don t buy generic cialis
when viagra generic
is generic viagra safe
professional viagra
cialis viagra
how to get free cialis
cialis 20 mg prices
viagra pfizer 100mg
effect of viagra on women
maximum dosage cialis
canadian generic viagra pharmacy
IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Ulrichsberg – weggepustet?

Josephine Broz

Zwischen dem 18. und 20. September 2009 fanden in Klagenfurt/Celovec zum fünften Mal in Folge antifaschistische Aktionstage gegen das Ulrichsbergtreffen statt. Schon im Vorfeld gab es für AntifaschistInnen Grund zur Freude – Verteidigungsminister Darabos untersagte dem Bundesheer nämlich die Teilnahme an der Feier, die europaweit als eines der zentralen Events für Veteranen der Wehrmacht, Waffen-SS und Neonazis gilt. Nach der Absage des „offiziellen“ Treffens sprang die FPÖ ein und sorgte für einen Naziaufmarsch.

Jubiläen gehören gefeiert.

Gleiches dachte sich wohl auch die Ulrichsberggemeinschaft, die ein halbes Jahrhundert revisionistischer Traditionspflege auf dem „Mons Carantanus“ zelebrieren wollte. Denkste. AntifaschistInnen fanden im Sommer heraus, dass der geschäftsführende Obmann der Ulrichsbergler, Wolf Dieter Ressenig, Neonazi-Devotionalien („SA Koppel, sicher original“) im Internet anbot. Daraufhin zeigte das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) Ressenig nach dem Verbots- bzw. Abzeichengesetz an.

Am Zug war nun Verteidigungsminister Darabos – schließlich gab es schon seit Jahren Kritik an der Teilnahme des Bundesheeres am Ulrichsberg. Was hatte schließlich die Armee eines auf einem antifaschistischen Grundkonsens stehenden Staates mit Veranstaltungen zu tun, auf denen SS-Veteranen „willkommen“ sind, wie es am Ulrichsberg schon mal herausposaunt wurde? Zwar wurde seitens der OrganisatorInnen immer beteuert, am Ulrichsberg laufe eine harmlose Feier für den „Frieden“ ab, der Verkauf von SA-Tand dürfte das Bild der unpolitischen Soldatenfeier jedoch ordentlich getrübt haben …

Der Wegfall des Bundesheeres stellte die Ulrichsberggemeinschaft jedenfalls vor handfeste logistische Probleme – woraufhin der Vorstand implodierte und das Treffen auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Überraschend waren auch die politischen Reaktionen, allen voran Kärntens Landeshauptmann Dörfler, dem die Ulrichsbergfeier „zu weit rechts war“ …

Antifaschistische Jubelchöre anzustimmen war jedoch verfrüht, wie sich herausstellen sollte. Kurze Zeit nach der Absage der Ulrichsberggemeinschaft trat die FPÖ mit einer eigenen Veranstaltung am Ulrichsberg auf den Plan. Eine einfache „Kranzniederlegung“ sollte es werden, zu der auch auf Neonazi-Pages kräftigst mobilisiert wurde. Ein Grund mehr, sich zu den vom AK gegen den Kärntner Konsens mittlerweile zum fünften Mal organisierten antifaschistischen Aktionstagen zu begeben. Am Wochenende zwischen dem 18. bis 20. September wurde mittels verschiedener Aktionen versucht, dem in Kärnten vorherrschenden rechts-revisionistischen Mainstream-Diskurs ein antifaschistisches Geschichtsbild entgegenzusetzen. Den Anfang machte am Freitag eine Demonstration unter dem Motto „Goodbye Ulrichsberg – refugees welcome“, welche die rassistische Asylpolitik in Kärnten/Koroška thematisierte. Nicht nur das „Sonderlager“ für AsylwerberInnen auf der Saualm/Svinja Planina ist Symbol des institutionalisierten Rassismus, auch der Ulrichsberg steht mit seinem offenen Bezug auf den National - sozialismus für eine Politik der Ausgrenzung und Hetze. Die Parteizentrale des BZÖ bekam während der Demo einen Farbbeutel ab, was für die Klagenfurter Polizei Grund genug war, die Demo aufzulösen. Um die am Rande mit „Nationaler Widerstand“- Rufen provozierenden Neonazis kümmerten sich die BeamtInnen mit weniger Eifer.

good night white pride

Auch abseits der vom AK gegen den Kärntner Konsens organisierten Veranstaltungen zeigte sich Widerstand. So wurden die Scheiben der Kärntner FPÖ-Zentrale von Freitag auf Samstag von Unbekannten eingeschlagen, Farbbeutel landeten auf einem revisionistischen Gedenkstein für die „Opfer der Partisanen“ in der Klagenfurter Innenstadt. Das Kommando R.O.S.A. (Rechtsrevisionistische Opfermythen Systematisch Angreifen) verschönerte zudem verschiedene rechte Gedenkstätten mit Luftballons, die die Aufschrift „good night white pride“ trugen.

