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… die Dichotomie von Praxis und Theorie
zu durchkreuzen

Praxistheorien im Gespräch.

Mit Lisa Bolyos &
Georg Oberlechner (Annegang) und Gerald Raunig

Jede Theorie ist selbst eine – häufig als abgehoben gebrandmarkte – Praxis. Und jede Praxis enthält theoretische Aspekte: Bildreflexive Praktiken führen beispielsweise zu einem Verständnis von „Film als Theorie“ (Volker Pantenburg), auch in der aktuellen Diskussion um die „künstlerische Forschung“ werden die spezifischen epistemologischen Errungenschaften der Kunstpraktiken betont. Theorie hat ja nach wie vor im künstlerischen Feld einen sehr ambivalenten Status: Man kann nicht ohne sie, im Zweifel aber gilt sie dennoch als unsinnlich, verkopft, unschöpferisch, kurz: als das, was dem romantizistischen KünstlerInnenverständnis gerade nicht entspricht.

Bildpunkt: Gerald, du bist u.a. anderem Mit-Herausgeber der Buchreihe es kommt darauf an (im Verlag Turia + Kant), die im Untertitel Texte zur Theorie der politischen Praxis heißt. Das klingt zugleich offensiv aber auch nach einem Vermittlungsversuch. Um welche Praxis geht es da?

G.R.: Der Haupttitel der Reihe spielt auf die 11. Feuerbachthese von Karl Marx an: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“ Dieses „es kömmt drauf an“ schien uns genau das Moment der Verkettung, das „Und“ zwischen Interpretieren und Verändern zu sein, d.h. auch ein Schritt in Richtung der Auflösung der Dichotomie von Theorie und Praxis. Generell gilt es, neben einfachen Dichotomien und Hierarchisierungen auch jene Plattitüden, dass jede Theorie auch eine Praxis und jede Praxis auch theoretisch ist, genauer zu befragen. Dieses genauere Betrachten sollte zu aller erst darin bestehen, zu historisieren. So sind zum Beispiel auch die Feuerbachthesen, geschrieben 1845, nicht ohne den vorrevolutionären Kontext, also nicht ohne ihr Verhältnis zu konkreten sozialen Maschinen zu lesen. Wird diese Art der Historisierung vorgenommen, kommen etwa auch hinsichtlich der Ausführungen zur Pariser Commune 1871 wesentlich größere Überlappungen zwischen Marx und Michail Bakunin zum Vorschein, dessen anarchistischer Ansatz immer als Gegenpol zur Marx’schen (Praxis-)Theorie dargestellt wurde.

Bildpunkt: In welchem Verhältnis stehen in der genannten Buch-Reihe denn Theorieproduktion und soziale Bewegungen?

G.R.: Es geht vor allem darum, aktuelle Überlappungen zwischen Aktivismus und Theorieproduktion, sozialen Maschinen und Textmaschinen zu forcieren.

Bildpunkt: Lisa und Georg, ihr seid Teil des KünstlerInnenkollektivs Annegang. Ihr habt eine gleichnamige Zeitschrift heraus- gegeben, in der zum Thema Sicherheit und Kontrolle einerseits künstlerische Arbeiten, andererseits auch theoretisch orientierte Texte abgedruckt sind. Welche Rolle spielt Theorie für Eure künstlerische Praxis?

Annegang: Wir möchten zunächst klar betonen, dass wir uns als politische Aktivist*innen verstehen. Kunst ist für uns in diesem Zusammenhang eine Art Handwerk – sicherlich ein elitäres Hand - werk, aber eines, das es uns ermöglicht, unsere politischen Anlie gen in eine mediale und reproduzierbare Form zu bringen. Wir haben die Form des Magazins gewählt – und nicht etwa eine Skulptur –, um ein handhabbares und auch alltagskompatibles Format zu pro - duzieren. Annegang fragt nach verschiedenen Formen der Kontrolle und vor allem danach, wie wer von wo aus damit umgeht, und die Antworten darauf sind nicht nur theoretische. Es gibt fotografische, essayistische, journalistische Beiträge, Bastelanleitungen, Tipps zum Umgang mit Gewalt, Demoaufrufe. Annegang beansprucht damit auch eine Art Handbuch zu sein, das einerseits verschiedene Dimensionen sozialer Bewegungen abbildet und an - dererseits wieder Vielfältiges in diese Bewegungen einspeist. Ein Handbuch: So wie Brigitte uns fit und schlank durch den Sommer bringen will, könnte Annegang uns fit für die antirassistische Praxis machen.

