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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2008/2009

Die Macht des Faktischen

Das Dokumentieren ist eine Praktik par excellence, wenn es um die Schnittstellen von Kunst und sozialen Bewegungen geht: Verhältnisse der Ungerechtigkeit werden aufgezeichnet und gesammelt, um sie öffentlich, sichtbar und angreifbar zu machen. Vom Realismus des 19. Jahrhunderts über die sozialdokumentarische Fotografie hat das Dokumentieren auch eine lange und kritische Tradition innerhalb der Kunst. Allerdings waren dokumentarische Praktiken immer auch Teil staatlicher und wissenschaftlich-kriminologischer Klassifikationen. Die Durchdringung des Dokumentierens „mit übergeordneten politischen, sozialen und epistemologischen Formationen“ nennt die Künstlerin und Theoretikerin Hito Steyerl Dokumentalität. Diese Ausgabe des Bildpunkt untersucht gegenwärtige Politiken der Wahrheit und fragt nach ihren Reflexionen/Reflektionen – Widerspiegelungen und Hinterfragungen – in der bildenden Kunst.

 

Heft Herbst 2008

formal sinnvoll

 

Die Ausgabe beschäftigt sich mit historischen und gegenwärtigen Aspekten einer künstlerischen Praxis, die sich bewusst aus ihrer Autonomie heraus begibt und ihre Gestaltungs-Skills in den Dienst politischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge stellt. Vor diesem Hintergrund kommt der angewandten Kunst eine besondere Bedeutung zu: besteht ihr Selbstverständnis doch gerade in ihrem Gebrauchswert.  Die Beiträge stellen die Geschichte einer politisch motivierten angewandten Kunst von der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart in den Kontext aktueller Debatten. Der Schwerpunkt reicht dabei von Aspekten künstlerischer Praxis in der Architektur, der Ausstellungsgestaltung bis hin zu politischem Grafik-Design und Netzaktivismus. Dabei wird der Funktionalismus im Modernismus einer kritischen Analyse unterzogen – die Überschreitung des l’art pour l’art rückt in Hinblick auf politischen Sinn und nicht auf bloße Funktion in den Blick.

 

Heft Sommer 2008

nicht alles tun

 
„…wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz.“ Die kurze Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ (1849) von Henry David Thoreau (1817-1862) gehört zu den einflussreichsten Texten sozialer Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Die darin formulierte Aufforderung zum Gesetzesbruch wurde zum Kern zivilen Ungehorsams. Wenn auch in Zeiten der gouvernementalen Regime heute weniger der Staat als klar auszumachender Gegner angegriffen wird, so existieren gegenwärtig – von illegalen Grenzübertritten bis zum Netzaktivismus – doch eine Vielzahl unterschiedlichster Formen und Praktiken zivilen (oder sozialen) Ungehorsams. Viele dieser Prozesse werden aus dem Kunstfeld heraus reflektiert, in einige sind KünstlerInnen aktiv involviert. Das Projekt untersucht daher zivilen Ungehorsam an den Schnittstellen und Überlappungen zwischen künstlerischer Produktion und sozialen Bewegungen. Eher als das berühmte Anfangszitat, das besondere Stärke und eine fast heroische Entschlossenheit zur Tat vorauszusetzen scheint, ist dabei vielleicht ein anderer Satz Thoureaus entscheidend. Im Text heißt es, nur ein paar Zeilen weiter: „Ein Mensch soll nicht alles tun, sondern etwas; und weil er nicht alles tun kann, soll er nicht ausgerechnet etwas Unrechtes tun.“


Heft Frühling 2008

zwei, drei, viele .... Achtundsechzig

 
Die sozialen und kulturellen Transformationen der 1960er Jahre haben das künstlerische Feld bis heute geprägt. Um 1968 war es zu einer Radikalisierung verschiedener ästhetischer Verfahren und künstlerischer Fragestellungen gekommen. Die Kritik an den Kunstfeldinstitutionen und jene an gesellschaftlichen Institutionen näherten sich an und überlagerten sich. Freiheit, Autonomie, Vielfalt, Dezentralisierung waren Forderungen, die sich gegen Alltag und Arbeitsregimes richteten, die durch autoritäre Strukturen und repressive Verhältnis geprägt waren. Diese antiautoritäre Kritik ist im Nachhinein selber in die Kritik geraten, denn sie scheint zur Grundlage für die Erneuerung des Kapitalismus geworden zu sein: Flache Hierarchien, Empowerment, Selbstorganisation sind zu Schlüsselmomenten des neoliberalen Kapitalismus geworden. Anlässlich des vierzigsten Jubiläums von „1968“ wäre zu diskutieren, ob es nicht doch ein positives Anknüpfen an jene „Künstlerkritik“ gibt und wie es aussehen könnte. Dabei sollte auch Thema sein, wie bis dahin „periphere“ Positionen in die Diskurse und Kämpfe der Metropolenlinken Eingang fanden und ob diese z. B. antikolonialen Inhalte nicht auch zentral für globale Dimension von „1968“ war.