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Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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nicht alles tun im Buch

Jens Kastner

Um sich von kriminellen Taten abzugrenzen, sind Gesetzesbrüche als Aktionen zivilen Ungehorsams häufig offen angekündigt und durchgeführt worden. So wurde auch die Blockade der Internet-Seite einer großen Fluggesellschaft wegen deren verdienstreicher Beteiligung an Abschiebungen aus Deutschland beim Ordnungsamt Köln offiziell angemeldet: „Versammlungsort: www.lufthansa.com“. Mit der Angabe der Homepage als Ort des Geschehens reklamierten die AktivistInnen zugleich den Cyberspace als öffentlichen Raum. Dokumentiert ist die ganze Kampagne gegen das Geschäft mit der Abschiebung – inklusive theoretischer Einbindung und juristischen Folgen – im Handbuch Online-Aktivismus. Detailreich aufgearbeitet wurde neben dem konkreten Beispiel damit auch eine überhaupt recht zeitgemäße Aktionsform.

Und dabei ist die Linke sich selbst ihr schlimmster Feind, meint zumindest das Critical Art Ensemble (CAE), wenn es darum geht, „die Modelle des Widerstands den veränderten Bedingungen anzupassen.“ Dafür sei es nämlich, schreibt das CAE in den jetzt auf Deutsch erschienenen Texten aus den 1990er Jahren, höchste Zeit. Einer nomadisch gewordenen Macht sei nicht mehr auf der Straße zu begegnen, ihr müsse elektronischer Widerstand entgegengesetzt werden. Der „elektronische zivile Ungehorsam“, den sie Vorschlagen, ist immer auch ein Kampf um Autonomie. Diese wird erlangt, indem man sich „vor der Obrigkeit verbirgt“ – oder zum Angriff auf elektronische Machtnetze übergeht. Wie unpolitische Hacker und soziale AktvistInnen zusammenfinden, ist deshalb auch eine der vielen Fragestellungen, die das CAE aufwirft und diskutiert. Aber nicht nur linke Bewegungen, sondern auch KünstlerInnen sind hier angesprochen. Autonomie wird auch als Ziel der Bildproduktion formuliert. Dies erfordere verschiedene Konsequenzen: Das Monumentale müsse aus der Darstellung getilgt, Irritation und Zweifel sollten gefördert werden.

Von sozialen Bewegungen ist hingegen beim Kunstsammler Harald Falckenberg nicht die Rede. Er entlehnt den Begriff des zivilen Ungehorsams aus seinem politischen Kontext und versucht ihn als Merkmal für „Autonomie der Kunst und Subjektivität des Künstlers“ in Anschlag zu bringen. Ein Versuch allerdings, der deshalb kaum überzeugt, weil außer dem Appell wenig ins Feld geführt wird für eine Rückkehr zum „Künstler (…) als Subjekt und Person des Widerstands“.

Der Sozialpsychologe Peter Brückner war einer der engagiertesten Intellektuellen aus dem Umfeld der westdeutschen 68er-Bewegung. Einige seiner Aufsätze sind in der neuen Reihe „Politik bei Wagenbach“ nun wieder veröffentlicht worden. Warum ungehorsames Verhalten zuweilen gar nicht so einfach ist, bringt Brückner auf den Punkt: „Gehorsam erspart Unlust und verleiht eine, wenn auch vom Wohlwollen der Mächtigen abhängige Sicherheit.“ Brückner ging es darum, Möglichkeiten des Ungehorsams als „Verweigerung des Konsensus“ herauszuarbeiten. Wenn auch sein pädagogischer Duktus heute zuweilen befremdet, die zentralen Grund - annahmen – dass die menschliche Natur beispielsweise nichts weiter als das „Produkt von Vergesellschaftung“ ist – und seine Thesen sind jedenfalls für jede Auseinandersetzung mit dem Thema nach wie vor bereichernd.


Jens Kastner ist Kunsthistoriker und Soziologe und lebt in Wien.


Peter Brückner: Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer, Berlin 2008 (Wagenbach Verlag).

Critical Art Ensemble: Elektronischer Widerstand, Wien 2008 (Passagen Verlag).

Harald Falckenberg: Ziviler Ungehorsam. Kunst im Klartext, Regensburg 2002 (Lindinger + Schmid Verlag).

Initiative Libertad (Hg.): go.to/onlinedemo. Handbuch Online Aktivismus, Frankfurt a. M. (Verlag edition libertad).