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Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Anna Artaker beschäftigt sich mit Bildproduktion im Dienst von „Geschichtsschreibung“. Es geht um das Verhältnis der Fotografie zu ihrem Gegenstand, d.h. zu der Realität, auf die das Foto verweist (und die es – je nachdem – abbildet, inszeniert, idealisiert, kritisiert usw.). Unbekannte Avantgarde umfasst eine Auswahl von zehn historischen Fotografien, die Mitglieder der Künstlergruppen des 20. Jahrhunderts zeigen (Dada, Surrealismus, Bauhaus, Situationistische Internationale etc.). Zugleich ist jedes Gruppenfoto Dokument einer erfolgreichen Inszenierung, da es ebenso wie die Porträtierten Eingang in die offizielle Kunstgeschichte gefunden hat. Die zweite Gemeinsamkeit der Fotos sind die Frauen, die sich auf jedem Bild allein unter lauter männlichen Kollegen wieder finden. So stehen die Fotos auch für die Ausnahmestellung, die den Künstlerinnen von dieser Kunstgeschichte zugewiesen wurde. Vervollständigt wird die Bild - auswahl durch eine Recherche zu den Künstlerinnen der Avantgarde. Das Ergebnis dieser Recherche findet sich auf den Legenden, die den Gruppenfotos zugeordnet sind. Diese verweisen auf die Dadaistinnen, Surrealistinnen, Situationistinnen usw., die auf den Fotos fehlen, also unsichtbar bleiben. Die „Legende“ hält so dem Anschein der Fotografie etwas entgegen, korrigiert die Kunstgeschichte und schreibt sie neu.

Die Arbeit von Stefanie Seibold – Performances, Videos, Collagen, Sound und (Video-)Installationen – zeugt von einem spezifischen Interesse an Gesten und Zeichen, die sexuelle und geschlechtliche Identität konstituieren. Sie arbeitet dabei häufig mit der Rekontextualisierung von (historischen) Bildern, Texten und Zitaten. Die mehrteilige Installation Reader/Wallpaper (2006/2008) kombinierte zwei sehr verschiedene Archive im Sin- ne einer produktiven Konfrontation: Die Rauminstallation mit Tapete, Discokugel sowie dem Bühnen- bzw. Displayobjekt umrahmt und präsentiert eine Auswahl feministischer Performance- Kunst in Bildern, Videos und Dokumenten aus dem Archiv des de Appel arts center, Amsterdam. De Appel nimmt eine zentrale Position in der Geschichte der (feministischen) Performance Kunst ein: Es wurde 1975 als Ort für prozesshafte, nicht objektzentrierte Kunst von Wies Smals ins Leben gerufen, die von Anfang an feministische Kunst und ihren Diskurs fest im Programm verankerte. Die Elemente von Seibold’s Rauminstallation beziehen sich auch auf spezifische Praktiken und Konzepte in ihrer Arbeit: Die Bühne stellt nicht nur den Ort einer bestimmten Form von Aufführungspraxis dar, sondern wird in der Auseinandersetzung mit Themen der Öffentlichkeit, der Sprache und der politischen Aktion auch zu einem metaphorischen Ort. Sie verweist als abstraktes Modell auf Konzepte der 1960er und 70er Jahre und nimmt – als potenzieller Ort der Aktion – gleichzeitig Bezug auf Handlungsfelder, die durch eine gesellschaftliche Kritik bestimmt werden. Die Tapete ist eine Abwandlung ihrer Archiv-Arbeit A Reader – A Visual Archive aus dem Jahr 2006, die auf einer Auswahl ihrer eigenen gesammelten Materialien beruht.


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.