G.R.: Da stellt sich für mich gleich das Avantgarde- Problem, d.h. es stellt sich die Frage: Wie geht ihr mit der Problematik des Vorgebens um, der Tatsache, dass auch bei Brigitte schreibende Menschen Trends setzen?

Annegang: Wir schreiben das Heft ja nicht selber, sondern haben ganz unterschiedliche Leute zu Beiträgen eingeladen, ihre Praxen im Umgang mit Kontrollformen vorzustellen. Es existiert zwar ein Redaktionskollektiv, aber dennoch ist das Magazin eines aus der Praxis für die Praxis. Wir sind der Meinung, dadurch ist das Avantgarde-Problem nicht so evident, weil es einerseits eine starke Basisorientierung gibt und die Form gemeinsam geschaffen wird. Andererseits ist auch auf der Ebene der Rezeption das Problem nicht so groß wie bei anderen künstlerischen Arbeiten, da die Form der Zeitschrift relativ leicht zugänglich ist.

Bildpunkt: Die Frage des Vorgebens stellt sich letztlich auch für die es kommt darauf an-Reihe.

G.R.: So leicht, mit dem Hinweis „aus der Praxis für die Praxis“, ist die Frage nicht zu lösen. Es geht schließlich auch darum, wer sich mit welcher Legitimation wozu äußert, und die daraus entstehenden Dilemmata lassen sich auf der Ebene der Magazinoder Buchproduktion nicht einfach so lösen. Es macht dennoch einen Unterschied, ob wir in der Reihe „berühmte alte Männer“ zu Wort kommen lassen oder, wie im kommenden Band, ein feministisch- aktivistisches Kollektiv wie die Precarias a la Deriva ins begrenzte Rampenlicht stellen.

Annegang: Die Frage, wie viel Rampenlicht man überhaupt produzieren will, ist damit aber nicht beantwortet. Das soll nicht heißen, dass wir uns handlungsunfähig machen, indem wir alles, was wir tun, von vornherein schon wieder falsch finden, aber es muss diese Reflexion über die Repräsentationsformen geben. Die Theorie kann als Teil politischer Praxen fungieren, die dazu da sind, einerseits Machtverhältnisse zu verstehen und andererseits Utopien zu entwickeln.

G.R.: Schon rein deskriptiv lässt sich sagen, dass es permanente Austauschverhältnisse zwischen Textmaschinen und sozialen Maschinen gibt; aus einer normativen Perspektive müsste man ein ständiges Hinterfragen und Reflektieren der Qualitäten dieses Austausches hinzufügen.

Bildpunkt: Gerald, in deinem eigenen Buch Tausend Maschinen (Wien 2008), das in der besagten Reihe erschienen ist, gibt es auch eine ausführliche Auseinandersetzung mit Marx. Dabei beklagst du ja den empirischen Objektivismus der MarxistInnen und plädierst hinsichtlich der politischen Praxis für Verkettungen statt homogenisierender Konstruktionen von Zusammenhalt (wie z.B. der Klasse „für sich“). Wie wird dabei verhindert, dass die objektive Seite, sozusagen der „stumme Zwang der Verhältnisse“ (Marx), weggekürzt wird?