Nach einer antifaschistischen Stadtführung durch die Klagenfurter Innenstadt ging der antifaschistische Aktionsreigen im nahegelegenen Krumpendorf/Kriva Vrba weiter. Dort findet immer am Samstagabend vor dem Ulrichsbergtreffen der so genannte „Kärntner Abend“ statt, wo sich prominente Alt- und Neonazis wie die Himmler-Tochter Gudrun Burwitz die Klinke in die Hand geben. Hier sorgte Jörg Haider 1995 auch mit seinem Sager über die „anständigen Leute“ der Waffen-SS für aufsehen. Durch die Absage der Bergfeier konnten 2009 jedoch AntifaschistInnen den Ort „entern“ und sorgten für eine nette, ausgelassene Straßenparty mit politischem Inhalt.

Welche Bedeutung der Ulrichsberg für die rechtsextreme Szene in Österreich hat, zeigte sich am Sonntag, dem 20. September. An die 100 Menschen folgten dem Aufruf der FPÖ zu einer Kranzniederlegung und einem „Wandertag“. Die Kleine Zeitung schrieb von „vielen jungen Leuten“. Es sind Neonazis. Nicht irgendwelche, sondern organisierte Gruppen aus Wien, Kärnten, Deutschland und anderswo. Mit dabei ist auch echte Neonazi-Prominenz: Hansjörg Schimanek und Gottfried Küssel. Letzterer wurde als Anführer der neonazistischen VAPO 1993 zu 10 Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt. Neben der FPÖ hatten auch BZÖler keine Berührungsängste mit militanten Neonazis: Ex-Bundesrat Siegfried Kampl („Wenn es den Hitler nicht gegeben hätte, wäre Österreich jetzt kommunistisch“) fand auch seinen Weg auf zum Gipfel.

Mit am Berg sind auch etwa 70 antifaschistische AktivistInnen, welche versuchen die Nazis an der Wanderung zu hindern. Sie werden von Neonazis angegriffen, die Polizei schaut weg. Wenn man bedenkt, dass ein Gegendemonstrant 2008 wegen des Mitführens eines „Devilstick“ genannten Spielzeugs festgenommen und ihm dies bei der Verhandlung als „Waffenbesitz“ ausgelegt wurde, stellt sich die Frage, inwiefern FPÖ/ BZÖ-kompatible Ideologien innerhalb der Kärntner Polizei und Justiz salonfähig geworden sind.

Wie weiter?

Das Ulrichsbergtreffen stand 50 Jahre lang symbolträchtig für den Umgang weiter Teile der österreichischen Nachkriegsgesellschaft mit dem Nationalsozialismus. Hier wurden Nazi-Täter zu Opfern eines eigentlich nie gewollten Krieges umgelogen und zu Helden stilisiert. Fast alle im österreichischen Parlament vertretenen Parteien schickten VertreterInnen auf den Gipfel, die dann vor versammelter SS- und Neonazi-Riege ihre Festreden halten durften. Nach außen hin gab man sich zwar unpolitisch, wenn in den Reden aber gegen Kärntner SlowenInnen und WiderstandskämpferInnen gehetzt wurde, war klar, wer sich da versammelte. Nichtsdestotrotz dauerte es ein halbes Jahrhundert, bis durch jahrelange, hartnäckige antifaschistische Arbeit Risse im deutschnationalen Kärntner Konsens erkennbar wurden. Immer noch sind es vorwiegend junge Menschen, die gegen das NS-Gedenken am Ulrichsberg auf die Straße gehen. Die Kärntner Zivilgesellschaft hat sich aus den Protesten immer weitgehend herausgehalten, die Frage nach dem „Wieso“ ist bisher noch nicht beantwortet worden. Es scheint, als hätten die vielen Jahre der Verhaiderung Kärntens die meisten kritischen Stimmen mundtot gemacht, als hätte es „eh keinen Sinn“, gegen Rechtsextremismus zu protestieren. Dabei wären gerade in Kärnten, welches schon mal als „rechtsextremes Versuchslabor“ bezeichnet wird, antifaschistische Initiativen mehr als nötig. Werte und Ideologien, die am Ulrichsberg nämlich hochgehalten wurden, machen sich tagespolitisch beispielsweise in der Asylpolitik als auch im Umgang mit den Kärntner SlowenInnen bemerkbar. Für das Jahr 2010 hat die Ulrichsberggemeinschaft jedenfalls angekündigt, sich neu organisieren und eine weitere Feier veranstalten zu wollen. Für Menschen, die sich nicht mit dem Kärntner Deutschnationalismus ab - finden wollen, gibt es wohl weiterhin noch Einiges zu tun …


Josephine Broz ist Aktivistin des AK gegen den Kärntner Konsens.