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Die Bildstrecke dieser Ausgabe entspringt einer Installation, die der indische Künstler und Dokumentarfilmer Sanjay Kak gemeinsam mit dem Designer Itu Chaudhuri bei der Manifesta 7 zeigte. Anhand von Skizzen, Fotos und gefundenen Objekten dokumentieren die Künstler die Geschichte eines Gebiets in Ostindien – dem Niyam Giri, wörtlich „Hügel der Gerechtigkeit“ – in dem Bauxit gewonnen wird. Unter dem Titel A Shrine to the Future: Memory of a hill macht die dokumentarische Untersuchung auf die Ausbeutung von Arbeit und Boden aufmerksam, die mit der Gewinnung von Bauxit verbunden ist. Vor dem Hintergrund der systematischen Zerstörung und der polizeilichen Deckung der Wertschöpfung wird der Name des dokumentierten Hügels zum ironischen Marker einer buchstäblich zunehmend entleerten Gerechtigkeit. Sanjay Kak setzt sich in seinen Arbeiten seit 20 Jahren mit Themen des Widerstands, der Umwelt und der sozialen Marginalisierung auseinander.
Das Mittelposter beschäftigt sich mit einem klassischen Medium der Dokumentation: der Fotografie. Die Arbeit Before & After von Anita Witek untersucht Bedingungen der Bildproduktion anhand der Anordnung historischer Abbildungen von Fotostudios von der Zeit ihrer Entstehung bis heute. Die dokumentarische Historiografie eröffnet einen Zusammenhang für unterschiedliche Erzählstränge. So kann der Ort des Herstellens von „Erinnerungen“ – das Fotostudio – selbst als Informationsträger über das Erinnern dienen. Die Abbildungen von 1864 bis 2003 verraten zum Beispiel vieles über die Veränderungen der Technik und den Umgang mit Licht im Raum. Ebenso sehr dokumentieren sie eine Geschichte von Projektionen, Wünschen und Träumen: Fabrikationsstätten des Faktischen, Kulissen für Erwartungen an Bilder. Einer femi- nistischen Betrachtung wiederum geben sie visuelle Anhaltspunkte für Genealogien von Inszenierungen und AutorInnenschaften.
Die Arbeit von Tim Sharp für das Rückencover geht aus dem Kontext eines größeren Projekts namens Cap Manuel hervor. Hoch oben auf einem Felsen in den Outskirts von Dakar steht ein stillgelegtes öffentliches Gebäude: Das ehemalige Palais de Justice. Gebaut in den letzten Jahren der französischen Kolonialbesatzung, hatte es seit mehr als einem Vierteljahrhundert aufgehört als das zentrale Zivil- und Strafgericht zu fungieren, das es einst war. Das Gebäude stellt den Ausgangspunkt für eine Investigation dar, in der Tim Sharp sich u.a. mit Fragen der Konstruktion von Geschichte, sozialer Disziplinierung, Rassismus, Sklaverei und der Rolle der Kunst in sozio-historischen Narrationen beschäftigt. Mit ironischen Untertönen berührt das textuelle Element der Arbeit auch das umstrittene Genre der Reiseliteratur. Tim Sharp arbeitet als Autor und bildender Künstler in den Medien Film/Video, Fotografie und Installation. Die Arbeit Cap Manuel besteht aus einer Videoinstallation und einem Buch, das im Wieser Verlag, Klagenfurt/ Celovec (2008) erscheint: www.wieser-verlag.com bzw. www.timsharp.at
Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.
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