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Kaltherzigkeit als Waffe?

Susanne Lang

Affektive Arbeit, das Erzeugen von Gefühlen in warenförmigen Beziehungen, der Dienst am Menschen im wahrsten und vor allem emotionalsten Sinn des Wortes, ist spätestens seit der breiten Rezeption von Michael Hardts und Antonio Negris Empire vielen ein Begriff. In der heutigen Dienstleistungsgesellschaft erscheint die in Empire vertretene These nachvollziehbar, dass eben diese affektive Arbeit das Fließband des Fordismus in seiner Bedeutung als zentraler Auseinandersetzungspunkt des aktuellen Kapitalismus ersetzt haben soll. Was könnte das bedeuten?

Karin ist mal wieder spät dran. Frau Schulz erzählte zum wiederholten Mal ihre gesamte Krankheitsgeschichte. Karin brachte es einfach nicht übers Herz, sie zu unterbrechen, mit Verweis auf die abgelaufene Zeit. Eigentlich ist sie nur dazu da, die Wohnung zu putzen und die Verbände zu wickeln, aber Frau Schulz schafft es immer wieder, sie in Gespräche zu verwickeln und so bleibt sie meistens dreißig Minuten länger. Als Selbständige kann sie sich nicht einmal bei einem Chef beschweren und Überstundenbezahlung fordern. Karin hat Angst vor dem Alt werden. Wird sie sich später Hauskrankenpflegedienste leisten können? Als sie noch als Schwester im Krankenhaus arbeitete, machte die Arbeit mehr Spaß. Da gab es Kolleginnen, da gab es klare Schichten, da gab es einen Ort, an dem die Berufstätigkeit ausgeübt wurde. Heute arbeitet sie bei Leuten zu Hause, sehr privat, allein, ohne Kolleginnen. Das fühlt sich oft nicht als Arbeit an, viel mehr als wären ihre Kundinnen ihre Tanten und ihre Familie riesengroß. Karin mag ihre Arbeit und sie mag die alten Damen – die sind zwar teilweise schrullig, aber sie sind ihr sehr ans Herz gewachsen.

Karin gilt wohl als ein Paradebeispiel affektiver Arbeiterinnen. Ganz wie eben auch bei Hardt und Negri beschrieben, besteht ihr Lohnarbeitsverhältnis darin, ein Wohlgefühl bei Menschen zu erzeugen. Dieses Beispiel der Pflegeberufe wird gern und oft zitiert, zumal es bei affektiver Arbeit um vormals so genannte klassisch weibliche Berufe gehe: die Arbeit der Pflege und (Gesundheits) fürsorge, caring labor, wie es in der feministischen Theorie passender spezifiziert wird, hat an Bedeutung zugenommen. Und zwar deshalb, weil sie eben nicht mehr nur reproduziere, sondern inzwischen auch produziere: Gefühle eben. Ein Gut, das mit der zunehmenden Ausdehnung des warenförmigen Verhältnisses entstanden ist, das sich in der Auflösung des Privaten in eine Arbeitsbeziehung ausdrückt. Nach der territorialen und technologischen Expansion scheint auch in einer kapitalistischen Logik die letzte Expansion, der Eroberungszug ins Reich der Gefühle, fast unausweichlich: Beziehungen werden immer marktförmiger. Freundinnen werden zu Ressourcen, Wohngemeinschaften zu Jobbörsen – ebenso wie es unmöglich war, eine technische Entwicklung zu verhindern, wird es nicht möglich sein, die wahre, reine Freundschaft zu erhalten, die Kommodifizierung zu verhindern. Und wenn wir auf die Diskussionen um den Umgang mit technologischen Entwicklungen zurückschauen, die einst in der Linken geführt wurden, so scheint sich heute ebenso die Frage zu stellen: Wie können diese Entwicklungen von den Produzierenden angeeignet werden?

