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Marginalisierte Körper in der neoliberalen Stadt

Imke Schmincke

Kleine, große, eckige und runde Körper bewegen sich durch die Stadt. Dieser Text handelt jedoch davon, dass und wie die neoliberale Stadt in besonderer Weise marginalisierte – und damit zusammenhängend auch normalisierte – Körper produziert.

Die neoliberale Stadt ist Ausdruck einer veränderten Verwertungslogik des Kapitalismus. Ihre Kennzeichen sind der Standortwettbewerb und die damit einhergehende ‚Vermarktung‘ der Städte, Gentrification und Verdrängung, die zunehmende Privatisierung und Kommodifizierung von Räumen und Ordnungspolitiken sowie last not least die Etablierung neuer Kontrollregime. Sicherheit und Gefahr sind die aktuellen Leitbilder dieser Stadt- Politik. Neu hieran sind vor allem drei Aspekte: Zum einen sind die AkteurInnen dieser Politik sehr vielfältig, sie reichen von staatlichen/städtischen Instanzen über privatwirtschaftliche AkteurInnen bis hin zu privaten Initiativen. Zum anderen sind die ‚Objekte’ der Überwachung zu differenzieren in Gruppen, die sich der Kontrolle unterwerfen und darin ‚normalisieren’, und Gruppen, die von der Kontrolle existentiell betroffen sind (sog. ‚Randgruppen’, Flüchtlinge etc.). Zum dritten ist neu, dass sich die Kontrollpraktiken zumeist räumlich realisieren und dass sie dabei, so die These dieses Textes, vor allem an den menschlichen Körpern ansetzen, sich also im Raum und an den Körpern materialisieren. Von großer Bedeutung ist in diesem Kontext die Neu - ordnung des öffentlichen Raums, denn hier finden die neuen Techniken Anwendung, hier werden marginalisierte und normalisierte Körper produziert und damit nicht zuletzt die Kämpfe um die Nutzung dieses Raums ausgetragen.

Mit dem body turn in den Kultur- und Sozialwissenschaften rücken die menschlichen Körper sowohl als Produkte wie Produzenten gesellschaftlicher Prozesse in den Blick. Das bedeutet, dass gesellschaftliche Normen und Praktiken einerseits die Gestalt, die Bewegungen und Empfindungen der Körper ‚prägen’, dass andererseits aber die Körper das Soziale (re)produzieren, dass Sozialität immer auch körperlich vermittelt ist. Für die Analyse der körperlichen Dimension des Sozialen ist das Habitus- Konzept von Pierre Bourdieu hilfreich. Der Habitus ist eine im Körper verankerte Struktur, die das Fühlen, Denken, Klassifizieren und Urteilen ‚anleitet’, ein, wie Bourdieu auch schreibt, sense pratique, ein praktischer Sinn. Dieser orchestriert die alltäglichen körperlichen Praktiken, die Wahrnehmung und Klassifizierung anderer Körper. Der Habitus ist überindividuell, er ist Ausdruck einer spezifischen Klassen- und Geschlechterlage, d.h. in ihm und durch ihn verkörpert sich die jeweilige soziale Lage. Wenn man den Habitus um die Verkörperung sozialer Normen allgemein erweitert, lässt sich das Konzept auch für die Analyse von Normalisierungs- und Marginalisierungsprozesse im öffentlichen Raum nutzen. Für die Perspektive auf Körper im öffentlichen Raum sind in Bezug auf den Habitus zwei Kategorien besonders relevant: Sichtbarkeit und Wahrnehmung.

Die Kontrolltechniken, die den Raum überwachen und neu ordnen, richten sich vor allem auf die Körper und ihre Bewegungen – die Körper werden als Träger sozialer Zeichen sichtbar. In die Wahrnehmung und Klassifizierung von Körpern sind soziale Kriterien eingelagert: Der kontrollierende Blick nimmt zwar alle den öffentlichen Raum nutzende Körper wahr, aber nur bestimmte Körperbewegungen werden negativ sanktioniert wie das Betteln, auf dem Boden Sitzen etc. Die Wahrnehmung wird durch habitu- elle Dispositionen strukturiert, d.h. wir nehmen bestimmte Körperbewegungen und Körpergestalten als ‚normal’ oder ‚anormal’ wahr entsprechend sozialer, kultureller und geschlechtsspezifischer Kategorien. Umgekehrt schreiben sich diese Kategorien auch ein in die Weise, wie wir uns bewegen, kleiden, in welcher Weise wir den (öffentlichen) Raum nutzen. Die neuen Kontrolltechniken in der Stadt bewirken den Ausschluss bestimmter Körper und Körperpraktiken – genau jener, die aus der neoliberalen Verwertungslogik herausfallen.

Beispielhaft lässt sich dies an der ‚Innenarchitektur’ des öffentlichen Raums, den „gefährlichen Orten“ und der Videoüberwachung verdeutlichen. Mit Innenarchitektur meine ich die ‚Einrichtung‘ öffentlicher Räume, die ein Verweilen und sich Aufhalten in diesen er/verun-möglichen: das Entfernen von Bänken oder Büschen, klassische Musik zur Vertreibung unliebsamer Gruppen in Bahnhöfen oder Hausordnungen, die die Nutzung des Raums reglementieren. Die polizeilich definierten „gefährlichen Orte“ hingegen bewirken nicht nur den Ausschluss durch Kontrollen und Platzverweise, sie implizieren die Kriminalisierung von Körper- Bewegungen, da diese qua Ort unter Verdacht stehen. Die VideoÜberwachung erfasst einerseits alle Körper, die sich im öffentlichen Raum bewegen. Sie produziert jedoch andererseits ‚normalisierte‘, d.h. unauffällige, sowie ‚störende‘ Körper, denn ihre Funktion ist das Herausfiltern illegitimer Körper und ihrer Bewegungspraktiken.

Die in diesen Kontrollregimen produzierten marginalisierten Körper sind in doppelter Weise stigmatisiert: Sie fallen aus dem glatten, auf Konsum und Verwertung ausgerichteten (öffentlichen) Raum heraus und tragen gleichzeitig die körperlichen Merkmale sozialen Elends, das die neoliberale Stadt aus sich heraus produziert, das sie marginalisiert und an die Ränder der Stadt zu bannen versucht.


Imke Schmincke ist Soziologin an der LMU München und lebt in München und Hamburg. Zuletzt erschienen ist ihr Buch Marginalisierte Körper. Eine Studie zu Körper, Raum und Marginalisierung, Bielefeld 2009 (transcript Verlag).