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Kolonialität und Kommodifizierung im Zentrum

Kulturerbe und where to purchase viagra urbane Erneuerung in Lateinamerika

Olaf Kaltmeier

Kultur wird zunehmend als zentrales Element bei städtischen Entwicklungsstrategien betrachtet. So versuchen Städte über Stadtmarketing und cialis non prescription Branding ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal zu produzieren, gerade auch um sich im (globalen) Wettbewerb gegen andere Städte durchzusetzen. Auch wird Kultur zu einem immer wichtigeren Bestandteil städtischer Ökonomien. Dies entspricht dem generellen Trend der zunehmenden Ent-Differenzierung von Ökonomie und buying viagra online cheap us Kultur in der spätkapitalistischen Gesellschaft. Der Kulturwissenschaftler George Yúdice konstatiert einen zunehmend strategischen Gebrauch von Kultur zur Durchsetzung von politischen und brand viagra professional ökonomischen Interessen. In der Stadt zeigt sich dieser strategische Einsatz von Kultur in drei Feldern. Erstens ist eine steigende Bedeutung von ästhetischen, kulturellen und canadian healthcare viagra sales symbolischen Stadtlandschaften zu beobachten. Dies äußert sich sowohl in Prozessen des imageneering à la Walt Disney (Wortneuschöpfung aus image und engeneering), dem theming (die Gestaltung eines Raumes gemäß eines Themas), als auch in Prozessen urbaner Erneuerung und next day delivery cialis der Revitalisierung historischer Stadtzentren. Ein zweiter Bereich erstreckt sich auf die wachsende Bedeutung von Kulturindustrie und cheap viagra on internet creative class für die urbanen Ökonomien. Dies bezieht sich auf die Unterhaltungs- und Konsumindustrie (z.B. urban entertainment center), der Kunst und buy cialis online cheap Museums-Komplex (z.B. Guggenheim), die Ansiedlung von so genannter creative industry und die Tourismus- Industrie mit einem Trend zum Städte-Tourismus. Drittens ist die Bedeutung von Spektakeln zu nennen. Dies umfasst Festivals, Ausstellungen und Messen sowie Events (wie Olympia, Stadt- Marathons, Mardi Gras etc.).

Die auf Kultur basierenden Strategien stehen dabei in enger Be- ziehung zu Fragen urbaner Gouvernementalität sowie Prozessen sozial-räumlicher Segregierung und Gentrifizierung. In Hinblick auf die vorherrschenden urbanen Vorstellungswelten (imaginarios urbanos nach Nestor García Canclini) steht dabei auf dem Spiel, wer und was wie inkludiert, repräsentiert, sichtbar und gehört wird.

Re-Kolonialisierung in Lateinamerika

Aktuell setzt nach Jahrzehnten der Suburbanisierung in vielen Städten Lateinamerikas eine Rückkehr der Mittelschichten in die Innenstadt und die Wiederbelebung historischer Stadtzentren ein. Zu denken ist an Städte wie Quito – dessen historisches Zentrum 1978 als erstes weltweit zum Kulturerbe der Menschheit ernannt wurde –, Lima, Cusco, Santo Domingo, Mexiko-Stadt, Havanna, Salvador da Bahia. Dieser Prozess kann identitätspolitisch nicht (allein) als Rückeroberung eines nationalen symbolischen Raumes zur Konstruktion nationaler Identität durch die weißen/mestizi - schen herrschenden Klassen verstanden werden. Vielmehr steht diese „Rückkehr zum Zentrum“ im Zusammenhang mit transnationalen Transformationsprozessen. Eine emergente transnationale Dienstleistungsklasse, die boomende Tourismus-Industrie, die Kulturindustrie sowie die weltweiten Heritage-Akteure (allen voran Unesco und die Interamerikanische Entwicklungsbank) haben die Zentren wiederentdeckt und durch Konsum, Investitionen und Entwicklungsprogramme reanimiert.

