IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

 

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

 

Eine Demonstration mitten in einer Demonstration – vielleicht als solidarischer Ungehorsam – zeigt das Mittelposter dieser Ausgabe. Das Kollektiv Etcétera wurde 1997 in Buenos Aires gegründet und besteht aus Leuten, deren Praxis an der Schnitt - stelle zwischen Poesie, Theater, Bildender Kunst und Musik angesiedelt ist. 1998 besetzten sie die Druckerei des surrealistischen Künstlers Juan Andralis, funktionierten sie zu einem Labor für Kunst und Theater um und bauten dort außerdem eine Bibliothek auf. 2005 bildeten sie die Internacional Errorista, eine virtuelle Bewegung im Netz, die Themen der sozialen Ausgrenzung, des Terrorismus, der symbolischen und tatsächlichen Grenzen, der Sprachsysteme und der Philosophie behandelt. Teil der Bewegung sind Intellektuelle, KünstlerInnen und VideoaktivistInnen aus Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. Das „error“ im Namen verweist auf eine radikale Affirmation der Idee des Fehlers. So wurde das Konzept des Errorismo selbst aus einem Fehler, einem fehlenden „T“ geboren.

Das Rückencover gestaltete die Künstlerin Carolina Caycedo. Die Machete als starkes Symbol für die Lateinamerikanische ArbeiterInnenklasse ist gleichermaßen Symbol für Arbeit wie für Revolte. Speziell geschaffen für die Arbeitskraft in ländlichen Gebieten, ist sie das wichtigste Werkzeug für das Schneiden von Zuckerrohr und um sich einen Weg durch dichte Vegetation zu bahnen. Sie ist praktisch, um Kokosnüsse zu öffnen, das Essen in große Stücke zu schneiden und eine vertrauenswürdige Waffe, wenn man weiß, wie sie zu verwenden ist. Als eine der gebräuchlichen Waffen in den Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialmacht in Lateinamerika haben zahlreiche FreiheitskämpferInnen die Machete zum Zeichen ihres Kampfes gemacht: Die Macheteros-Boricua Volksarmee ist eine klandestine Organisation für die Unabhängigkeit Puerto Ricos. Die pazifistische, brasilianische Landlosen-ArbeiterInnenbewegungen MST (Movimento Dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) zeigt ein Paar in ihrem Emblem, das eine Machete hält. Carolina Caycedos Statement zum zivilen Ungehorsam zeigt eine Waffe. Dazu sagt sie: „In einem Kontinent, auf dem Ungerechtigkeit und gewaltsame Zensur herrschen, muss Ungehorsam und Infragestellen praktiziert werden. Aber man muss auch bereit sein, die Unterdrückung mit aller Macht und Kraft zurückzuschlagen.“

Die Bildstrecke entstand diesmal in Kooperation mit Murmel Comics. Die gezeichneten Beiträge sind von Arno Raffeiner, Elfi Spießberger, Laas, Oliver Schulze, Roland Schifferegger und Verena Weißenböck. Murmel Comics sind Comics für alle. In den Murmel-Comics-Anthologien, die seit 1999 ca. dreimal im Jahr in Wien erscheinen, werden Geschichten in Bildern erzählt. Das zeichnerische Können oder Nicht-Können spielt dabei keine Rolle, denn niemand, der/die etwas erzählen oder zeichnen möchte, soll ausgeschlossen werden – es gibt weder ein zu schlecht noch ein zu gut. Dem Qualitätsterror setzt Murmel ein offenes, partizipatives System entgegen. Alle, die Lust haben sich zu beteiligen, können ihre Comics in die Murmel-Zentrale schicken und werden veröffentlicht. Außer sexistische oder rassistische Beträge druckt Murmel alles. Die DIN-A5-Hefte bestehen aus gehefteten Schwarz-Weiß-Ausdrucken und werden zum Selbst - kostenpreis verkauft. www.murmel-comics.org


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.