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Akademisches und anderes Wissen

Nelly Richard

Der vorliegende Text ist Teil einer Auseinandersetzung innerhalb der politisch motivierten Kulturwissenschaften in Lateinamerika. Obwohl nur ein kleiner Ausschnitt aus einem längeren Aufsatz, erscheint er uns einige wichtige Einsätze auch für die hiesigen theoretischen Debatten um die „Aktivismen des Wissens“ (Richard) zu liefern.
Die Red.

Es gibt viele Gründe dafür, die Grenzen dessen, was man als „Studien über Kultur und Macht in Lateinamerika“ begreift, auf Räume auszuweiten, in denen die Begrenzungen durchkreuzt werden, von denen die akademischen Einteilungen des universitären Wissens geprägt sind. Bis jetzt hat gerade die historisch-soziale Tradition der lateinamerikanischen intellektuellen Kritik sich hauptsächlich dadurch ausgezeichnet, aus vielfältigen TrägerInnen zu bestehen, die Zeitungen oder diverse andere Interventionen in die nationalen politischen Debatten umfassen. Die relative Mobilität, derer sich die lateinamerikanische Kritik erfreut, scheint zum Teil der besonderen Prekarität geschuldet, die die Konstituierung der Disziplinen in der universitären Tradition Lateinamerikas aufweist, in der weder die Grundlagen der Autonomie noch die Regeln der Spezialisierung des Wissens dieselben Eindeutigkeiten besaßen wie in den zentralen Regionen der dominanten Moderne. Julio Ramos hat gezeigt, wie die „Entfremdungen“ der lateinamerikanischen Moderne (die ihre Prozesse der diskursiven Separation und der professionellen Spezialisierung der Literatur und der Politik irregulär lebte) sich auf die Fragilität der institutionellen Netzwerke der Kultur in Lateinamerika und auch auf die Durchlässigkeit der – stets instabilen – Grenzen zwischen den Disziplinen innerhalb der Universität, aber auch zwischen dem Innen und dem Außen der Universität, ausgewirkt hat.[1]

Die zerstreuten Fragmentierungen der lateinamerikanischen Identitätsprozesse stören sich gewaltsam gegenseitig oder mischen sich in exzentrischen Mix-Kodes; die kritische Produktivität, mit den Abweichungen, den zeitlichen Asymmetrien und den besagten Verstörtheiten zu arbeiten, zeigt das Scheitern jedes Strebens nach homogener Systematisierung des Wissens an, das diese Gespaltenheit und Unreinheit jenes lateinamerikanischen Mischmaschs nicht zur Kenntnis nimmt. Diese Gespaltenheit und Unreinheit der kulturellen Entwürfe in Lateinamerika, die mit dem regulären Entwurf des Wissens kollidieren, markieren eine unüberwindliche Distanz zwischen der lokalen Hybridität und dem institutionellen Purismus jener „Logik der Felder“, die in den zentralen Regionen erzeugt wird, wo die Regeln der Separation und der Differenzierung mit größter Kohärenz und Bestimmtheit durchgesetzt worden sind. Aber es bleibt unabdingbar, den breiten Arten und Weisen Aufmerksamkeit zu schenken, nach denen genau diese lateinamerikanischen Wissensformen des Bruchs, der Bedrängnis und der Prekarität mit der vereinigenden Synthese der akademischen Vernunft in Konflikt geraten, um an den sich am meisten auflösenden Rändern der Modelle universitärer Formierung heterodoxe Verknüpfungen des Denkens zu erzeugen – so geschehen in den diktatorischen Kontexten des Cono Sur, wo das kritische Denken das universitäre Refugium verlassen musste, um sich im Aufeinandertreffen mit einem historischen Kontext der totalen Entwaffnung und der Konvulsion zu repolitisieren. Diese Erschütterungen erklären vielleicht, warum die Werke lateinamerikanischer KritikerInnen als Werke gesehen werden können, „die von der lateinamerikanischen Kultur als lebendigem sozialen Raum sprechen und nicht als von akademischen Märkten organisierten literarischen Debatten“ (Román De la Campa)[2] und, durch die Spannung zwischen dem Kritisch-Intellektuellen und dem Politisch-Sozialen, als immer bewegte Arbeiten, auch wenn sie sich auf das „Textuelle“ konzentrieren.

