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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und cheap cialis intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und cialis woman Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und viagra without prescription Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Intakte Nasen abschlagen!
Aktuelle Interventionen in die Gedenkpolitik

Plattform Geschichtspolitik

Josef Müllner studierte von 1896 bis 1902 an der Akademie der bildenden Künste Wien Bildhauerei, war dort von 1910 bis 1948 Professor und von 1926 bis 1928 Rektor. Von 1938 bis 1940 „supplierte“ Müllner die Meisterklasse Albert Bechtold. Diesem war, nicht zuletzt als Kommunist, auf Grundlage des von NS-Ideolog_innen propagierten Kunstverständnis’ das künstlerische Schaffen und viagra purchase die Arbeit in der Lehre verboten worden. Müllner hingegen machte Karriere: nicht nur Lueger und real viagra online Siegfrieds Kopf – auch eine Adolf Hitler-Büste in der Aula der Akademie gehen auf sein bildhauerisches Konto. Letztere ist 1945 natürlich abgetragen worden; zurück bleibt, in einem schattigen Eck, ein Bronzejüngling (vermutlich das Antrittswerk Müllners als Rektor), der die aufmerksamen Betrachter_innen mit traurig gesenktem Kopf ob des „verlorenen“ ersten Weltkrieges und doch dem Lorbeer der Siegreichen in der Hand an die „gefallenen Kunstakademiker“ (so die Gravur) erinnern will – wollte –, denn er wurde eingepackt: Aus gelben Betonschalungsplatten, die zum Anfüllen einladen, sieht nur noch der linke Ellbogen raus. „An dieser Stelle war von 1925 bis 2009 ein Opferdenkmal zu sehen. Eine geschichtspolitische Manifestation, die Österreichs koloniale Expansionspolitik als Aggressor des ersten Weltkriegs unterschlug – Zeugnis der Selbstviktimisierung in der Niederlage.“, so ein Text, den die Plattform Geschichtspolitik im Zuge einer ersten Runde von Interventionen neben dem verschalten Jüngling montiert hat.

Wie mit all den architektonischen und cheap cialis no prescription bildhauerischen Manifestationen umgehen? Der Siegfriedskopf an der Universität Wien ist ein eher schlechtes Beispiel: Schon Studentinnen der Frauenakademie hatten in den 1930er Jahren Farbschüttungen und viagra canadian Nasenentfernungen veranstaltet, erzählt die Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann im Interview in Tina Leischs Film Dagegen muss ich etwas tun. Ihnen folgten etliche Generationen von Nasenabschlager_innen nach, die jetzt durch eine künstlerische Auftragsarbeit für immer ferngehalten werden. Ein Glaskubus mit Erinnerungstexten und purchase propecia online -bildern umhüllt nunmehr den Steinschädel und mexico viagra zwingt die Betrachter_innen zum Lesen eines Textes über antisemitische Übergriffe an der Universität in den 1920er-Jahren. Fair enough, nur, die Burschenschafter versammeln sich jetzt statt beim Siegfriedskopf eben auf der Vortreppe – und die Nase bleibt unterm Glassturz „übrigens wieder intakt,“ so die Website der Universität.

Umstrittene Nazis

Gehen wir zurück in die Aula, den Prunkund Empfangsraum der Akademie, der als Plenumsraum der im Herbst 2009 beginnenden Universitätsbesetzung endlich einer sinnvollen, kollektiven Nutzung zugeführt wurde, die auch kritische Interventionen möglich machte. Über die Verschalung von Müllners Jüngling wacht Franz Josef, „Aggressor des ersten Weltkrieges“, wie er in einem Alternativschild bezeichnet wird. Original ist in Marmor eingraviert, dass er der Erbauer dieses Hauses sei. Es braucht keine Fragen einer lesenden Arbeiterin um zu wissen, da stimmt was nicht. Und auch Leopold I. war nicht nur „Gründer der Akademie“, sondern hat auch, das sei (und wurde) hinzugefügt, die Vertreibung der Jüd_innen aus dem Werd im Jahr 1692 veranlasst – zum brutalen und buy discount propecia zynischen Dank ist der 2. Bezirk daraufhin nach ihm benannt worden – und heißt bis heute so. Der Boden des Repräsentationsraumes ist von Ornamenten umrahmt, die schnell als Hakenkreuze erkennbar sind: ein gutes Beispiel für den Begriff „umstritten“, der in geschichtspolitischen Debatten so gerne eingestreut wird.

