IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und viagra 100 mg generic cialis canadian intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und viagra free sample Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und viagra online sales Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Städte als Gegenstände und how can i get some cialis Schauplätze hegemonialer Kämpfe 

Annika Mattissek

Was ist die Stadt? Welche Ansprüche soll sie erfüllen? Nach welchen Kriterien lässt sich entscheiden, was „richtige“ und „gute“ Stadtpolitik ist und buy propecia no prescription online wie sich die Stadt legitimerweise nach außen und nach innen präsentieren soll? Solche Fragen haben eine lange Tradition, sie sind, könnte man sagen, so alt wie die Stadt selbst, und genauso alt sind die kontroversen Debatten um die „richtige“ Antwort darauf. Gemeinsam machen sie deutlich, wie sehr auch die Stadt als Mikrokosmos gesellschaftlicher Gestaltung ein Ort des Politischen ist, wie sehr er, genau wie die Themen „großer“ Politik, Gegenstand von hegemonialen Auseinandersetzungen ist, in denen unterschiedliche Deutungsmuster um den (dominierenden) Geltungsanspruch ringen. Im zeitlichen Verlauf verfestigen sich dabei phasenweise bestimmte politische, ökonomische und viagra generic planerische Leitbilder zu „Paradigmen“, in die Stadtentwicklung und best price for generic cialis Stadtpolitik eingebettet ist, d.h. sie unterliegen einem permanenten diskursiven Wandel[1], der maßgeblich darüber entscheidet, welche Sichtweisen, Entscheidungen und find no rx viagra Strategien zu einem bestimmten Zeitpunkt als legitim oder abwegig gelten.

In diesem Zusammenhang lassen sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten in deutschen Städten tiefgreifende Veränderungsprozesse beobachten, die eine gravierende Transformation markieren, die das klassische Selbstverständnis der europäischen Städte zutiefst herausfordert. Gemeint ist der Übergang von früher stärker ausgleichsorientierten, wohlfahrtsstaatlichen Modellen hin zu marktwirtschaftlichen Argumentationslogiken. Sie zeigen sich sowohl in Bezug auf die Inhalte, Leitbilder und get viagra Paradigmen von Stadtpolitik als auch auf die damit verbundenen Formen der Aushandlung sowie die beteiligten AkteurInnen und buying cialis next day delivery Umsetzungsprozesse. Diese beinhalten bspw. neue Formen von Governance, eine stärkere Betonung von Sicherheitsaspekten sowie die verstärkte Einbindung wirtschaftlicher und privater AkteurInnen in städtische Entscheidungsprozesse (vgl. Heeg 2001). Getragen werden diese Phänomene durch eine generelle „Ökonomisierung der Perspektive“ (vgl. Grabow/Hollbach-Grömig/Birk 2006: 7), d.h. durch Begründungsmuster, die viel stärker als früher die Notwendigkeit wirtschaftlich effizienten Handelns betonen und eine generelle Wettbewerbsorientierung planerischer und politischer Prozesse fordern. Mit diesem Wandel der diskursiven Rahmung von Stadtpolitik und Stadtentwicklung verändert sich auch das Selbstverständnis von Stadt: Sie gilt zunehmend als Einheit, die sich „wie ein Unternehmen“ dem Wettbewerbsdruck der globalen Wirtschaft stellen muss.

Ein solches Verständnis von Städten als in erster Linie ökonomisch bestimmten Einheiten, hebt sich deutlich von früheren Paradigmen der Stadtpolitik und Stadtentwicklung ab, die z.B. im Sinne eines wohlfahrtsstaatlichen Verständnisses von Stadt in sehr viel stärkerem Maße an ausgleichenden und vermittelnden Politikformen orientiert waren. Was diese Veränderung so gravierend macht, ist die Tatsache, dass die beschriebenen Phänomene nicht allein auf Städte beschränkt sind, sondern viel tiefer eingebettet sind in einen weitgreifenden gesellschaftlichen Wandel, der sich in einer breit angelegten, in vielen Bereichen quasi die „Deutungshoheit“ beanspruchenden gesellschaftlichen Debatte um Ökonomisierung und Wettbewerbsfähigkeit äußert und in der sozialwissenschaftlichen Literatur häufig als „neoliberal“ bezeichnet wird.[2]

