IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und order cialis us intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und united healthcare viagra Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und viagra discounts Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

… eine gesellschaftliche Stimmung

Gewaltverhältnisse im Gespräch.

Mit Carla Knapp & Angela Zwettler und pfizer viagra Fiona Rukschcio

Bildpunkt: Bei unserem Themenschwerpunkt Gewaltverhältnisse geht es darum, die ganz alltäglichen Erfahrungen von Gewalt nicht als losgelöst von gesellschaftlichen Verhältnissen zu betrachten. Wir wollen vielmehr den Blick auf die allgemeinen Strukturen werfen und levitra vs cialis dabei auch die Verstrickungen und cialis price 50 mg Widersprüche thematisieren, die sich beim Handeln in ihnen ergeben. Der Kunst wird im Hinblick auf Gewalt häufig die Aufgabe zugeschrieben, gerade jene Unmittelbarkeit und viagra online usa die existenzielle Erfahrung von Gewalt zum Ausdruck zu bringen oder zu verhandeln. Entgegen dieser Aufgabe gibt es aber in den letzten Jahren auch den nicht unbedeutenden Trend, mit Hilfe künstlerischer Mittel analytisch hinsichtlich der Strukturen zu agieren. Zu diesem Trend zählen wir auch Eure Arbeiten. Fiona, du hast in einer preisgekrönten Arbeit common.places (1999) alltäglichen Sexismus thematisiert. In einer Besprechung (von Linda Stift) hieß es dazu, es handle sich bei Deinem Film um eine Art „Oral History sexueller Übergriffe“. Setzen wir voraus, dass das strukturelle Gewaltverhältnis nach wie vor besteht, dass Frauen solchen Situationen aussetzt, wie beurteilst Du mit dem zeitlichen Abstand die Strategie, das Strukturelle im Alltäglichen aufzuzeigen?

F.R.: Die Arbeit wurde zunächst in einer Galerie gezeigt, erst dann habe ich sie bei der Diagonale eingereicht und sale viagracialis online canada damit diesen Preis gewonnen („Innovatives Kino 2000“). Es war mir von Anfang an sehr wichtig, die Öffentlichkeit zu nut- zen oder für ein Problem erst herzustellen, dass nämlich bestimmte Übergriffe nicht als Gewalt wahrgenommen werden. Mir ging es u.a. darum, wissenschaftliche Erkenntnisse zu visualisieren. Ich möchte aber auch Bilder schaffen, die ich nicht sehe, die ich aber sehen möchte. Im Hinblick auf Gewalt gegen Frauen ist meines Erachtens eine besondere Vorsicht geboten, um nicht die stereotypen Bilder von ängstlichen Frauen mit den weit aufgerissenen Augen zu reproduzieren. In der Tradition des feministi- schen Filmschaffens der 1970er Jahre setze ich daher auf das Empowerment von Frauen selber. In common.places habe ich diesen Aspekt der Ermächtigung mit dem prinzipiellen Hinweis darauf verknüpft, dass die Gewalt nicht nur nachts im Park, sondern vor allem auch im Privaten stattfindet. Bevor die Frauen also vor der Kamera von ihren Erfahrungen berichten, zeige ich die Orte, an denen sie sprechen, die eben oft private Orte sind. Die Reaktionen auf den Film, und damit komme ich zu Eurer Frage zurück, haben mir gezeigt, dass es nach wie vor eine wichtige Methode ist, ein Bewusstsein für die Ausmaße und Situationen von Gewalt zu schaffen. Ich halte dass auch nach wie vor für notwendig, da wir uns meiner Wahrnehmung nach in Zeiten eines Backlashs befinden.

