IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Die Bildstrecke ist diesmal der Posterserie Out of Sorts von Andrea Geyer entnommen. Sie kombiniert Zeichnungen ikonischer Images aus den Medien mit queeren Küssen, poetischen Texten und Begriffsdefinitionen aus dem Oxford English Dictionary. Die Logik von Plakaten zugleich nützend und unterwandernd, untersucht sie Diskrepanzen zwischen Begehren, Bildproduktion und mächtigen Definitionen. Dabei adressiert sie die reale und epistemische Gewalt gegen die Queer Community ebenso wie Ansprüche auf politische Rechte. Durch ungewöhnliche Verbindungen und zufällige Begegnungen von Begriffen entstehen neue Formen des Umgangs mit Sprache und Bild.

Me, You, and Them. No one is secure warnt das Mittelposter dieser Ausgabe – eine Fotoarbeit von Borjana Ventzislavova. Es zeigt eine Gruppe schicker Business Männer im besten Alter, durch Wasser watend und sichtlich von ihrer Situation getroffen. Dazu schreibt die Kuratorin und Kritikerin Luisa Ziaja: Der sich hier einstellende Widerspruch zu den genannten omnipräsenten Bildern von Migration lässt sich aus mehreren Perspektiven fruchtbar machen. Zunächst einmal auf jener Ebene, die der Titel anspricht „No one is secure“ – niemand ist sicher vor einem in den gewohnten Alltag hineinbrechenden Ereignis, das unerwartet das Zuhause und allen Besitz entreißt. Es ist aber weniger das „allgemein menschliche“ der Migration, das Borjana Ventzislavova hier in den Blick rückt als vielmehr strukturelle gesellschaftliche Bedingungen, denn auch in einer existenziellen Situation bleiben soziale Differenzen wirksam.

Ebenfalls mit Migrations- und Blickregimen beschäftigt sich die Arbeit von Kamen Stoyanov auf dem Rückencover. Es zeigt ein Foto von einer Performance in Paris. Der kleine Eiffelturm, den der Künstler in die touristische Kulisse des echten großen Pariser Wahrzeichens hält, ist die Fotografie von einer Reproduktion auf dem Dach eines Restaurants im bulgarischen Rousse. Kamen Stoyanov untersucht in seiner künstlerischen Praxis gesellschaftliche Realitäten: Migration, urbanes Leben, den Umgang mit dem öffentlichen Raum. Zugleich befragt er die distinktiven Logiken, die den Kunstwert von jenem alltäglicher Gestaltungspraxen unterscheiden. Dabei geraten in ironischer Weise Gewohnheiten des Sehens ebenso in den Blick wie Mechanismen der Repräsentation.


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.