Bemerkenswert an diesem gesellschaftlichen Wandel ist, dass dieser durch einen breiten Konsens unter den beteiligten politischen und planerischen AkteurInnen getragen zu sein scheint. Die verfolgten Ziele und eingesetzten Strategien erscheinen oftmals als objektive, einzig richtige und unumgängliche Maßnahmen. Diese Bestimmung von Notwendigkeiten und Handlungsmaximen kann im Anschluss an die Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe (1985) als hegemoniales Projekt, als Ausdruck einer spezifischen Form, die Welt zu deuten, interpretiert werden, das sich gegen andere mögliche Lesarten durchgesetzt hat (vgl. Mattissek 2008). Grundlegend für diese Konzeptionalisierung gesellschaftlicher Wirklichkeit ist die Annahme, dass die Bedeutungen von Alltagshandlungen, sprachlichen Aussagen oder physischen Materialitäten, nie endgültig gegeben sind, sondern in diskursiven Auseinandersetzungen immer wieder neu bestimmt werden. „Hegemonie“ wird dabei verstanden als temporäre Fixierung diskursiver Bedeutungen. Die Durchsetzung einer bestimmten Deutungsweise der Welt als „hegemonial“ ist mit Macht verbunden, denn hierdurch wird auch festgelegt, wie Ressourcen verteilt und nach welchen Logiken Entscheidungen getroffen werden.

Folgt man dieser Sichtweise, so kann man gesellschaftliche Repräsentation von Städten als Unternehmen, deren Abläufe und Wettbewerbsfähigkeit nach marktwirtschaftlichen Kriterien optimiert werden sollen, als ein derzeit sehr prominentes Leitbild von Stadtentwicklungspolitik bezeichnen, d.h. als eine spezifische temporäre Fixierung des Diskurses. Wie kommt es zu einer solchen Verschiebung? Ausgangssituation für eine veränderte hegemoniale Fixierung sind Laclau (2005) zufolge sogenannte Partialinteressen, d.h. all diejenigen Bedürfnisse, Sichtweisen und Ansprüche, die unter einer vormals gültigen diskursiven Konstellation (in diesem Fall im Rahmen des wohlfahrtsstaatlichen Modells) nicht befriedigt wurden. Diese können sich auf ökonomische Unsicherheit (bspw. Arbeitsplatzunsicherheit) ebenso beziehen, wie auf Gefühle der Entankerung, der sozialen Unsicherheit, auf mangelnde Integration und Anerkennung oder ökologische Missstände. In dieser Ausgangssituation ist zunächst nicht a priori bestimmt, in welche Richtung diese unterschiedlichen Interessen kanalisiert werden, unter welchem gemeinsamen Dach sie ihre Forderungen artikulieren.

Laclau und Mouffe zufolge erfolgt der Zusammenschluss einer Gruppe solcher Partialinteressen zu einer kollektiven Gemeinschaft durch den Bezug auf einen „leeren Signifikanten“, der den Zusammenschluss als Ganzes symbolisiert und eine Äquivalenzrelation zwischen den einzelnen Elementen herstellt. Gleichzeitig wird durch den gemeinsamen Bezug auf einen solchen „empty signifier“ eine Abgrenzung gegen ein als bedrohlich symbolisiertes, antagonistisches „Außen“ etabliert.