Es ist allerdings klar, dass das Anliegen des Herausgebers von Estudios y otras prácticas intelectuales latinoamericanas en cultura y poder [Lateinamerikanische Studien und andere intellektuelle Praktiken zu Kultur und Macht], Daniel Mato, darin besteht, Übergänge zu schaffen, die, wenn man sich dafür interessiert, gegenüber verschiedenen Öffentlichkeiten, von verschiedenen Orten aus und in verschiedenen begrifflichen Registern zu sprechen, weit über diese Heterogenität der TrägerInnen des geschriebenen Wortes lateinamerikanischer Intellektueller hinausgehen. Es geht Daniel Mato vielmehr darum, die Kategorie der Intellektuellen auf all jene auszuweiten, die, weit über das geschriebene Wort der akademischen Kultur hinaus, sich in die Raster der Artikulation einklinken durch „die wirkliche Erfahrung in der Formulierung von kulturellen Politiken für die Staaten und/oder für die sozialen Bewegungen […]; durch die aktive Partizipation an öffentlichen Debatten und/oder an den Politikentwürfen für die Künste und/oder die Medien oder die so genannten ‚Kulturindustrien’“[3], zumal „es tatsächlich in diversen lateinamerikanischen intellektuellen Medien weit verbreitet ist, das Interesse an der Intervention in die Politikentwürfe diverser sozialer AkteurInnen explizit zu machen, inklusive nicht nur jener der nationalen Regierungen und ihrer Apparate, sondern auch und mit einer offenen Diversität an sozialen AkteurInnen jener der internationalen Einrichtungen, Menschenrechtsorganisationen, Organisationen Indigener, afrolateinamerikanischer Organisationen und anderer an sozialen Bewegungen beteiligter AkteurInnen.“[4] […]

Dies ist der Punkt, an dem es angebracht erscheint, den Feminismus zu erwähnen. Ich stimme George Yudice zu, wenn er aufzeigt, dass ein „Schwachpunkt“ innerhalb der Estudios Culturales Latinoamericanos in der „geringen Aufmerksamkeit gegenüber Fragen des Geschlechts und der sexuellen Orientierung“[5] besteht. Dieser „Schwachpunkt“ verweist auf einen wichtigen Unterschied zwischen den interdisziplinären Studien, so wie sie von den Sozialwissenschaften oder den Kommunikationstheorien in Lateinamerika praktiziert werden, und dem poststrukturalistischen Teil der Cultural Studies, der, indem er zu Subjektivität, Macht und Repräsentation arbeitet, es sich selbst (glücklicherweise) nicht erlaubt, den Feminismus links liegen zu lassen. […] Allerdings scheint es mir notwendig, Folgendes zu unterstreichen: Der pro- gressive Blick der Sozialforschung, der den Feminismus als soziale Bewegung unterstützt, kann tatsächlich den Bereich der Praktiken öffnen, dem sich ein Buch wie Estudios y otras prácticas … zu „Kultur“ und „Macht“ widmet, aber diese Öffnung von Ebenen, die die Studienobjekte vervielfältigt, garantiert überhaupt noch nicht die Transformation des kritischen Blicks. Es ist nicht dasselbe, sich für den Feminismus als soziale Bewegung zu interessieren (davon ausgehend, dass sich dieses neue Objekt der Liste anderer oppositioneller Praktiken hinzuaddiert) oder den Blickwinkel der feministischen Theorie als subversive Anstiftung zur Reformulierung des Wissens zu begreifen. […] Wenn der Raum der geschlechtlich-sexuellen Differenz heute eine Hauptrolle in der Analyse der Kämpfe zwischen Identität, Subjektivität und Macht einnimmt, dann deshalb, weil dieser Raum Prozesse gestaltet, die „weit über die Reproduktion sozialer Rollen hinausgehen und tatsächlich bis zur Wiedererfindung von Bedeutung auf einer symbolischen Ebene reichen.“[6] Um die durchschlagende Kapazität zu begreifen, die der Feminismus als semiotisch-kultureller Vektor in die Demontage der Kräfteverhältnisse von Identität, Sprache und Repräsentation eingeführt hat, gilt es, die feministische Theorie ernst zu nehmen (und nicht nur die Frauenorganisationen unter der soziologisierenden Logik der „sozialen Bewegungen“); […].

Es scheint mir jedoch nützlich, an eine Bemerkung von Néstor García Canclini zu erinnern: „Den Blickwinkel der Unterdrückten oder der Ausgeschlossenen einzunehmen, kann in der Phase des Aufdeckens dazu dienen, Hypothesen und Gegenhypothesen aufzustellen, die das bestehende Wissen herausfordern, um die vom hegemonialen Wissen unbeachteten Bereiche der Wirklichkeit sichtbar zu machen. Aber im Moment der epistemologischen Rechtfertigung ist es angebracht, sich in die Intersektionen hineinzubegeben, in die Zonen, in denen die Narrative sich gegenübertreten und sich kreuzen. Nur in diesen Szenarien der Spannung, des Aufeinandertreffens und des Konflikts ist es möglich, von den sektorialen (oder offen sektiererischen) Narrationen zur Erarbeitung von Wissensformen überzugehen, die in der Lage sind, die Bedingtheiten jeder Äußerung zu dekonstruieren und zu prüfen.“[7]

Das bedeutet einerseits, dass wir dem Optimismus misstrauen müssen, „mit dem bestimmten sozialen Positionen (den Kolonisierten, den Subalternen, den ArbeiterInnen, den Bäuerinnen und Bauern) in einer Überbewertung der unterdrückten Positionen als Quelle des Wissens spezifische Kapazitäten beigemessen werden“, da es „keine privilegierten Positionen für die Legitimierung des Wissens“ gibt (selbst wenn es ein in Frage stellendes Wissen wie das der Subalternität ist). Und andererseits bedeutet es, dass wir das Denken von den „Intersektionen“ aus stärken müssen, in denen die Narrative des Wissens „sich gegenübertreten und sich kreuzen“, ohne je die konfliktive Heterogenität der Werte und Positionen aus dem Blick zu verlieren, die die Beziehungen zwischen dem Wissen, der Kritik, der Politik, der Ideologie und der Kultur (ein-)teilen. Diese Heterogenität der Einteilungen, die auch ein Widerspruch und ein Spannungsverhältnis ist, kann nicht in einer Linearisierung einer Perspektive aufgelöst werden, die vom „Wissen“ zur „Aktion“, vom „Diskursiven“ zur „Wirksamkeit“ führt, als wenn dieser Übergang zwischen „Wissen“ und „Gemeinschaft“, zwischen akademischer Intellektualität und den „sozialen AkteurInnen aus Fleisch und Blut“ sich nicht durch Zonen der Erfahrung, Regulationen des Territoriums und Konstruktionen des Diskurses vollziehen würde, die in ihren jeweiligen Arten des Verständnisses des Wortes „Transformation“ sehr ähnlichen und teils gegensätzlichen Logiken folgen. Das Populäre und das Subalterne sind nicht vereinfachend als direkte Quelle eines reinen Wissens zu verstehen, das sich den Interessen der Gemeinschaft zur Verfügung stellt, um deren Aktivismus oder Protest oder Widerstand zugute zu kommen. Ohne die historische und politische Materialität des sozialen Referenzfeldes zu negieren, auf dem sich die Aktivismen des Wissens entfalten, muss darauf insistiert werden, dass das Populäre und das Subalterne Kategorien sind, mit denen in der Welt der Forschung Vermittlungen und Handlungsansätze für ein Dispositiv der Theoretisierung hergestellt werden, um Diskontinuitäten und Brüche zu bewältigen: die multiplen Konflikte zwischen der Dissidenz und der Verhandlung, zwischen der Tatsache, gegenüber dem lebendigen Außen von einem extra-akademischen Körper repräsentiert werden zu wollen und der Eigenart von dessen Kategorien, die ihren Marktwert im von NGOs finanzierten transnationalen Kreislauf des Wissens erhalten. Es gibt vielfältige Gefahren bei der Idealisierung des „Populären“, die das Intellektuelle in dem praktischen Bewusstsein seines gemeinschaftlichen „Anderen“, dem Wert eines als „wahrer“ (direkt, lebensnah, authentisch) eingeschätzten Wissens – erlösender Weise – aufgehoben sehen möchte, das jene theoretisch konstruiert und selbst dekonstruiert. Das „Populäre“ ist kein vorkonstituierter, bereits gegebener Referent, keine der Geschichte seiner Konstitution vorausgehende Essenz, die vor und außerhalb der diskursiven Grundlagen und der theoretischen und politisch-institutionellen Handlungsweisen existiert, die ihm in einem determinierten System von Benennung und Infragestellung der Kultur Wert und Bedeutung beimessen. Die Konstitution des „Populären“ beruht auf Artikulationen, die es in den Überkreuzungen verschiedener, unterschiedliche Bedeutungen des Wortes „Kultur“ in Konflikt setzenden Kategoriensystemen definieren. […]


