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Kunst im Stadtraum und die Politisierung der imaginarios urbanos in lateinamerikanischen Großstädten

Joaquín Barriendos Rodríguez

Das soziale Leben und die intersubjektive Funktion des ästhetischen Denkens im Innneren der gegenwärtigen Städte zu erforschen, kann nicht mit geschlossenen und säuberlich abgegrenzten Disziplinen wie der Soziologie, der Wahrnehmungstheorie, dem Urbanismus, der Sozialgeographie oder der Kunstanthropologie geschehen. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn das ästhetische Denken nicht länger einfach als ein Wahrnehmungsdiskurs verstanden, sondern als eine Form der Intervention, der Infiltration und der Produktion der alltäglichen materiellen und symbolischen Beziehungen aufgefasst wird. Was ich also im Folgenden versuchen werde, ist, die interdisziplinären Reflektionen um den Ort herum zu öffnen, an dem sich die soziale Produktion der imaginarios urbanos mit den zeitgenössischen künstlerischen Praktiken in den lateinamerikanischen Städten kreuzen.

Die Idee, die Formen des sozialen Lebens zu erforschen, die sich zwischen dem aktuellen ästhetischen Denken und der symbolischen Rekonfiguration des Urbanen herausbilden, beansprucht zweierlei: Auf der einen Seite soll sie die Kritik an der Art und Weise unterstreichen, in der normalerweise der vermeintlich öffentliche Charakter einiger Strategien zeitgenössischer Kunst verstanden wird (die sogenannte community art), und auf der anderen Seite soll sie die mikropolitische Dimension der Kunst als einer Produktionsform neuer intersubjektiver Identifikationen zwischen Individuen und den imaginarios urbanos fördern, d.h. als eine Form der kreativen Handlungsbefähigung des Öffentlichen und des Gemeinsamen.

I.
Seit der Jahrtausendwende erlebt die Weltbevölkerung eine Explosion des Phänomens der Megacities. Am Beginn des 21. Jahrhunderts traten 17 Megapolis in Erscheinung – jede mit mehr als 10 Millionen EinwohnerInnen – und veränderten die Physiognomie des Planeten enorm. Paradoxer Weise nimmt der urbane Raum nur 2 Prozent der gesamten Landfläche ein, während praktisch die Hälfte der Weltbevölkerung innerhalb oder am Rande der Städte lebt.

Das unmittelbare Resultat dieser Dynamiken des Wachstums der Städte, die Megapolisieurng und eine demografische Verdichtung, hat sich in Lateinamerika im Anstieg der Prozesse der „Favelaisierung“ und der „Verslummung“ des bewohnten Raumes materialisiert. Der Abbau offener bebauter Zonen und das Entstehen neuer und ausgedehnter, vorstädtischer Gebiete ohne jede Grundversorgung haben in den letzten Jahren die inneren Strukturen der Bewohnbarkeit vieler großer Städte in Lateinamerika geprägt.

Deshalb konnten die imaginarios urbanos der lateinamerikanischen Großstädte auf der einen und die architektonischen und urbanistischen Ideale auf der anderen Seite nur in getrennten Grammatiken der öffentlichen Sphäre überleben. In gewissem Maße haben die physischen und die symbolischen Orte der lateinamerikanischen Städte aufgehört, im Hinblick auf Erwartungen, Gewohnheiten und gegenseitige Bezugnahmen übereinzustimmen und sich zu überschneiden. Die Vervielfältigung der beschriebenen „verlorenen Städte“ in Lateinamerika verdankt sich – euphemistischer Weise – mithin den von ihr selbst hergestellten Brüchen zwischen der Bewohnbarkeit zum Überleben und der Bewohnbarkeit als Gegenstand urbanistischer Planung.

Die politische Kraft der imaginarios urbanos, d.h. der geteilten Bilder, die den alltäglichen Praktiken und Dynamiken Kohärenz, Sinn und Gegenwart verleihen, scheinen sich im Inneren dieser komplexen, und augenscheinlich inhärenten, Dichte von sozialen Codes der lateinamerikanischen Großstädte zu verflüchtigen. Um die Worte aufzugreifen, die Kevin Lynch in seinem Buch La imagen de la cuidad (Das Bild der Stadt) bezogen auf die erweiterte BürgerInnenschaft gebraucht hat, die Großstädte verursachen eine Schwächung der symbolischen „Lesbarkeit“ des sozialen Raumes. Diese semantische Verarmung der Idee, „eine Stadt zu bewohnen“, ist deutlich wahrnehmbar, wenn man sich ansieht, wie sich die Verbindung zwischen der BürgerInnenschaft und ihren BewohnerInnen gestaltet.