Bildpunkt: Als Ausdruck eines Backlashs ließen sich auch die Reaktionen auf eine eurer Arbeiten interpretieren, Carla und indian cialis canada Angela. Es kam zu einer bezeichnenden Situation, als man euch 2007 von der Beteiligung an den Feierlichkeiten zu „10 Jahren österreichische Gewaltschutzgesetze” wieder ausgeladen hat, nachdem ihr zuvor eingeladen wart, mit Eurer kunstpolitischen Intervention die Feier künstlerisch mit zu gestalten. Über die Gründe gab es unterschiedliche Angaben. Bei einer Arbeit – einer Fotomontage mit einer Musilima, die selbstbewusst vor der Kulisse österreichischer Kirchtürme steht – war der Satz zu lesen: „Wir fordern einen autonomen Aufenthaltsstatus für Migrantinnen! Sie sind sonst rechtlos der Gewalt durch den Ehemann ausgesetzt.“ Bei einem weiteren Bild war eine Frau zu sehen, die sich mit einem Messer zur Wehr setzt, was für das Frauenministerium offiziell als „nicht ministrabel“ galt. Der Staat taucht in dieser Geschichte als Schutzinstanz vor Gewalt einerseits und free trial of cialis als Exekutor jener strukturellen Gewalt andererseits auf, der Migrantinnen ausgesetzt sind und healthcare of canada pharmacy die offenbar nicht einmal angesprochen werden darf.

C.K.: Die Ausgangssituation war die, dass dem damaligen Innenminister Günther Platter das Bild der fordernden Migrantin nicht zugemutet werden sollte, da der Fall Arigona Zogaj zu der Zeit für großes Aufsehen sorgte. Begründet wurde das Zurücknehmen der Einladung dann damit, dass wir mit dem Bild von der Frau mit dem Messer zur Gewalt aufrufen würden. Wenn man sich in diesem Zusammenhang die Bilder von Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag hernimmt, die allgemein mit „Schutz“ assoziiert werden, und dann eine Frau, die sich mit einem Messer gegen Gewalt zur Wehr setzt als Aufruf zur Gewalt missversteht, kann man in Ansätzen die Absurdität der patriarchal geprägten Gesellschaft erahnen.

A.Z.: Wir haben unsere künstlerische Arbeit auf verschiedenen Ebenen dem Kampf gegen Gewalt an Frauen gewidmet und sind damit zum Teil auch recht erfolgreich gewesen – wobei sich sicherlich diskutieren lässt, worin der Erfolg einer kunstpolitischen Intervention besteht. Von unseren Glückskeksen mit Texten zum Thema haben wir jedenfalls in Tirol im ersten Projektjahr rund 16 000 Stück verteilt, die Botschaften darin unterbrechen den Alltag für einen kleinen Moment und verweisen zugleich auf die strukturelle Alltäglichkeit jener Gewalt. Wir wollen den Blick also auch auf Strukturen lenken. Bei diesem Projekt haben wir die Mittel der Werbung benutzt und konnten mit einer überdimensionalen Leuchttafel an der Brüstung des Tiroler Landesmuseums die Gewalt an Frauen thematisieren. In solchen Formen der Visualisierung hat die bildende Kunst anderen Formen der Aufklärung vielleicht sogar etwas voraus.

Bildpunkt: Um noch einmal auf die Frage des Strukturellen zurückzukommen: Offenbar ist es ja noch eher möglich, eine Frau mit einem Messer zu zeigen, als eine Migrantin, die Forderungen stellt. Die staatliche Gewalt, die sich gegenwärtig gegenüber AsylbewerberInnen wieder besonders äußert, hat in diesem Bereich kein Pendant zum Gewaltschutzgesetz. Es stellt sich also die Frage, inwiefern nicht aus einer feministischen Perspektive viel mehr noch solche Differenzen innerhalb der Strukturen berücksichtigt werden müssten.

F.R.: Bereits die österreichischen Philosophin Helene von Druskowitz hat Ende des 19. Jahrhunderts gefordert, dass Frauen sämtliche Sphären der Macht besetzen sollten. Im Hinblick auf den Zusammenhang von Kunst und Politik ist überhaupt die erste Frauenbewegung interessant, denn bereits bei den Suffragetten und im gesamten Kampf um das Wahlrecht der Frauen wurden Fragen wie die nach der angemessenen Form für die möglichst wirksame Verbreitung von Inhalten in der Öffentlichkeit diskutiert. Die daraus entstandene Problematik, ob in Institutionen oder autonom gearbeitet werden soll, besteht ja letztlich bis heute.

