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Die Verweigerung der freiwilligen Knechtschaft
Das Herrschaftsmodell La Boéties und das Revolutionskonzept
des gewaltfreien Anarchismus

Lou Marin

Der gewaltfreie Anarchismus ist eine von mehreren Strömungen in der anarchistischen Theorie- und Praxisgeschichte. Einfluss und Wirkung als radikaler Flügel innerhalb einer Massenbewegung erreichte er im deutschsprachigen Raum direkt nach dem Ersten Weltkrieg, dann in den Ökologie- und Friedensbewegungen Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre (in Österreich durch die erfolgreiche Au-Besetzung in Hainburg 1984), und mit Abstrichen bei der spontanen, nicht von Parteien dominierten Massenbewegung gegen die DDR-Regierung im Herbst 1989.

Das theoretische Revolutionskonzept des gewaltfreien Anarchismus ist alt und geht auf den Franzosen Etienne de La Boétie (1530-1563) zurück, von dem posthum 1577 die relativ kleine, nichtsdestoweniger prägende Schrift Discours de la servitude volontaire (Rede über die freiwillige Knechtschaft) veröffentlicht wurde, auch bekannt und immer wieder zitiert unter dem Titel Le Contr’un (Wider die Alleinherrschaft). Die Schrift kann mit zu den Frühschriften der politischen Ideengeschichte und der Aufklärung gezählt werden. La Boétie entwirft darin sowohl ein Herrschaftsmodell wie auch eine Gegenstrategie zur Abschaffung der Herrschaft.

Das Herrschaftsmodell besteht aus einer Herrschaftspyramide, bei der an der Spitze der König (wahlweise der Diktator, der Tyrann, die Regierung) steht. Es folgt darunter der engere Hofstaat des Königs. Danach folgt die Aristokratie, d.h. die den König mit seinem Hofstaat tragende herrschende soziale Klasse. Schließlich folgt als breite Basis des Herrschaftsmodells ganz unten die Masse der Beherrschten, je nach dem auch aktualisierbar als die unterdrückte Bevölkerung, die ausgebeuteten Schichten oder die untere soziale Klasse. Aus diesem Modell ist bereits leicht ihre Aktualisierbarkeit für die Analyse moderner Herrschaftsformen wie Kapitalismus, Bürokratien oder Militärdiktaturen herauszudestillieren – darin liegt sicher der Grund für die lange Rezeptionsgeschichte der Schrift und dafür, dass sich immer wieder TheoretikerInnen mit der Intention radikaler Gesellschaftsveränderung in kreativer Anwendung auf ihre zeitgenössische Herrschaftsstruktur auf La Boétie bezogen.

Die Gegenstrategie beginnt mit dem Hinweis La Boéties darauf, dass die Basis des Modells, die Masse der Bevölkerung nicht etwa untereinander solidarisch in Verbindung steht, sondern individuell isoliert und wie an den Fäden eines Marionettenspielers gezogen aufblickt und mit den höheren Niveaus der Pyramide verbunden ist, sowohl materiell wie von den Bewusststeinsstrukturen her – durch Abgabe von Geldern an die Regierung, durch eigene Zurverfügungstellung für deren Militär, aber auch durch Bewunderung und Heldenverehrung der Pyramidenspitze. La Boétie sagt nun, dass diese Zusammenarbeit, Unterstützung und Bewunderung im Kern eine freiwillige Entscheidung derjenigen ganz unten ist, der Beherrschten. Über den Begriff der Freiwilligkeit hat sich in der Rezeptionsgeschichte eine lange Auseinandersetzung entsponnen und diese These ist auch vielfach ein Grund für Ablehnung oder Kritik der Schrift im marxistischen Lager wie auch für ihre Attraktivität im anarchistischen Lager gewesen. Der Schlüssel zur Gegenstrategie liegt nämlich in dieser Freiwilligkeit, später auch unter dem Namen subjektiver oder ahistorischer Faktor bekannt – einer unter allen denkbaren gesellschaftlichen Bedingungen also immer wieder neu vorliegenden Möglichkeit, diese Unterstützung der Herrschenden durch freie Entscheidung massenhaft zu verweigern, weil sie ursprünglich ja auch „freiwillig“ eingegangen worden ist.

Durch die Verweigerung materieller und geistiger Unterstützung der oberen Niveaus der Herrschaftspyramide wendet sich die Masse der Beherrschten überhaupt erst sich selbst zu und entdeckt die Solidarität untereinander. Damit sind die Fäden nach oben durchtrennt: „Ich will nicht, daß ihr ihn (den Alleinherrscher; d.A.) verjagt oder stürzt, nur unterstützt ihn nicht länger, und ihr werdet sehen, daß er wie ein riesiges Standbild, dem man den Boden wegzieht, vom eigenen Gewicht zusammenstürzt und in Stücke bricht.“ (La Boétie 1980: 45)

Gewaltfreie AnarchistInnen sind sogar der Meinung, dass sich die Möglichkeiten für dieses Revolutionsmodell gerade bei modernen bürokratischen Herrschaftsformen gegenüber der Zeit La Boéties erhöht hat. Denn damals, im Absolutismus, war der Herrscher klar erkennbar und seine Nachfolge durch Erbfolge geregelt. Die klare Erkennbarkeit des Verantwortlichen erhöht in revolutionären Situationen die Tendenz zur Tötung des Herrschenden als Revolutionsmodell, während in modernen Gesellschaften nahezu aus jeder gesellschaftlichen Schicht durch selektive Auswahl, Ausbildung und Karriere machtgierige Menschen in Herrschaftspositionen nachrücken können. Gegen sie ist Gewalt nicht nur moralisch, sondern vor allem auch aus Wirksamkeitsgründen sinnlos, wenn ihre Basis, die Mitarbeit und Zustimmung der Beherrschten intakt bleibt.

Die Rezeptionsgeschichte der Schrift von La Boétie ist lang und beeindruckend. Sie reicht von Boéties Freund und Zeitgenossen Michel de Montaigne über Spinoza, Montesquieu, Rousseau bis hin zur anarchistischen Wiederentdeckung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bei Leo Tolstoi, Gustav Landauer, Max Nettlau oder Simone Weil. In jüngster Zeit ist das Modell La Boéties in einer prägenden Schrift der Bewegung für eine andere Globalisierung von Michael Hardt und Antonio Negri, Empire, erneut aktualisiert und auf die Struktur globaler Herrschaft angewendet worden.


Lou Marin ist Mitherausgeber der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution und lebt in Marseille.


Literatur

Etienne de La Boétie, Von der freiwilligen Knechtschaft [1577], Frankfurt/M. 1980 (Europäische Verlagsanstalt) – beste Ausgabe mit vielen Beispielen zur Rezeptionsgeschichte.

Michael Hardt und Antonio Negri, Empire, Frankfurt a.M. 2002 (Campus Verlag).

Gustav Landauer: Die Revolution [1907], Münster 2003 (Unrast Verlag).