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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Zum Cover: Immaterielle Arbeit und ihr Material

Toledo i Dertschei

Pro Ausgabe wird der Titel des Schwerpunktthemas in einer anderen Schrifttype gesetzt, diesmal in der Schrift Los Feliz. Entlang des Los Feliz Boulevard in Los Angeles haben sich viele Hispanics niedergelassen und in niedrigen Gebäuden Geschäfte und kleine Betriebe aufgemacht, „die mehr nach Wohnhäusern aussehen“. In einem Artikel auf der Homepage von Emigre, einer der ersten Independent-Schriftenverlage, erzählt Matt Tragesser, wie er die Schrift bei einem Spaziergang mit seinem Hund um das Jahr 2000 an der Fassade von Los Feliz Auto Parts & Service, einer bilingualen Reparaturwerkstatt, „entdeckte“. Tragesser bat seinen Freund Christian Schwartz in Boston, aus dem handgemalten Schild der Werkstatt, das in der Tradition anonymen Designs vieler Schildermaler aus Lateinamerika steht, einen kompletten Schriftsatz zu entwickeln. Damit steht diese postmoderne Geste eines neokolonialen Verhaltens in der „Tradition“ vieler DesignerInnen, die die (sogenannte Dritte-)Welt nach „Kuriositäten“ durchforschen und diese sammeln. Oft wird materieller Mehrwert aus dem Gesammelten gewonnen, während die immaterielle Arbeit unbezahlt und unbenannt in der „kreativen Armut“ bleibt. Im Text wird die Schrift als „ursprünglich“ und „phantastisch“ bezeichnet, beeinflusst von der „ethnischen Diversität“ der Straße, gestaltet von „KünstlerInnnen, die keine Designschule besuchten“, deshalb „grob“, „sonderbar“, „unkonventionell“ bzw. mit „Ausdruckkraft“ und „fabelhaften“ Details. Sie sei „bizarr“ (weird) und „nicht zu bändigen“ (exuberant). Schwartz entwickelte daraus einen Schriftsatz und charakterisiert diesen als Beziehung zwischen dem „organisierten“ Boston und dem „chaotischen“ Los Angeles. Emigre gesteht, dass es weder Tragesser noch Schwartz möglich war, den Urheber der Schrift ausfindig zu machen. Diesen entdeckte Monate später das Los Angeles Magazine in einem Bericht über die frisch erschienene Schrift: Cosmo Ávila.