„Umstritten“ sind meistens (oder: im besten Fall) Personen, die eindeutig der NS-Propaganda zugearbeitet haben, deren Werk eine Mehrheitsgesellschaft aber nach mittelmäßig erfolgreicher Entnazifizierung gerne weiter als das „ihre“ betrachten würde, ohne sich der Hortung nationalsozialistischen Kulturgutes schuldig zu machen. Die Filmemacherin Riefenstahl ist ein Exempel, die Schauspielerin Paula Wessely, der Dirigent Karajan – und der Bildhauer Müllner. Ja, sie waren alle mehr oder weniger aktive Nazis oder haben für die Nazis Propaganda gemacht, aber was können ihre Kunstwerke dafür? So oder so ähnlich tönt der intendiert naive Duktus, wenn es um Schuld und viagra professional Nicht-Schuld in der Kunst geht. Kunst wäre so gern unberührt von Gesellschaft – ein Akt, der aus der Magengegend kommt, aus dem Herzen höchstens. Dass die akademische Institution sich maßgeblich an der Ausführung politischer Verbrechen beteiligt hat und professional cialis online nicht selten selbst Vorreiterin war, dass nur in dem von NS-Politiken formulierten Rahmen Müllner so groß werden und Herbert Boeckl – extra aus Paris zurückgekehrt und der NSDAP beigetreten – seinen Abendaktunterricht ausführen konnte, wird unter den Teppich der Geschichte gekehrt. Mit Erfolg, denn beide wurden sofort nach Beendigung des Nationalsozialismus rehabilitiert: Das Schreiben, das Müllner als integren Akademiker, beinahe als Antifaschisten beschreibt, ihm damit die Entnazifizierung bestätigt und bis zur Pension eine Professur sichert, liegt im Archiv der Akademie. Und dass Boeckl der erste Nach-NSRektor wurde, ist ohnehin kein Geheimnis. Er habe aus wirtschaftlichen Gründen an der Akademie bleiben müssen, so die Nacherzählung. Um die vollständige Rehabilitierung zu sichern, wird die Boeckl-Ausstellung im Belvedere vom österreichischen Bundespräsidenten eröffnet. Typischer Fall von umstritten eben. 

„Umstritten“ ist aber manchmal auch ein Werk selbst – und die Hakenkreuzornamente sind mehr als das. Beziehungsweise, der häufigste Kommentar: „Das sind doch gar keine Hakenkreuze“ – denn: sie sind falsch rum gedreht, sie sind schon im 19. Jahrhundert gelegt worden, sie sind ein griechisches Ornament und so weiter. Ob es welche sind oder nicht, ist für die gedenkpolitischen Überlegungen zugegebener Maßen irrelevant. Zentral ist die Frage, was anderes mensch darin sehen kann – im Prunkraum einer Institution, die sich übereifrig um ihr Standing im NS-Kunstbetrieb bemüht hat, und deren Geschichte so gut wie nicht aufgearbeitet wurde.

Kunst und Propaganda im öffentlichen Raum

Draußen vor den Toren der Akademie steht auch ein Bronzenazi: Josef Weinheber, NSDAP-Mitglied, Dichter auf Hitlers „Liste der Gottbegnadeten“, von der Weinheber- Gesellschaft errichtet, von der MA7 betreut, von unbekannten Antifaschist_innen mehrmals beschüttet, angesprüht und zuletzt in Pappmaché eingewickelt. „Ihre Idee bzw. der Wunsch nach künstlerischer Intervention im Bereich des Schillerplatzes wird dem dafür zuständigen Beirat der ‚Kunst im öffentlichen Raum GesmbH’ vorgelegt werden.“, schreibt die zuständige Person der MA7 auf Anfrage. Wir warten gespannt auf Anweisungen.

PS: Der Schillerplatz heißt auch nicht mehr an allen Ecken und Enden nach dem Dichter in seiner Mitte, sondern auf manchen Seiten seit geraumer Zeit „Platz für die auf Betreiben der Akademie 1938 vom Platz vertriebenen Juden und Jüdinnen.“ Ein weiteres Kapitel in der ruhmlosen Geschichte der Institution. Gegen Bechtholds Amtsenthebung gab es übrigens ein Protestschreiben mehrerer Studierender – das findet sich im gut sortierten Archiv der Universität. Was es damit auf sich hatte, und welche Konsequenzen die Studierenden zu tragen hatten, soll die weitere Recherchearbeit der Plattform Geschichtspolitik in absehbarer Zeit ergeben.


Die Plattform Geschichtspolitik wurde als Lehrveranstaltung und Arbeitsgruppe während der Uni brennt-Bewegung gegründet und arbeitet seither mit Recherche und Interventionen zur Geschichtspolitik der Institution und ihrer städtischen Umgebung. Sie tagt und plant in offenen Treffen in den Räumlichkeiten der Akademie der bildenden Künste Wien.
Kontakt: plattformgeschichtspolitik(at)lists.akbild.ac.at


Empfohlene Literatur:

H. Seiger, M. Lunardi, P. J. Populorum (Hg.): Im Reich der Kunst, Wien 1990.

Diese Publikation, die weitgehende Recherchen über die Kunstakademie während der Nazizeit umfasst, ist von Student_innen an der und um die Akademie der bildenden Künste Wien ohne Unterstützung der Institution publiziert worden. Das Buch ist vergriffen.