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Symbolische Barrikaden im Buch

Jens Kastner

Städte sind als „sich wandelnde kulturelle Formationen“ zu verstehen, die vor allem auch körperlich erfahrbar sind. Es gibt sie nicht im Singular, sondern nur der Fokus auf die aufeinander bezogene Vielfalt von Städten kann deren „Eigenlogik“ verstehen helfen. Eine solche Eigenlogik, führt Martina Löw aus, beruhe auf „regelgeleiteten, routinisierten und über symbolische wie auch materielle Ressourcen stabilisierten Handlungsformen.“ Löw hat einen theoretischen Entwurf vorgelegt, an dem zukünftige Stadtsoziologie nicht mehr vorbeikommen wird. Umso dürftiger ist allerdings der empirische Teil ihres Buches. Entgegen ihres eigenen theoretischen Anspruches reduziert sie Stadtbilder auf grafische und gebaute Bilder. Vorstellungen, Erfahrungen und Praktiken spielen – in ihrem Vergleich der „Stadtbilder“ von Berlin und München – plötzlich keine Rolle mehr.

Solchen „Alltagsroutinen“ (Löw), die die jeweilige Stadt erst als solche herstellen, widmet sich in unterschiedlichster Form der Band Verhandlungssache Mexiko Stadt. Der Titel spielt dabei einerseits auf die Ökonomisierung der Städte im neoliberalen Standortwettbewerb an, verweist aber auch auf die alltäglichen Aushandlungsprozesse, die Urbanität ausmachen. Ausdrücklich verwehren sich die HerausgeberInnen allerdings gegen den Diskurs um die Megacities, da dieser vor allem die eurozentrische Vorstellung vom geordneten städtischen Leben im Westen auf der einen und dem überbordenden Chaos von „Dritte Welt“-Städten auf der anderen Seite nähre. Stattdessen stehen Mikropolitiken im Zentrum der Aufsätze und Bildbeiträge.

Dass eine Perspektive, die alltägliche Praktiken ernst nimmt, dennoch städtische Umstrukturierungen „von oben“ angemessen be- schreiben kann, beweist auch Anette Baldaufs Buch. Die moderne Stadt, die „Stadt als Bild“, schreibt Baldauf, als hätte sie Löws Auslassung kommen sehen, entstand „im Kontext eines spezifischen Herrschaftsanspruchs: der Forderung nach Überwachung und Kontrolle.“ Wie sich dieser Anspruch im 20. Jahrhundert hin zu „Entertainment Cities“ verschoben (aber nicht aufgelöst) hat, schildert die Autorin eindrücklich.

Während das „Konzept der neoliberalen Stadt“ (Baldauf) einerseits disneyfizierte Scheinwelten hervorbringt, entstehen andererseits, als deren kehrseitige Effekte, immer mehr Elendssiedlungen an den Stadträndern. Einer davon, der unter der Stadtautobahnbrücke von Belgrad gelegenen Siedlung Gazela, ist nun ein Reiseführer gewidmet. Aufgemacht wie seine klassischen Vorbilder (mit Rubriken von „Bevölkerung“ über „Essen und Trinken“ bis zu „Praktische Hinweise von A–Z“), vermittelt das reichlich bebilderte Buch einen alles andere als voyeuristischen Einblick in die hauptsächlich von Roma bewohnte Siedlung. Das außergewöhnliche Buch macht darüber hinaus mehr als deutlich, dass eine am Tourismus orientierte Stadtentwicklung nur die Mobilität weniger bedient und dafür viele an Orte bindet und zugleich ausgrenzt.

Und vielleicht gehören Orte wie Gazela bereits zu jenen „cracks, corners and fissures of the contemporary fragmented networking city“, von denen der Stadtforscher Erik Swyngedouw im Sammelband von BAVO schreibt. Von solchen Rissen und Brüchen aus soll es möglicherweise zu Praktiken kommen, die die polis als Ort von Dissens und Nicht-Einverständnis re-etablieren.


Jens Kastner ist Soziologe und Kunsthistoriker und lebt in Wien.


Lorenz Aggermann / Eduard Freudmann / Can Gülcü: Beograd Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung, Klagenfurt/Celovec 2008 (Drava Verlag).

Anette Baldauf: Entertainment Cities. Stadtentwicklung und Unterhaltungskultur, Wien / New York 2008 (Springer Verlag).

Bavo (Hg.): Urban Politics Now. Re-Imagining Democracy in the Neoliberal City, refelct #6, Rotterdam 2007 (NAi Publishers).

Anne Becker / Olga Burkert / Anne Doose / Alexander Jachnow / Mariana Poppitz (Hg.): Verhandlungssache Mexiko Stadt. Umkämpfte Räume, Stadtaneignung, imaginarios urbanos. metroZones 8, Berlin 2008 (b_books).

Martina Löw: Soziologie der Städte, Frankfurt a. M. 2008 (Suhrkamp Verlag).