Nelly Richard ist Kulturkritikerin und Essayistin und seit 1990 Herausgeberin der in Santiago de Chile erscheinenden Zeitschrift Crítica Cultural (http://www.critica.cl/).


Dieser Text ist Teil eines längeren Aufsatzes, der unter dem Titel Saberes Académicos y Reflexión Critica en América Latina erschienen ist in: Daniel Mato (Hg.): Estudios y otras prácticas intelectuales latinoamericanas en cultura y poder, Caracas 2002 (Consejo Latinoamericano de Ciencias Sociales / CLACSO).
Für den Bildpunkt stark gekürzt und aus dem Spanischen übersetzt von Jens Kastner.


[1] Julio Ramos: Desencuentros de la modernidad en Ámerica Latina, Fondo de la Cultura Económica, México D.F. 1989.

[2] Román de la Campa: De la deconstrucción al nuevo texto social: pasos perdidos o hacer en los estudios culturales latinoamericanos, in: Mabel Moraña (Hg.): Nuevas perspectivas desde/sobre América Latina; el desafio de los estudios culturales, Cuarto Propio, Santiago de Chile 2000, S. 89.

[3] Daniel Mato: Estudios y otras prácticas intelectuales latinoamericanas en cultura y poder, in ders. (Hg.): Estudios y otras prácticas intelectuales latinoamericanas en cultura y poder, CLACSO, Caracas 2002, S. 25.

[4] Ebd.

[5] George Yudice: Los estudios culturales y la nueva división internacional del trabajo cultural, o cómo se colabora y se contiene en la construcción de una transdisciplina transnacional, Präsentation auf dem 3. Treffen der Arbeitsgruppe „Kultur und Macht“ in Caracas, 29. 11. bis 1. 12. 2001, Consejo Latinoamericano de Ciencias Sociales, CLACSO, 2001.

[6] Francine Masiello: El arte de la transición, Norma, Buenos Aires 2001, S. 15.

[7] Néstor García Canclini: Introducción a la edición inglés. El diálogo norte-sur en los estudios culturales, incluida en la 2da edición de Consumidores y cuidadanos, Grijalbo, México D.F., 2001, S. 25.