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Die zwischen Anführungszeichen gesetzten Textteile sind Fragmente aus Workshops bei Peregrina, Orient Express und LEFÖ.
„Was macht uns alle zu Migrantinnen?“ – „Entschuldigung, aber was ist eine Migrantin?“ [Kurzes Stocken und ein – milde gesagt – Anflug von Unsicherheit. Dann wird der Rettungsring geworfen, zwar ohne Absicht zu retten. Dennoch ein Rettungsring.] „Du bist eine Migrantin. Wir sind Migrantinnen!“ [Aufatmen. Warum wohl?] „Ah so!“ – „Das Wort kenne ich nicht!“ [Für wen sind Wörter, Namen, Bezeichnungen da? Die Einbettungen, Umbettungen, Aufbettungen, Zubettungen, Entbettungen. Alles ohne Erbsen. Aufdeckungen, Verdeckungen, Bedeckungen, Entdeckungen, Eckungen und Deckungen? Alles eifrig und mit Elan. Mit Erfahrung und Wissen.] „Wer schreibt über uns? Wirklich?“ [Ungläubigkeit.] „Ich bin hier Ausländerin. Erst wenn ich hier alle Rechte habe, eine Arbeit und eine gute Wohnung, dann bin ich Migrantin!“ – „Ich auch!“ [Aufrichten. Brust raus. Durchatmen. Ruhe bewahren.] „Aber man sagt doch nicht ,Scheiß Migranten!‘ sondern ,Scheiß Ausländer!‘“ – „Also wenn ich aus einem anderen Land komme, dann bin ich Migrantin?“ [Die Verweigerung einer Fremdbezeichnung. Für manche auch eine strategische und konzeptionelle Selbstbezeichnung.] „Nein, erst wenn ich hier alle Rechte habe, bin ich eine Migrantin! Bis dahin bin ich Ausländerin.“ – „Naja ich weiß, ich bin Ausländer.“ [Ausländer als geschlechts– und rechtsloser Raum. In Räume eingemeißeltes Wissen. Ein zum Kampf aufforderndes Wissen.] „Ich sage nicht: ,Ich bin Österreicherin‘. Ich lebe seit 19 Jahren in Österreich. Ich arbeite auch. Ich zahle auch meine Steuern. Ich lebe in Österreich. Aber ich sage nicht: ,Scheiß Österreich!‘“ [Unbeachtete Widerstandsformen.] „Gestern, ich warte bei der Ampel, sie war rot. Ein österreichischer Mann und ein Kind. Die machen die Fenster auf vom Auto und sagen: ,Scheiß Ausländer‘. Ich mache so [Streckt den Mittelfinger aus. Der entverbalisierte Widerstand. Lebens - notwendig. How to do things without words? Mit den with words kennen wir uns schon ganz gut aus. Hoppala! Nur die Withwords- Wir natürlich – die WwW’s. Unsichtbare Wörter, sichtbare Wörter, wertlose Wörter, abschätzige Wörter, aufwertende Wörter, bewertende Wörter, nebelige Wörter, klare Wörter, korrigierende Wörter. Aber ein Wort ist doch nur ein Wort. Ein Wort wird nicht als Wort geboren, sondern zum Wort gemacht.] „Ich weiß, ich bin Ausländer. Wenn jemand so mit mir redet, schlage ich das nächste Mal auch. Schreib das!“ [Ein Finger wird zum Finger gemacht! Nur einer von meistens zehn. Der mittlere Zeigefinger als Ermächtigung. Beschränkte und wirkungsvolle Wahl. Der erste Schritt.]
Vlatka Frketić verqueert beständig den Antirassismus und breitet sich langsam auf andere verqueerungswürdige Territorien aus.
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