Mit diesem Prozess geht eine Veränderung der urbanen Vorstellungswelten einher. In Städten mit einem historischen Zentrum ist lateinamerikaweit eine Re-Kolonialisierung urbaner Landschaften zu beobachten. Über Strategien des imageneering und theming sowie die innerstädtische Wiederbelebung durch Programme zum Schutz des Weltkulturerbes – konkret gemeint sind hier Bauten, Monumente und urbane Ensemble, die einen realen oder imaginierten kolonialen Bezug haben – wird der städtische Raum in seinen materiellen und imaginären Dimensionen re-kolonialisiert. Während in den 1990er Jahren indigene Bewegungen die Conquista als Völkermord und afro-amerikanische Bewegungen die Sklaverei anklagten, inszenieren urbane Erneuerungsprogramme das koloniale Erbe, wozu – wie bspw. in Santo Domingo – auch der Bau eines Monuments zu Ehren von Cristobal Colón gehört. Diese Prozesse wirken in einem gesellschaftlichen Kräftefeld, in dem um die Erinnerung an Vergangenes gestritten wird. Gerade auch für die so genannten historischen Stadtzentren gilt, dass die Art und Weise, wie sie Vergangenes sichtbar machen, weniger als Indikator für vergangene gesellschaftliche Kulturen, Norm- und Wertesysteme steht, sondern viel mehr über die aktuelle Gesellschaft aussagt. Durch die Erschütterung des Fortschrittsglaubens und die empfundene Bedrohung durch die Kämpfe der indigenen Bewegungen, stellt sich der Bezug auf Kolonialität und das spanische Erbe (Hispanismus) als probates Mittel der urbanen Mittelund Oberschichten bei der Erfindung einer neuen identitären Gemeinschaft dar. Durch die transnationale Anerkennung, die Vermarktbarkeit von Heritage und eine postmodernen Retro- und Nostalgiewelle wird der Bezug auf Traditionen aufgewertet und verliert seinen rückwärtsgewandten Charakter.

Konflikte um Kolonialität

Die Re-Kolonialisierung urbaner Landschaften als identitätspolitische und ökonomische Strategie ist hoch konfliktiv. Das Auspeitschen indigener Anhänger von Evo Morales nach kolonialen Bestrafungsritualen auf dem zentralen Platz in Sucre, der so ge - nannten „weißen Stadt“, durch mestizische Studierende, offenbart drastisch die performative Dimension der Re-Kolonialisierung (vgl. den Dokumentarfilm von Cesar Brie, www.youtube.com/ watch?v=27i9SsZOFT0). Aber auch im Zuge des Prozesses der Produktion eines Images der Stadt, im Sinne des brandings, kommt es zu massiven identitätspolitischen Konflikten mit den ortsansässigen lokalen, oftmals popular-subalternen Identitäten. Dies findet seinen Ausdruck in gewalttätigen Maßnahmen der Vertreibung bzw. Zwangsumsiedlung „gefährlicher Klassen“ (Foucault) – so in Lima durch militarisierte Polizeieinheiten, oder durch „Verhandlungen“ in der Calle la Ronda in Quito, aber auch im Kontext Katastrophen wie in New Orleans – oder disziplinari- schen Praktiken. Von entscheidender Bedeutung sind auch der schleichende Prozess der Gentrifikation sowie der Vertreibung durch steigende Bodenpreise und Immobilienspekulation. In der öffentlichen Debatte stehen Kolonialität und Kommodifizierung als kulturpolitische Strategien in historischen Stadtzentren derart im Zentrum, dass kritische Positionierungen hier – trotz der vielfältigen Widersprüche dieser Stadtentwicklungsstrategie – keinen Raum haben.


Olaf Kaltmeier ist Soziologe und derzeit Co-Organizer der Forschungsgruppe E Pluribus Unum?: Ethnic Identities in Transnational Integration Processes in the cialis on sale Americas am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld.