Heft Winter 2008/2009Die Macht des Faktischen
Das Dokumentieren ist eine Praktik par excellence, wenn es um die Schnittstellen von Kunst und sozialen Bewegungen geht: Verhältnisse der Ungerechtigkeit werden aufgezeichnet und gesammelt, um sie öffentlich, sichtbar und angreifbar zu machen. Vom Realismus des 19. Jahrhunderts über die sozialdokumentarische Fotografie hat das Dokumentieren auch eine lange und kritische Tradition innerhalb der Kunst. Allerdings waren dokumentarische Praktiken immer auch Teil staatlicher und wissenschaftlich-kriminologischer Klassifikationen. Die Durchdringung des Dokumentierens „mit übergeordneten politischen, sozialen und epistemologischen Formationen“ nennt die Künstlerin und Theoretikerin Hito Steyerl Dokumentalität. Diese Ausgabe des Bildpunkt untersucht gegenwärtige Politiken der Wahrheit und fragt nach ihren Reflexionen/Reflektionen – Widerspiegelungen und Hinterfragungen – in der bildenden Kunst.
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