Eine spezifische Gruppe solcher Signifikanten stellen räumliche Bezugskategorien dar – etwa Nationalstaaten, Regionen, oder, wie im vorliegenden Fall, eben Städte. Räumliche Signifikanten operieren in einer Logik, die die Welt in „hier“ und „da“, „wir“ und „ihr“ unterteilt, jeweils definiert über die Zuordnung zu einem bestimmten geographischen Erdausschnitt. Räumliche Signifikanten stellen damit Bezugspunkte dar, die aufgrund ihrer weitgehend unhinterfragten Etablierung im gesellschaftlichen (Sprach-)Handeln einen großen Einfluss auf die gesellschaftlich etablierten Lesarten und Deutungsmuster von Wirklichkeit haben. Charakteristisch für räumliche Signifikanten ist es nun gerade, dass sie als Bezugspunkte einer Vielzahl diskursiver Logiken verwendet werden können, d.h. dass sie eine wichtige Bedeutung haben, ist weitgehender Konsens („geography matters“, Massey 1984). Welche Bedeutung sie haben, ist Gegenstand hegemonialer Auseinandersetzungen (vgl. Schlottmann 2005). Räumliche Signifikanten können demnach je nachdem, in welche Äquivalenzrelationen sie eingebunden sind, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Unterschiede gleichermaßen bezeichnen.

Bezogen auf Städte bedeutet dies, dass diese sich im Rahmen einer neoliberalen Diskurslogik als räumlich symbolisiertes Kollektiv etablieren, welches sich gemeinsam einem als bedrohlich empfundenen Wettbewerb nach außen stellt. Die Konstitution einer städtischen Gemeinschaft als „Unternehmen Stadt“ basiert also maßgeblich auf der Installation eines spezifischen Risikoszenarios – auf dem diffusen aber allgegenwärtigen Gefühl, sich im Wettbewerb behaupten zu müssen. Das antagonistische „Außen“, in Abgrenzung dessen sich das städtische Kollektiv definiert, ist dabei gekennzeichnet durch all die Dinge, die passieren werden, wenn man sich dem Primat einer wettbewerbsorientierten Stadtpolitik nicht anschließt, und schlimmer noch, wenn man dann in diesem Wettbewerb versagt: Ausgeliefertsein, Unterlegenheit, Passivität, wirtschaftliche Stagnation, sinkende Einnahmen, Bevölkerungsabwanderung inklusive der sich daraus ergebenden und wechselseitig verstärkenden Teufelskreise. Diese „Drohkulisse“, d.h. die Präsenz des ausgeschlossenen „Anderen“, das so vermeintlich offensichtlich die städtische Gemeinschaft zu gefährden scheint, ist unverzichtbar und konstitutiv für den Zusammenhalt der Partikularinteressen, die sich zu einem gemeinsamen neoliberalen Projekt zusammengeschlossen haben. Ohne die äußere Bedrohung bestünde wenig Anlass zum Zusammenhalt.

Die Repräsentation von Städten als Unternehmen ist also das Ergebnis eines diskursiven Wandlungsprozesses, in dem der leere Signifikant „Stadt“ eine Umdefinierung erfahren hat: Das bislang gültige Leitbild der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung und des sozialen Interessenausgleichs innerhalb der Stadt wurde durch ein neoliberales Modell der freien Entfaltung marktwirtschaftlicher Mechanismen und eines weitgehenden Rückzugs staatlicher und städtischer Institutionen aus der Verantwortung für die wirtschaftlichen Belange der BürgerInnen ersetzt. Laclau und Mouffe zufolge ist dieser Paradigmenwechsel allerdings kein Ausdruck des intentionalen Handelns von AkteurInnen, sondern Ausdruck dessen, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt das bestehende diskursive Bezugssystem („Wohlfahrtsstaat“) für eine wachsende Zahl von Partikularinteressen nicht mehr in der Lage war, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Entsprechend wuchs in dieser Situation die Bereitschaft zur Ausbildung neuer antagonistischer Grenzziehungen und der Koalition mit neuen hegemonialen Angeboten, die Besserung versprechen. Das vorläufige (kontingente!) Ergebnis dieser hegemonialen Auseinandersetzungen ist das System der Neoliberalisierung.