Otto arbeitete früher bei der NVA, der Nationalen Volksarmee, den Streitkräften der ehemaligen DDR. Seit 1990 ist er arbeitslos – er wurde damals zusammen mit der DDR abgewickelt. Wie so viele seiner Kollegen, Bekannten und Freunde. Weil er damals schon 44 war, hat er es auch nicht geschafft, in einem anderen Beruf Fuß zu fassen. Also sattelte er um, arbeitet heute bei einem privaten Sicherheitsdienst und fährt zumeist mit der Berliner S-Bahn herum und schaut – tja, wonach schaut er da? –, so richtig weiß er das auch nicht. Er schaut, dass alles in Ordnung ist. Manchmal spricht er Jugendliche an, die ihre Füße auf die Sitzflächen stellen; so was gehört sich ja auch nicht. Aber meistens fährt er nur mit und tut gar nichts. Wie viele seiner Kollegen auch. Sein Stundenlohn ist gering, die Arbeit macht keinen Spaß, aber er tut, was er tun muss, hangelt sich durch die letzten Jahre bis zur Rente. Wenn eine betrunkene Gruppe Jugendlicher in der Bahn mal wieder randaliert, ruft er die Polizei und hält sich fern. Exekutive Befugnisse hat er nicht, auch keine Waffen, um sich zu verteidigen, nur eine alberne Uniform, die in solchen Situationen eher von Gefahr als von Nutzen ist. Er ist dafür da, den Passagieren ein sicheres Gefühl zu geben, nicht sie zu beschützen.

Ottos Arbeit ist nicht typisch weiblich, aber nicht minder affektiv – nur produziert er kein Wohlgefühl, sondern ein Sicherheitsgefühl, das oftmals genauso imaginiert ist, wie das Wohlgefühl, das Karin zu erzeugen hofft. Auch wenn wir Otto weniger sympathisch finden mögen, weil das von ihm hergestellte Produkt, das Sicherheitsgefühl, vielmehr die Sicherheit Weniger durch die Verunsicherung und Disziplinierung Vieler herstellen soll, so ist auch hier Otto derjenige, der seine Zeit aufwendet und Tätigkeit verrichtet, um eben diesen immateriellen Gebrauchsgegenstand, nämlich ein Sicherheitsgefühl, herzustellen.

So wie in der Fabrik das Fließband für die Produktion wesentlich ist, so sind das die Emotionen und Einfühlsamkeiten von Karin und Otto. Wenn Otto Angst hätte und Karin kaltherzig wäre, funktionierte die affektive Fabrik auch nicht mehr, das ist unschwer vorstellbar. Dennoch wären diese Sabotageakte als politische Strategie nichts weiter als Maschinenstürmerei – wie also kämpfen unsere neuen Produzentinnen und Produzenten?

Anna genießt ihre Freiheiten: Heute schläft sie mal lang aus und beginnt erst am Mittag zu arbeiten. Ach wie schön kann das Leben sein! Die letzten Wochen hat sie fast ausschließlich am Computer verbracht. Das Buch, das sie gestaltete, wurde gestern Nacht endlich in den Druck gegeben. Wochen des Haareraufens sind vorbei. Anna ist froh und fühlt sich mies zugleich. Froh, dass es letztendlich doch noch geklappt hat, obwohl – und das ist die miese Seite – alles viel länger gedauert hat, als geplant. Nun ist aus dem guten Job wieder ein mies bezahlter Job geworden – das Geld sollte für zwei Wochen sein und nicht für vier. Wenn sie doch nur schneller arbeiten könnte! Wenn sich doch die Kunden nicht immer in letzter Minute umentschieden hätten, so dass sie in letzter Minute immer noch einmal alles umstellen musste. Sie hätte bei der letzteren Änderung härter sein sollen und sagen sollen: Hier – das war die letzte Änderung! Aber wenn dann die ganzen Fehler gedruckt worden wären, hätte sie auch dumm dagestanden – wer gibt denn schon ein Layout in Auftrag, wenn die Referenzen voller Fehler sind? Anna liebt ihren Job als Grafikerin – sie kann kreativ sein, kann sich Layouts ausdenken, kann ihre Zeit frei einteilen und bekommt einen guten Stundenlohn. Anna hasst ihren Job als Grafikerin – sie muss immer die Ideen der Kunden realisieren, auch wenn diese an Geschmacksverkalkung leiden und hässliche Grafiken schön finden. Wenn sie eine Deadline hat, hat sie überhaupt keine Freizeit, kann nicht mal krank werden und selbst das Ausschlafen wird auf unbestimmt verscho- ben. Wenn sie an all die Entwürfe und Ausschreibungen, Bewerbungen und Angebote denkt, die sie so manches mal völlig umsonst erstellt hat, die nur eingeholt werden, damit es zwei zum Ablehnen gibt, dann verflucht sie ihren Job. Nicht mal ein Dankeschön oder ein freundliches Wort gibt es, geschweige denn Geld. Das reißt sie runter. Tagelange Selbstzweifel, das Schlimmste aber ist die Unlust, die dann kommt. Dann kann sie gar nicht mehr arbeiten. Tagelang schaut sie Soaps vor dem Fernseher und hofft auf einen motivierenden Moment.