II.
Wie die Stadtentwicklungsprogramme auf der einen und die Pläne der Kulturförderung in den Megacities Lateinamerikas auf der anderen Seite zeigen, fördern die öffentlichen Kulturpolitiken die Idee, dass die verschiedenen Strategien künstlerischer Intervention in den öffentlichen Raum machbar und wünschenswert sind angesichts der Probleme, die Stadtplanung und Stadtentwicklung ungelöst gelassen haben. Die Kulturpolitik hat sich sehr geschickt in den Überschuss an städtischer Anerkennung eingeklinkt, den der Diskurs der Institutionskritik, der von der Warte der künstlerisch politischen Praktiken aus praktiziert wurde, hervorgerufen hat. Damit hat die institutionelle Verhandlung des öffentlichen Raumes eine Idee des sozialen Kompromisses sowohl mit der Kultur und ihren ProduzentInnen als auch mit den sozialen und kulturellen Institutionen hervorgebracht. Themen wie Migration, Ungleichheit, kulturelle Differenz oder die Stadt selbst als Reflexionsobjekt, sind ganz selbstverständlich Teil der gegenwärtigen Kulturpolitiken von öffentlichen und privaten Institutionen der Megapolis.

In Übereinstimmung mit dem Diskurs über partizipative Kunst und angesichts des Bedürfnisses oder des Bestrebens, gemeinschaftliche ästhetische Erfahrungen zu machen (künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum, die versuchen, Teil des kulturellen Geflechts der Stadt zu sein), verstehen sich viele künstlerische Vorschläge selbst auch als konkrete und reale Alternativen strategischer Interventionen und der Erneuerung des öffentlichen Raumes. Eine Form des kulturellen Altruismus – aufgeboten von den KünstlerInnen, aber bezahlt von den öffentlichen oder privaten Institutionen, die von einer konstanten sozialen Anerkennung und einer permanenten Aktualisierung ihrer sym Macht im öffentlichen Raum abhängig sind – versucht angesichts der Probleme des sozialen Gefälles und der städtischen Wohnbedingungen die Unwirksamkeit der institutionellen und staatlichen Bühnen zu ersetzen.

Dennoch, angesichts der unüberschaubaren Ebenen vieler Probleme wie der Wohnbedingungen, der Enge und der Armut in den lateinamerikanischen Großstädten in der Ära der Post-BürgerInnenschaften, ist es schwierig, klar zu unterscheiden, welche politisch- ästhetischen Strategien der Aneignung des öffentlichen Raumes tatsächlich helfen können, diese Situation von wachsender Unordnung und sozialer Ausgrenzung umzukehren. Andererseits neigt die Möglichkeit, mit der die Kunst im öffentlichen Raum Formen der Verschiebung hinsichtlich der gegenwärtigen Formen der sozialen Produktion des Metropolitanen oder hinsichtlich der Handlungsbefähigung neuer Politiken der Subjektivierung begünstigen kann, dazu, sich zu verflüchtigen. Und dies geschieht umso mehr unter den Bedingungen der verstärkten transnationalen Förderung der Kreativindustrien, der Kapitalisierung der Städte durch den Tourismus und der affirmativen Lokalisierung der Globalität durch die Kulturalisierung der Ökonomie. Dennoch öffnen sich dort Risse, wo sich die Felder der Reflektion der Visual Studies, die politische Dimension der imaginarios urbanos und die Strategien kritischer Auseinandersetzungen mit den zeitgenössischen künstlerischen Praktiken kreuzen, Risse, um sich ausgeglichenere Wohnbedingungen vorzustellen, vorzuschlagen und herbeizuführen.

Wenn man alle Formen der ästhetischen Idealisierung vermeidet, kann die Reartikulation neuer Formen der Repräsentation des öffentlichen Raumes vom Feld der Kunst aus als Scharnier zwischen der mikropolitischen Aktion der imaginarios urbanos und den Taktiken der Aneignung von „Orten“ der BürgerInnenschaft funktionieren. Die imaginarios urbanos können in diesem Sinne als Elemente fungieren, in denen sich nicht nur Erwartungen, Gewohnheiten und BenutzerInnen des sozialen Raumes, sondern auch die mikrourbanen oder mikropolitischen Praktiken, auf die sich Michel de Certeau in Bezug auf die Bewusstwerdung des Alltäglichen bezogen hatte, widerspiegeln.

