Phänomen – wie immer zwischen Bewegung, Theorie und Kunstpraxis.

Heft Herbst 2016

Politiken der Freund*innenschaft

„Kontingenz bedarf der Freundschaft als Alternative zur Irrenanstalt“ hatte der Soziologe Zygmunt Bauman einst geschrieben. Freund*innenschaft erscheint da als wichtiger werdende Garantin dafür, nicht durchzudrehen angesichts der instabilen Gewissheiten und der prekär gewordenen sozialen Sicherheiten. Bei Jacques Derrida wurden die „Politiken der Freund*innenschaft“ als alternative, letztlich antistaatliche Verbindungen der Verantwortung füreinander konzipiert: Von hier aus lassen sich neue Kollektivitäten und Kropotkins alte „gegenseitige Hilfe“ (in und jenseits der Kunst) ebenso denken wie allerdings auch das Korrupte der Freunderlwirtschaft und die Exklusion der Männerfreundschaft. Wie also muss Freund*innenschaft konzipiert und praktiziert sein, damit sie als emanzipatorische funktioniert? Als inkludierendes, solidarisches Netzwerk statt als exklusiver Klub? Beispiele und Konzepte auf der Höhe der Kontingenzperspektive diskutiert dieser Bildpunkt.

Heft Sommer 2016

Andere in der Ferne

Neugierde und Gewalt II


Exotisierung und Othering hören niemals auf. Die Kunstwelt kann verschiedene Lieder davon singen, vor allem zwei – daher diese Doppelnummer: Zum einen ist es der/ die/ das Fremde, die zu Kategorisierungsleistungen in hiesigen Diskussionen, Ausstellungen und Museen reizt, die doch oft ein Außenstehendes produzieren, selbst wo sie sich um Inklusion bemühen. Alle Dekolonisierungsversuche ethnologischer Museen stehen vor diesem Problem, selbst noch "Feministische Avantgarden" (Hamburger Kunsthalle, 2015) hängen im zentralen Dilemma aller Idenitätspolitik, sich auf die Kategorie berufen zu müssen, auf der die Diskriminierung fußt. Zum anderen sind es die Anderen am anderen Ort, die zu Projektionen dienen und verwertet werden, selbst noch in solidarischer Absicht. Auch hier gehen Sichtbarmachen und Verstehenwollen traditionell Hand in Hand, aber ohne die Thematisierung von Machtverhältnissen läuft eben doch alles schief (etwa Kunstvermittlung á la "Am Sonntag in die Südsee: Familientag zur Ausstellung 'Paul Gauguin'", Fondation Beyeler, Bern 2015). 

Dieses zweite Heft der Doppelnummer zu "Neugierde und Gewalt" diskutiert die Konstruktionen von Alterität an entfernten Orten und vermeintlich fernen Subjektivitäten und greift deren Reflexion in Kunst und Sozialtheorie auf.

Heft Frühling 2016

Fremde im Inneren

Neugierde und Gewalt I


Exotisierung und Othering hören niemals auf. Die Kunstwelt kann verschiedene Lieder davon singen, vor allem zwei – daher diese Doppelnummer: Zum einen ist es der/ die/ das Fremde, die zu Kategorisierungsleistungen in hiesigen Diskussionen, Ausstellungen und Museen reizt, die doch oft ein Außenstehendes produzieren, selbst wo sie sich um Inklusion bemühen. Alle Dekolonisierungsversuche ethnologischer Museen stehen vor diesem Problem, selbst noch "Feministische Avantgarden" (Hamburger Kunsthalle, 2015) hängen im zentralen Dilemma aller Idenitätspolitik, sich auf die Kategorie berufen zu müssen, auf der die Diskriminierung fußt. Zum anderen sind es die Anderen am anderen Ort, die zu Projektionen dienen und verwertet werden, selbst noch in solidarischer Absicht. Auch hier gehen Sichtbarmachen und Verstehenwollen traditionell Hand in Hand, aber ohne die Thematisierung von Machtverhältnissen läuft eben doch alles schief (etwa Kunstvermittlung á la "Am Sonntag in die Südsee: Familientag zur Ausstellung 'Paul Gauguin'", Fondation Beyeler, Bern 2015). 

Dieses erste Heft einer Doppelnummer des Bildpunkt zu "Neugierde und Gewalt" geht vom Kunstfeld aus, lässt aber die Soziologie der Fremdheit, die postkoloniale Theorie des Othering und die Geschichte der inter-/transnationalen Solidarität keinesfalls Außen vor.