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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2009

Dezentrale Karten



Die herrschaftliche Neuaufteilung von Land war eine der zentralen Praktiken des Kolonialismus. Postkoloniale Perspektiven in der Kunst setzen zum Teil an diesen gewaltsamen Landnahmen an und entwerfen alternative Kartografien. Diese verstehen sich nicht nur als Antworten auf Raumfragen, sondern als Pläne zur Subversion herrschender Dichotomien. Postkoloniale Diskurse erfahren gegenwärtig eine enorme Anerkennung innerhalb der kultur- und sozialwissenschaftlichen Diskurse. Die Widersprüche und Unvereinbarkeiten von der Kritik einer ethnisch formierten sozialen Ungleichheit auf der einen und der Feier der Autonomie der Migration auf der anderen Seite geraten dabei selten in den Blick. Es stellt sich die Frage nach einer Vermittlung oder einem Dazwischen von bzw. zwischen struktur- und diskursanalytischen Herangehensweisen, die nur entlang der Praxis beantwortet werden kann. Die Ausgabe des Bildpunkt widmet sich deshalb der Frage danach, welche spezifischen Vorschläge, Konzepte und Programmatiken in den Überlappungen von künstlerischen Produktionen und Praktiken sozialer Bewegungen entstehen.


Heft Herbst 2009

Praxistheorien


Es klingt wie ein Oxymoron und doch ranken sich darum Debatten, die Schuber und Regale füllen: Die Praxistheorien. Seit den Marx´schen Thesen zu Feuerbach ist das Verhältnis der Theorie zur gesellschaftlichen Praxis ein prekäres, Theorieproduktion soll an der Praxis ansetzen und schließlich selbst zu einer werden. Die Wege von der „Philosophie der Praxis“ (Gramsci) zur „Praxeologie“ (Bourdieu) führten nicht selten auch über die Kunst – Kunsttheorie wie Kunstpraxis gleichermaßen. Über Effekte der Theorieproduktion und das Ansetzen wie Ausblenden von praktischem Wissen und praktischen Fähigkeiten diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt – allerdings nicht bloß zur Klärung der Begriffe, also um die Kunstwelt zu interpretieren, sondern um – mit der elften Feuerbachthese gesprochen – sie zu verändern.


Heft Sommer 2009

Symbolische Barrikaden


Städte sind umkämpfte Räume. Kaum etwas symbolisiert städtische Kämpfe so wie Barrikaden – die in sozialen Auseinandersetzungen wie dem Pariser Mai ´68 selbst vor allem als Verweissysteme auf andere Barrikaden, die der Pariser Commune 1871, fungiert haben. Städte sind Akteure und Schauplätze von Standortkonkurrenz gleichermaßen. Ein konkreter Ort wie eine Stadt ist laut Richard Florida die „key economic and social organizing unit of our time.“ Denn nur hier könne sich menschliche Kreativität in ökonomischen Wert verwandeln, und zwar dort am besten, wo es sich mit den „drei T´s“ (Technologie, Talent, Toleranz) am günstigsten verhält. Man muss die Euphorie Floridas um die „kreative Klasse“ nicht teilen, um die Modelle zu untersuchen, in denen auch KünstlerInnen die Stadt mit ihrer jeweiligen „städtischen Eigenlogik“ (Martina Löw) zum Ausgangs- und Angriffspunkt ihrer Produktionen gemacht haben. Inwieweit sich an sozialrevolutionäre, situationistische Konzepte wie den „unitären Urbanismus“ (Constant) anknüpfen lässt, soll dieser Bildpunkt ebenso erörtern wie andere Strategien urbaner Interventionen. Auch weil es dabei nicht um die Verbreiterung von Bürgersteigen geht, sondern um das Symbolische im Sinne Pierre Bourdieus, also Denk-, Wahrnehmungs- und Gefühlsschemata, sprechen wir von symbolischen Barrikaden als Ziel und Ausdruck von Kämpfen – und deren Verweisen.

 

Heft Frühling 2009

Immaterielle Arbeit und ihr Material

 

Immaterielle Arbeit ist nicht nur das, was früher Dritter Sektor oder die Reproduktion genannt wurde. Auch ganz fundamentale Kommunikation ist immaterielle Arbeit.

Glaubt man den postoperaistischen Intellektuellen, hat sich auch der soziale Stellenwert immaterieller Arbeit enorm gewandelt: Sie ist zur hegemonialen Form von Vergesellschaft und Produktion geworden. Intellektuelle Fähigkeiten, Kreativität, unternehmerische Entscheidungen, Netzwerke: Ist der Postfordismus also ein künstlerisches Paradies? Leben wir in der herrschaftsfreien Artokratie? Oder ist doch alles ganz anders? Rühren KünstlerInnen noch die Farbe an oder sind sie selbst das Material, dass sie auftragen müssen (aber fett!)? Das alles fragt sich diese Ausgabe des Bildpunkt.