Im Grunde genommen ist das alles gar nichts Neues – so wie sich die Welt des Kapitalismus in der affektiven Arbeit nicht neu erfunden hat, sondern lediglich weiterentwickelte, so sind auch die Angriffspunkte nicht neu: Es bleibt uns wieder nichts anderes übrig, als uns zu organisieren, auch wenn das nicht einfach erscheint. Die gemeinsamen Orte sind virtuell und realisieren sich nicht mehr in einem Zusammentreffen der Produzierenden, wie einst in der Fabrik. Die Forderungen und Bedingungen, zu denen die Produzierenden arbeiten wollen, müssen gemeinsam gefunden werden, und das scheint noch schwieriger, da auch der virtuelle Pausenraum erst noch hergestellt werden muss und erst recht ein Begriff von affektiven Arbeitsbedingungen. Schließlich blieben die Kapitalketten zu analysieren, auch wieder eine schwierige Aufgabe, denn in der verteilten und verzweigten, verschachtelten und verschleierten Diffusion von Ausbeutung, will’s am Ende immer keiner gewesen sein.

Und dennoch bleibt kein anderer Weg, als gemeinsame Organi sierungsansätze zu entwickeln. In einzelnen beispielhaften Kampagnen, wie jener von der US-Amerikanischen Dienstleistungs gewerkschaft SEIU ins Leben gerufenen Justice for Janitors Kampagne, in der sich allein in Los Angeles bis zu 100 000 Reinigungskräfte von 1990 bis 2000 organisierten, scheint durch, dass es zumindest Möglichkeiten gibt, sich erfolgreich in diesen Arbeitsverhältnissen zu organisieren. Schließlich erreichten diese Arbeiterinnen und Arbeiter eine Lohnsteigerung von 22 Prozent, die lange Zeit beispiellos war. Was also hat diese Kampagne anders gemacht, als viele Kampagnen zuvor?

Wenn wir der These von Hardt und Negri folgen wollen und von einem Bedeutungswandel von der Fabrik hin zur Affektindustrie ausgehen, dann müsste analog dazu das in Masse produzierte Auto von dem Auto abgelöst werden, dass mir als KäuferIn das (für mich) beste Gefühl mit verkauft. Demnach könnten wir schlussfolgern, dass eine Kampagne wie Justice for Janitors nicht nur deswegen so erfolgreich war, weil sie Affektarbeiterinnen organisierte, sondern unter anderem auch, weil ein zentrales Mittel im Arbeitskampf die Produktion von Bildern, Gefühlen und Moral war und nicht allein auf eine quasi-militärische Kampffähigkeit gesetzt wurde. So müssten die organisierten Affektarbeiterinnen sich die Affektarbeit quasi aneignen und ihren Arbeitskampf affektivieren. Nur: Was könnte das bedeuten?


Susanne Lang arbeitet in verschiedenen Projekten an der Schnittstelle von Kunst, Neuen Medien und politischer Theorie, wie dictionaryofwar.org und summit.kein.org.