IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Prekarisierung in den Wissenschaften – Organisieren wir uns!?

Veranstaltung und Diskussion als Auftakt zukünftiger Vernetzungen und gemeinsamer Organisierungen. Eine Rückschau mit Ausblick.

Milena Bister

Lassen wir zum Einstieg kurz ein paar Zahlen auf uns wirken: An der Universität Wien sind von über 7000 wissenschaftlichen Mitarbeiter/ innen rund 4300 mit befristeten Anstellungsverhältnissen beschäftigt – das sind weit über die Hälfte aller wissenschaftlichen Angestellten. Ihre Verträge haben eine Laufzeit von einigen Monaten bis zu einigen Jahren. Die maximale Verweildauer an der Universität ist über die sog. Kettenvertragsregelung bei Vollzeitbeschäftigung auf 6 Jahre, bei Teilzeitbeschäftigung auf 8 Jahre beschränkt. Danach kann nur in Sonderfällen die Anstellung noch um 2 Jahre verlängert werden, bis die Universität unabhängig von den erfolgten Leistungen für mindestens ein Jahr verlassen werden muss.

Am 14. Oktober 2009 haben die IG Externe Lektor/innen und Freie Wissenschafter/innen, die Plattform Drittmittelpersonal, das PrekärCafé sowie das Graduiertenzentrum Sozialwissenschaften in der Aula am Campus der Universität Wien zu einer Veranstaltung zur Mobilisierung und Organisierung gegen prekäre Arbeitsverhältnisse eingeladen. Sowohl Lektor/innen, Drittmittelangestellte, Universitätsassistent/innen als auch Studienassistent/ innen und Tutor/innen, Studierende sowie Gastprofessor/innen sind der Einladung gefolgt. Auch Betroffene anderer Institutionen, wie z.B. der WU Wien, der TU Wien, der Akademie der Wissenschaften sowie privater Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen waren anwesend.

Den Impulsvortrag gab Susanne Pernicka, die anhand von zwei Beispielen erfolgreicher Organisierung die Möglichkeiten zur Verwirklichung kollektiver Interessen auslotete: Die soziale Bewegung in Frankreich, die von 2003–2007 ausgehend von prekären Kulturund Medienschaffenden die Rücknahme einer Novelle des Arbeitslosengesetzes bewirkte, sowie die Organisierung der sog. Existenzlektor/ innen in Österreich in den 1990er Jahren, mit der eine Übernahme des betroffenen Personenkreises in reguläre Universitätsanstellungen erreicht wurde. In kleinen Gruppen diskutierten die Anwesenden im Anschluss, wie sie selbst von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen sind, welchen persönlichen Umgang sie mit den Arbeitsbedingungen gefunden haben und welche Ressourcen sie für eine Organisierung benötigen. In der Plenardiskussion zeigte sich, wie dringend eine gemeinsame Vorgehensweise empfunden wird. Heterogene Hintergründe und Motivationen der Teilnehmer/innen führten zu einer Vielzahl von Vorschlägen: Kollektives Nein-Sagen zu unbezahlten Zusatzaufgaben, Transparenz bei der Besetzung von Stellen fordern, mit Studierenden oder dem nicht-wissenschaftlichen, prekären Personal solidarisieren, Unterstützer/innen aus den Reihen der ordentlichen Professor/innen einbeziehen, oder an die Forderungen eines bedingungslosen Grundeinkommens anknüpfen.

Die Formulierung gemeinsamer Anliegen und Forderungen wird im PrekärCafé weiter verfolgt. In einer offenen Runde soll neuen Ideen Raum gegeben, das Potential bestehender Initiativen genutzt und an Erfahrungen der Anwesenden in unterschiedlichen (auch ausseruniversitären) Organisierungsprozessen angeschlossen werden. Ziel ist, eine kritische Größe für die Durchsetzung besserer Arbeitsund Lebensbedingungen zu erreichen.


Milena Bister ist Mitarbeiterin des Graduiertenzentrums Sozialwissenschaften und Doktorandin am Institut für Wissenschaftsforschung, Universität Wien.


Kontakt für Interessierte:
PrekärCafé, prekaer(at)lnxnt.org
www.prekaer.at

Anm. d. Red.: Zu Organisierung von Studierenden und Lehrenden siehe nun auch www.unsereuni.at

Links