G.R.: Das Buch nimmt einiges von Marx auf, bezieht sich aber nicht auf den Marx des Kapital, sondern auf den frühen Marx. Hier ist ja Marx bereits komplexer als das, was die MarxologInnen dann aus ihm gemacht haben: Der spezifische Begriff der Maschine im Marx’schen Maschinenfragment etwa kann heute als Voraussetzung für sowohl postoperaistische Überlegungen zum General Intellect und zur Massenintellektualität stehen wie auch für den Maschinenbegriff bei Deleuze und Guattari, wo die Maschine zum Paradigma der Kommunikation wird. Die Austauschverhältnisse stehen im Mittelpunkt dieser Analyse, und insofern entstehen hier über die Figur der repressiven Struktur hinaus Spielräume für die AkteurInnenposition.

Bildpunkt: Und war die Entscheidung für Annegang, trotz Eures aktivistischen Selbstverständnisses in der ersten Ausgabe eurer Zeitung die verschiedenen Dimensionen von Sicherheit zum Thema zu machen, also den Fokus auf die Beschränkungen, Einbindungen und Problematiken auch des künstlerischen Aktivismus zu legen, ein Reflex auf diese Tendenz, die Möglichkeiten der AkteurInnenposition zu stark zu betonen?

Annegang: Es ging uns bei der Themenwahl sicherlich nicht um eine resignative Analyse, rein zeitdiagnostische Feststellungen oder das Eingrenzen der Problematik auf Effekte innerhalb künstlerischer Produktion. Es geht vielmehr darum, bestimmte repressive Einschränkungen und Kontrollmechanismen, die viele betreffen, zu thematisieren, um sich dann zu fragen, wie man sich dagegen wehren kann – letztlich also darum, Perspektiven des Widerstands zu entwickeln. Die große Mehrheit der im Magazin präsentierten Texte und Arbeiten sind politisch und haben keinen direkten Bezug zu Kunstproduktion bzw. künstlerischem Aktivismus. Die Verwendung von künstlerischen Arbeiten innerhalb der Publikation war auch ein Versuch, durch eine klare Kontextuali - sierung der marktkonformen unbestimmten Rezeption von bil - dender Kunst entgegenzuwirken und sie zu einem Teil unserer Methode werden zu lassen.

Bildpunkt: Die zeitdiagnostischen Aspekte sind auch nicht zu gering zu schätzen, schließlich verdeutlichen sie auch, dass die kritische Praxis nicht anders als aus dem Mittendrin der Verhältnisse zu entwickeln ist – und nicht etwa von einem Außen her, das bestimmte intellektuelle Modelle für sich in Anspruch nahmen.

G.R.: Es geht schließlich darum, die Dichotomie von Praxis und Theorie immer wieder zu durchkreuzen. Dies ist übrigens keine Idee des 21. Jahrhunderts, sondern sie findet sich bereits ebenfalls bei Marx. In der ersten Feuerbachthese spricht er in dieser Hinsicht von der „,praktisch-kritischen‘ Tätigkeit“. Bei solchen Durchkreuzungen käme es auch darauf an, universitäre Moden, d.h. gewissermaßen „von oben“ dekretierte Durchkreuzungen wie neuerdings die „künstlerische Forschung“ von emanzipatorischen Verkettungen „von unten“ zu unterscheiden …

Annegang: … und darüber hinaus ist es nicht egal, wer diese Überlappungen herstellt. Die Positionen, von denen aus ge spro - chen wird, müssen deutlich gemacht werden: Das gilt letztlich auch für die weiße, intellektuelle, dominanzgesellschaftliche Mittelschichtsperspektive der Teilnehmer*innen dieses Gesprächs hier.


Lisa Bolyos ist antirassistische und feministische Aktivistin und (post;)konzeptuelle Künstlerin u.a. im Kollektiv Annegang.

Georg Oberlechner ist Aktivist und Künstler, Teil des Annegang- Kollektivs und studiert an der Akademie der bildenden Künste Wien.
www.annegang.org

Gerald Raunig ist Philosoph und arbeitet am eipcp in Wien.
http://eipcp.net


Das Gespräch fand am 1. Juli 2009 in Wien statt, wurde von Nora Sternfeld und Jens Kastner geführt und in Absprache mit den TeilnehmerInnen gekürzt und überarbeitet.