A.Z.: Nehmen wir die Ära der ersten Frauenministerin in Österreich, Johanna Dohnal, zum Beispiel, dann müssen neben der Kritik von autonomer Seite aber auch die vielen Fortschritte gewertet werden. Es handelt sich bei der sozialdemokratischen Strategie eben um eine Politik der kleinen Schritte.

C.K.: Autonomie und Institution sollten dementsprechend auch nicht als sich ausschließende Gegensätze diskutiert werden. Jede, wo sie kann! Die Hauptsache ist doch, dass sich etwas verändert. Ich sehe aber auch die Notwendigkeit, gegen den schon angesprochenen Backlash anzugehen. Den würde ich mit der schwarzblauen Regierung ab 2000 ansetzen. Seitdem sind nicht nur viele Frauenprojekte nicht mehr gefördert worden, sondern es ist zudem eine gesellschaftliche Stimmung entstanden, die Dinge wieder möglich gemacht hat, die als längst überwunden galten. Dass wir heute Angst haben müssen, wenn wir für ein Bleiberecht demonstrieren, ist doch ein Skandal.

Bildpunkt: Es stellt sich aber doch die Frage, ob nicht die sozialdemokratische Politik der so genannten kleinen Schritte auch eine Ideologie ist, die suggeriert, es ginge ständig vorwärts. Denn gerade damit werden doch auch Diskussionen über fundamentale Fragen wie beispielsweise die nach der Konstitution von Privatem und Öffentlichen in der Familienpolitik etc. verunmöglicht. Und wenn die Frauenpolitik in Zusammenhang mit der Migrationspolitik betrachtet wird, muss doch eher darauf insistiert werden, dass strukturelle Gewalt systematisch ausgeblendet wird.

C.K.: Zur Zeit ist es kaum mehr möglich, für frauenpolitisch motivierte künstlerische Arbeit, z.B. zum Thema Gewalt an Frauen, Förderungen zu bekommen. Das hat nach wie vor damit zu tun, dass an den Stellen, an denen Entscheidungen getroffen werden, meistens Männer sitzen. Bei einem der Fördergeber hat sich die vielsagende Situation ergeben, dass der Entscheidungsträger in unserem Antrag liest, jede vierte Frau habe Gewalterfahrungen gemacht und daraufhin seine Sekretärin hereinruft und sie fragt, ob sie Gewalt erfahren habe. Nein, sagt sie, ich habe keine Gewalt erlebt. Sie kenne auch keine anderen Frauen, denen Gewalt widerfahren sei. Erst meine Frage, ob sie sich denn vorstellen könne, dass Frauen, die sie kennt, Gewalt erfahren haben ohne darüber zu sprechen, hat sie bejaht. So etwas bei einem Gespräch zur Förderung eines Projektes gegen Gewalt an Frauen zu erleben, halte ich für einen paradigmatischen Ausdruck struktureller Gewalt.

Bildpunkt: Wenn wir über strukturelle Gewalt sprechen, sollten wir auch die gegenwärtige Aufteilung des Politischen in einen gouvernementalen, die projekthafte Förderung des Individuellen und Persönlichen betreibenden Bereich auf der einen und den der Staatsgewalt auf der anderen Seite, auf der nämlich, wo es um Entscheidungsmacht geht, in Betracht ziehen. Angesichts dessen müssten wir auch das Verhältnis zwischen dem Alltäglichen und dem Strukturellen neu denken. Wo ist darin unsere Handlungsmacht?

F.R.: Mir ist schon ganz wichtig, im Kleinen zu beginnen. Die Politik muss sich schließlich aus dem Alltag heraus entwickeln.


Angela Zwettler ist Künstlerin, lebt und arbeitet in Wien. www.zwettlera.wordpress.com

Carla Knapp ist Filmemacherin und betreibt kunstpolitische Projekte, lebt in Wien.

Fiona Rukschcio ist Künstlerin und lebt in Wien, ihre Arbeit Bill Posters will be prosecuted wird von 27. 5. – 9. 6. bei FotoK in Wien gezeigt.


Das Gespräch fand am 6. Mai 2010 in Wien statt, wurde von Nora Sternfeld und Jens Kastner geführt und in Abstimmung mit den Teilnehmerinnen überarbeitet.