Gerade vor diesem Hintergrund wird die gesellschaftliche Relevanz eines diskurstheoretisch informierten Zugriffs deutlich. Er ist in der aktuellen Debatte um Städte, Standorte und die (vermeintlichen) Notwendigkeiten der globalisierten Wirtschaft in der Lage, auf die Kontingenz der aktuellen gesellschaftlichen Wirklichkeit hinzuweisen. Er macht deutlich, dass es eben gerade nicht selbstverständlich ist, dass Städte „objektiv gesehen“ wie Unternehmen funktionieren und entsprechend behandelt werden. Vielmehr ist diese Form des Verständnisses von Städten nur eine (wenn auch die derzeit hegemoniale) unter einer ganzen Reihe verschiedener Sichtweisen, die permanent um Vorherrschaft ringen. Wie schnell sich die Bewertung dessen, ob der Markt wirklich alles regelt und uneingeschränkt ökonomisches Denken immer gut ist, wandeln kann, zeigen die aktuellen Debatten um die globale Finanzkrise, in denen Praktiken, die vor wenigen Jahren noch als sinnvolle Formen der Gewinnsteigerung bewertet wurden, plötzlich als Auswüchse eines außer Kontrolle geratenen Wirtschaftssystems gelten. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden entsprechend auch für den Bereich des Städtischen zeigen müssen, welche Deutungsweisen in den „hegemonialen Kämpfen“ die Vorherrschaft erringen und welche Formen der Planung und Politik sich damit als legitim durchsetzen können.


Annika Mattissek ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Geographischen Institut der Universität Heidelberg und lebt in Heidelberg. Zuletzt erschien von ihr Die neoliberale Stadt. Diskursive Repräsentationen im Stadtmarketing deutscher Großstädte, Bielefeld 2008 (transcript Verlag).


Literatur:
Bröckling, U. / Krasmann, S. / Lemke, T.: Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt a. M. 2000

Foucault, M.: Archäologie des Wissens, Frankfurt a. M. 1973

Foucault, M.: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I, Frankfurt a. M. 2006

Foucault, M.: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II, Frankfurt a. M. 2006

Grabow, B. / Hollbach-Grömig, B. / Birk, F.: Stadtmarketing – Aktuelle Entwicklungen im Überblick. In: Grabow, B. / Hollbach-Grömig, B. / Birk, F. (Hg.): Stadtmarketing – Status quo und Perspektiven, Berlin 2006, S. 19–34

Heeg, S. (2001): Unternehmen Stadt zwischen neuen Governanceformen und Sicherheitspolitik. Vom Ende der Stadt als staatlicher Veranstaltung. In: spw – sozialistische Politik und Wirtschaft. www.linksnet.de/de/artikel/17808 (10. 5. 2009).

Laclau, E. / Mouffe, C.: Hegemony and viagra no rx socialist strategy. Towards a radical democratic politics. London 1985

Laclau, E.: On Populist Reason, London / New York 2005

Massey, D.: Geography matters! A reader, Cambridge 1984

Mattissek, A.: Die neoliberale Stadt. Diskursive Repräsentationen im Stadtmarketing deutscher Großstädte, Bielefeld 2008

Schlottmann, A.: RaumSprache. Ost-West-Differenzen in der Berichterstattung zur deutschen Einheit, München 2005



[1] Unter „Diskurs“ verstehe ich im Anschluss an Michel Foucault (1973) die Aussagen, die innerhalb einer bestimmten Zeit in einer Gesellschaft getätigt werden, die Regeln, die die Produktion dieser Aussagen organisieren, sowie die Machteffekte, die durch diese Regeln konstituiert werden.

[2] Der Begriff der „Neoliberalität“ ist im Kontext diskurstheoretischer Analysen aktueller gesellschaftlicher Prozesse maßgeblich durch Michel Foucault (2006b) geprägt (vgl. Bröckling/Krasmann/Lemke 2000). Dieser zeichnet in seiner „Geschichte der Gouvernementalität“ (Foucault 2006a; 2006b) die Entwicklung der diskursiv konstituierten gesellschaftlichen Regulierungsweisen ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit nach. Dabei unterscheidet Foucault drei große Formen der „Regierung“: die liberale, wohlfahrtsstaatliche und neoliberale Form.