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Der in London lebende Künstler und Gründer der Auto-Destructive Art Gustav Metzger (geb. 1926) besuchte Wien und führte am 27 Oktober 2008 ein öffentliches Gespräch mit Sabine Breitwieser in der Wiener Secession. Anhand von verschiedenen Covers englischer und US-amerikanischer Zeitschriften verdeutlichte er, dass die Kapitalismuskrise den Glauben an den freien Markt gebrochen hat. Marx ist wieder das Thema in der Mainstreamberichterstattung.
Kapitalism statt Capitalism war auf einigen Covers zu lesen. Metzger wies auch darauf hin, dass in Deutschland Das Kapital von Marx ganz vorne in den Bestsellerlisten rangiere. Der Analyse folgte ein Aufruf an die „Linke“, die Weltwirtschaftskrise zu nutzen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre die Möglichkeit gegeben sich zu erheben? Der „Brutalisierung der Gesellschaft“ solle durch eine Radikalisierung der künstlerischen Praxis entgegengetreten werden. Er rief auf zu Selbstorganisation und Stärkung der Kunstinstitutionen bei gleichzeitiger Kritik an ihnen. Angestrebt wird dadurch auch eine Schwächung des Galeriensystems. Der Aufruf verhallte allerdings ein wenig im Foyer der Secession. Der revolutionäre Funke wollte auf die zahlreich gekommenen Mitglieder und Besucher_innen nicht so recht überspringen, selbst dann nicht, als Metzger die Secession als den zentralen Ort, an welchem dieser Kampf stattfinden könne, bezeichnete. Der Secession steht offenbar noch ein längerer Weg bevor und die Zusammenarbeit mit anderen Künstler_innenvereinigungen muss dabei intensiviert werden. Ich denke, dass die Forderungen Metzgers viel mehr den Zielen der IG Bildende Kunst entsprechen.
Seit Jahren arbeiten wir daran, Selbstorganisation von Künstler_innen – bei gleichzeitiger Unterstützung gesellschaftspolitischer Kämpfe – zu stärken und unterschiedliche Methoden des Widerstandes zu diskutieren und/oder zu kritisieren. Auch setzen wir uns für eine Stärkung der Kunstinstitutionen bei gleichzeitiger Kritik an ihnen ein. Das etablierte Galerien-/Kunstmarktsystem wollen wir, wie Metzger an jenem Abend betonte, ebenfalls nicht abschaffen. Vielmehr soll es durch Selbstorganisation und Selbstdistribution von Kunstschaffenden massiv geschwächt werden. Letztlich geht es darum, dass alle, die Kunst machen, diskutieren und kuratieren wollen, dies auch tun können. Doch nach wie vor arbeitet die Masse der großteils professionell ausgebildeten Kunst- und Kulturarbeiter_innen einigen wenigen, zu Reichtum gelangten Direktor_innen, Galerist_innen und Künstler_innen zu. Oftmals ohne es zu merken. Denn all die schlecht bis gar nicht bezahlten Teilzeitjobs im Kunstbetrieb, die neben der eigenen Kunstproduktion gemacht werden müssen, bilden in ihrer Summe jene Kraft, die notwendig ist, um das gesamte Kunstsystem zusammenzuhalten. „Vom Museumswärter zum Malerfürsten“, diese (patriarchale) „Traumblase“ ist nun endgültig geplatzt.
Ob die weltweite Krise des Kapitalismus unsere Positionen stärken oder schwächen wird, dass ist noch nicht absehbar. Zu befürchten ist, dass sich unsere Arbeitsbedingungen erstmal durch die Krise verschlechtern werden. Aber in einer Zeit in welcher der Kapitalismus seine ersten Schritte zur Selbstzerstörung vollzieht, haben wir durch den dadurch ausgelösten Bewusstwerdungsprozess neue Möglichkeiten, Allianzen zu bilden und an gemeinsamen Kämpfen teilzuhaben, durch die eine andere Welt möglich wird!
Martin Krenn ist Vorsitzender der IG Bildende Kunst.
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