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Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Rücktritt als Vorsitzender der IG Bildende Kunst

Martin Krenn

Im April 2006 wurde ich zum Vorsitzenden der IG Bildende Kunst gewählt. Ich hatte mich zur Wahl gestellt, da die IG Bildende Kunst eine Interessensvertretung ist, die über Künstler_inneninteressen hinaus agiert und sich auch zu gesellschaftspolitischen Fragen außerhalb der Kunst positioniert. Ich bin davon überzeugt, dass sich Kulturpolitik und Gesellschaftspolitik nicht voneinander trennen lassen.

Um mich verstärkt meiner künstlerischen Arbeit widmen zu können, werde ich mit der Generalversammlung 2009 meine Position als Vorsitzender zurücklegen. Ich blicke auf ereignisreiche Jahre zurück. Eines der Hauptanliegen der IG Bildende Kunst ist es bis heute, gegen Rassismus in Österreich aufzutreten. Zahlreiche Ausstellungsprojekte wurden in diesem Zusammenhang realisiert. So zum Beispiel 2004 Interventionen gegen Rassismen, welches ich gemeinsam mit Daniela Koweindl konzipiert hatte. Es bot einen Überblick zu unterschiedlichen künstlerischen und aktivistischen Positionen, die sich mit Ursachen und Wirkungsweisen von Rassismen sowie Widerstandsformen dagegen auseinandersetzten. Ziel war es, durch verschiedene Interventionsräume (Galerie, Zeitung, Gemeindebau) und die Verschränkung von künstlerischen und aktivistischen Positionen, gemeinsam und gegenseitig größere Öffentlichkeiten zu erobern. 2007 kuratierten Nora Sternfeld und Toledo i Dertschei mit Kolleg_innen das Projekt Nichts für uns! Alles für alle! Ausgehend von dem zapatistischen Slogan „Alles für alle – für uns nichts!“ fragte die Ausstellung nach Möglichkeiten eines „strategischen Universalismus“ und damit nach der politischen Perspektive der Gleichheit. Es fand eine Auseinandersetzung mit Identitätspolitik überschreitenden Politiken und Perspektiven in gegenwärtigen aktivistischen Zusammenhängen statt. Schwerpunkte bildeten dabei queere Positionen und Kämpfe, Strategien und Ansätze der Zapatistas und der Prekariatsbewegung.

Im Sommer 2009 wurde schließlich eine weitere Plakatausstellung in den Fenstern der IG Bildende Kunst realisiert. Das seit 2006 jährlich stattfindende antirassistische Posterprojekt wurde diesmal unter dem Titel mi zahtevamo – we demand!/2009 von Regina Wuzella konzipiert und koordiniert. Konkrete anti-rassistische Forderungen gegen das Fremdenrecht wurden um queer-feministische, transnationale Forderungen erweitert: Hierfür sind die aktivistische Künstler_innengruppe Queer Beograd Collective und die Künstler_ in Ana Hoffner eingeladen worden, jeweils ein Plakat zu gestalten.

All diesen Projekten und vielen weiteren, welche in der IG Bildende Kunst realisiert wurden, ist gemeinsam, dass sie konkrete politische Forderungen mit diskursiven künstlerischen Herangehensweisen verbinden. Ich denke, dass das gerade in Bezug auf Antirassismus der richtige Ansatz ist. Besonders in den letzten Jahren, in denen in Österreich Rassismus und Antisemitismus in der Innenpolitik zur Normalität geworden sind und der Wiener Wahlkampf nächstes Jahr besonders unappetitlich zu werden droht. So liest man bereits jetzt in der Kronenzeitung, dass laut einer marker/Standard-Umfrage 77% der deklarierten SPÖ Wähler_innen der SPÖ empfehlen würden, eine noch härtere Linie in der „Ausländerpolitik“ einzuschlagen. Peter Gnam von der Kronenzeitung fordert die „Häupl-SPÖ“ auf, nicht mehr auf den „linken Flügel der SPÖ zu hören“, sonst drohe eine weitere Wahlschlappe, denn mit „Nettigkeiten zu Zuwanderern“ würde es von nun an „nicht mehr gehen“.

Ich wünsche der IG Bildende Kunst und ihrer neuen Vorsitzenden viel Erfolg und werde als Projektkoordinator auch in Zukunft für die IG Bildende Kunst tätig sein. Vielen Dank an alle Mitglieder für die zahlreichen Mails, positiven sowie kritischen Rückmeldungen und die Zusammenarbeit bei den unterschiedlichsten Projekten.


Martin Krenn war von 2006 bis 2009 Vorsitzender der IG Bildende Kunst.