Regimestörungen
Der Begriff des Regimes hat in den letzten Jahren in verschiedenen Diskursen Anwendung gefunden, die zunächst wenig gemeinsam zu haben scheinen: Das Akkumulationsregime beschreibt die Organisation von Produktion und Kapitalflüssen, das ästhetische Regime ist Teil der „Ordnungen des Sinnlichen“ (Rancière), das Migrationsregime zielt auf die Regulierung von Zuwanderung, ohne dass dabei allerdings die MigrantInnen als Subjekte ausgeklammert werden, das Geschlechterregime meint das ebenfalls unter Mitwirkung der Beteiligten entstehende und in die Körper eingehende Normen- und Wertegefüge von Sexualität und Geschlechtlichkeit – vom Arbeits-, Bild- und/oder Blick- bis zum Zeichenregime zunächst gar nicht zu reden.
Regimes zielen, so unterschiedlich sie auch gefasst werden, auf die Formierung von Dominanz ab. Ein Regime ist insofern – ähnlich der Hegemonie – immer auch ein Prozess, der kein Außen kennt. Ein Regime in diesem Sinne lässt sich nicht stürzen. Seine Formierungen können aber gestört und damit verändert werden.
Die Ausgabe des Bildpunkt versucht, jene möglicherweise gemeinsame Dimension des Regime-Begriffes auszuloten und seine Tauglichkeit für die aktivistische wie künstlerische Praxis zu hinterfragen.
Das Heft entstand in Kooperation mit der Vorbereitungsgruppe zur Tagung „Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird“, die im Mai 2010 an der Akademie der bildenden Künste in Wien stattfindet.
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