Die von den künstlerischen Praktiken der urbanen Repräsentation ausgehende Reartikulation der imaginarios urbanos muss die Rhetorik von der Autonomie der Kunst zurückweisen. Würde sie es nicht tun, würde sie widersprüchliche Situationen im Hinblick auf den Zusammenhang von ästhetischer und politischer Repräsentation erzeugen, oder in Praktiken der Ästhetisierung der städtischen Unterentwicklung abgleiten, die nur die Funktion erfüllen würde, die moralische Besorgnis der Sozialeinrichtungen zu bebildern. Die ästhetische Zirkulation der imaginarios urbanos muss daher darauf abzielen, eine Stimmigkeit herzustellen zwischen den auf Angelegenheiten der BürgerInnenschaft ausgerichteten öffentlichen Politiken und den Kulturpolitiken, die die Problematiken der Stadt auf dem Gebiet des ästhetischen Reflektierens und Experimentierens aufgreifen, ohne dem falschen Dilemma der Ästhetisierung des öffentlichen Raumes in Form der Entpolitisierung künstlerischer Praktiken aufzusitzen.

Dadurch ist die Aufwertung der politischen Dimension der imaginarios urbanos, auf die ich mich hier beziehe (und die sich als mikropolitisches Spektrum ästhetischer Repräsentationen der Stadt oder als System der ästhetischen Produktion der symbolischen Inhalte des urbanen Raumes definieren ließen), mehr mit einer indirekten Erwartung der immateriellen Zirkulation der Bilder der BürgerInnenschaft verknüpft. Diese Dimension ließe sich als „synalgische Aktion“ begreifen, die, auch wenn sie von den künstlerischen Interventionen beflügelt wird, nur von der kollektiven und politisierten Aneignung eines neuen Bildes des Bürgers / der Bürgerin aktiviert werden kann. Eine solche „synalgische Aktion“ ließe sich definieren als ein Komplex von Erwartungen, die in bestimmten künstlerischen Aktionen enthalten sind und durch die die Anpassung an diverse kulturelle urbane Bezugspunkte ermöglicht werden, die, indirekt und ungeplant, konkrete und substanzielle Veränderungen in politischen Situationen hervorrufen können, die normaler Weise als „außer-künstlerisch“ wahrgenommen werden.

Diese Herangehensweise bedeutet keine Trennung zwischen dem Feld der künstlerischen Aktion und der politischen Sphäre der BürgerInnenschaft, sondern, im Gegenteil, eine neue Art und Weise, urbane Aktionen und urbanen Aktivismus mit dem Punkt zu verbinden, an dem die politischen und die ästhetischen Repräsentationen der StadtbewohnerInnen zusammenlaufen. Ein Beispiel wären jene politischen Situationen, in denen die BürgerInnen ihre urbanen Repräsentationen angesichts der Notwendigkeit, sie selbst betreffende, öffentliche Politiken auszuhandeln, neu organisieren, wie beispielsweise im Falle eines Plebiszites oder einer städtischen Umfrage. Andere Beispiele wären jene Situationen, in denen die kommunitäre Entwicklung als etwas wahrgenommen wird, das näher und angemessener erscheint als das individuelle Fortkommen, oder Situationen, in denen bebolischen stimmte Personen sich angesichts eines neuen, gemeinschaftlich vorgestellten Stadtprojektes gezwungen sehen, ihre städtische Biografie und ihre Strategien territorialer Zugehörigkeit zu reartikulieren.

Die ästhetischen Mikropolitiken sind daher epistemologische Motoren in kleinem Maßstab, von denen aus wirkmächtige soziale Transformationen ausgehen können. Dennoch kann die eigentliche Repräsentation städtischer Entwürfe, die nicht ausschließend sind oder psychogeografische Reformulierungen der Urbanität durch die Kunst darstellen, nicht aus sich selbst heraus das radikale politische Potenzial der imaginarios urbanos als verwirklichbare kollektive Wünsche artikulieren.


Joaquín Barriendos Rodríguez ist Fellow Researcher am Program in Museum Studies an der New York University und Gastprofessor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Barcelona.


Eine ausführliche Version dieses Textes erscheint auf Spanisch unter dem Titel Arte Público y Agenciamiento Social. De la crítica institucional a la politización de los imaginarios urbanos en la macrociudades de América Latina in: Jens Kastner / Tom Waibel (Hg.): … mit Hilfe der Zeichen | por medio de signos Transnationalisierung, soziale Bewegungen und kulturelle Praktiken in Lateinamerika, Wien/Münster 2009 (LIT Verlag).


Für den Bildpunkt stark gekürzt und aus dem Spanischen übersetzt von Jens Kastner.