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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

 

Seit 2005 beschäftigt sich Heidrun Holzfeind mit der StudentInnenbewegung von 1968 in Mexiko. Für die Bildstrecke des Bildpunkt verbindet sie Fotografien der modernistischen Architektur des zentralen Campus der UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) aus der Serie C.U. (Mexico City, August 2006), 2007 mit Archivfotos, die die Kundgebungen und Versammlungen der StudentInnenrevolte dokumentieren. 1968 hatte sich die politische Forderung nach Demokratisierung in Mexiko-Stadt zu einer großen Protestbewegung ausgeweitet, die die meisten Hochschulen und Mittelschulen Mexikos erfasste und breite Unterstützung in der Gesellschaft fand. Kurz vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Mexiko-Stadt wurde die Bewegung von der Regierung mit Waffengewalt niedergeschlagen. Auf dem Platz der Drei Kulturen in Tlatelolco schossen Militär und Polizei auf die TeilnehmerInnen einer friedlichen Kundgebung. Viele wurden getötet, hunderte verhaftet. Zahlreiche StudentInnenführer und Intellektuelle waren fast drei Jahre lang inhaftiert. Die Archivfotos (querformatige Fotos; Fondo CUEC 2 Courtesy Comité 68 Archiv Tonatiuh García; Courtesy Comité 68) zeigen die vom UNAM-Rektor Javier Barros Sierra organisierte Versammlung in der Ciudad Universitaria (C.U.) am 1. August 1968; StudentInnen vor dem Rektorat der C.U. während der Besetzung des Campus durch das Militär am 18. September 1968 sowie die Pressekonferenz des Nationalen Streikrats in der Medizinischen Fakultät des Polytechnischen Instituts am 23. November 1968. Heidrun Holzfeind lebt und arbeitet in New York.

Der Beitrag für das Rückencover dieser Ausgabe ist von Gülsün Karamustafa. Er basiert auf einer Fotografie, die Teil der Installation Bühne aus dem Jahr 1998 ist. Das Foto zeigt die Künstlerin und ihren Mann vor dem Militärgericht 1971. In Istanbul waren sie aktiv an der StudentInnenbewegung 1968 beteiligt, die sich bald über die ganze Welt ausgebreitet hatte. Die Forderungen waren weltweit ähnlich: Reformen an den Universitäten, gleiche Rechte auf Bildung, eine bessere, demokratischere Welt. Die Auswirkungen unterschieden sich markant: In kurzer Zeit führten die Demonstrationen auch in der Türkei zu heftigen Konflikten und eine große Zahl von Intellektuellen, Studierenden und ArbeiterInnen wurden für ihre politischen Positionen nach dem Staatsstreich von 1971 vom Militärregime verhaftet. Gülsün Karamustafa lebt und arbeitet in Istanbul. Sie beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Themen wie Orientalismus, Frauen und Islam, Migration sowie mit der Konstruktion türkischer Identität.

Lisl Ponger arbeitet in den Medien Film, Fotografie, Installation. Das Mittelposter dieser Ausgabe des Bildpunkt zeigt eine Fotografie aus dem Jahr 1971. Die historische Arbeit gibt Einblick in frühe künstlerische Auseinandersetzungen mit Medien und Medienkritik: Sie dokumentiert eine Aktion der Avantgarde-Filmgruppe Rosa- Grün-Blau im Rahmen des „Neuen Österreichischen Films“ in der Musikakademie Johannesgasse. Die „Multi-Media-Show“ bestand aus 3–4 Fernsehern, Super-8-Projektoren und politischen Flugblättern, die sich inhaltlich mit einer Medienkritik an den Logiken von Werbung und Fernsehen beschäftigten. Helmut Pold – ehemals Mitglied der Gruppe – bezeichnete die Aktion in einem Gespräch mit Lisl Ponger als eine frühe politische Videoinstallation avant la lettre – zu einer Zeit, in der es noch keine Videotechnik gab. Das Foto ist im Buch Doppleranarchie. Wien 1967–1972 (Falter Verlag) abgebildet. Lisl Ponger lebt und arbeitet in Wien.


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.