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Uns reicht’s … nicht! Let’s Mayday!

Das war die Parade 007 in Wien

Una S. Precaria

Titel und Zwischentitel dieses Textes von Transparenten der EuroMayDay-Parade 007 in Wien übernommen.
Fotos und Bericht: www.no-racism.net. Euro- MayDay: www.euromayday.at, www.euromayday.org.

Der 1. Mai als traditioneller ArbeiterInnenkampftag wird seit Jahren mit neuen Inhalten besetzt. 2001 rief eine Gruppe von italienischen AktivistInnen in Milano erstmals zu einer Mayday-Parade auf, um in kreativen Formen auf die voranschreitende Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse aufmerksam zu machen. Kein Mitmarschieren hinter RepräsentantInnen von Interessenvertretungen, sondern Selbstpräsentation ist angesagt. Damals gingen ein paar Tausend auf die Straße. Mittlerweile finden in etwa 20 Städten EuroMayDay-Paraden statt. Auch in Wien ging bereits zum dritten Mal eine Parade los.

Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf

Treffpunkt war dieses Jahr der Viktor Adler Markt im 10. Bezirk. Bereits um 14 Uhr waren mehrere zum Thema gestaltete Wagen und hunderte Leute vor Ort. Zwischen Büchertischen und Volxküche (I:DA versorgte die Anwesenden mit einem Gemüseauflauf) trafen AktivistInnen noch letzte Vorbereitungen für geplante Aktionen. So wurde die Ladefläche eines Traktoranhängers zur Bühne für die erste Ausgabe der Global Love Show. In einer Liveperformance inszenierten die AkteuerInnen pointierte Dialoge vor und bei einer Eheschließung von binationalen Paaren in Österreich – und machten so auf die prekäre Lage binationaler Paare aufmerksam: Seit 2006 wird EhepartnerInnen die Niederlassung in Österreich verwehrt. Viele werden illegalisiert, zahlreiche in Schubhaft genommen, einige schließlich sogar abgeschoben. Die Performance endete mit einer Tortung der Beamtenschaft und hinterließ auch bei so mancher ZuseherIn zäh-klebrige Spuren.

Schubhaft abschaffen

Gegen halb vier Uhr setzte sich die Parade schließlich in Bewegung. Entlang der Route lagen wieder ausgewählte Orte, die in direktem Zusammenhang mit Prekarisierungsprozessen stehen und exemplarisch thematisiert wurden. Ein Flyer zur Parade informierte mit Kurztexten über die einzelnen Stationen. Zudem hatten AktivistInnen Audiofiles mit denselben Texten vorbereitet, die sie im Umfeld der jeweiligen Gebäude lautstark abspielten. Erstes Gegenüber war der Sitz des Unabhängigen Bundesasylsenats (UBAS) auf der Laxenburgerstraße. Als die Parade daran vorbeizog, hängten AktivistInnen über dem Eingangsportal eines Gemeindebaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Transparent mit der Aufschrift „Schubhaft abschaffen“ auf. Weiter ging es vorbei an einem Standesamt, der Wirtschaftskammer und einem AMS (beide Häuser sowie die davor aufgestellten Polizisten wurden mit Farbbeutel bunt dekoriert), einer Filiale des Textildiskonters Kik und vielen anderen Orten mehr.

Kämpfen statt beten

Als Hochzeitstorte verkleidet schlich die ganze Parade lang ein Wolf im Schafspelz herum, der sich als Innenministerium ausgab – und mit entsprechender Gestik und Infomaterial den ParadenteilnehmerInnen wie PassantInnen Auswirkungen des 2006 in Kraft getretenen „Fremdenrechtspakets“ vor Augen führte. AktivistInnen der Initiative Ehe ohne Grenzen waren mit Brautschleiern vermummt dabei. Ladyfest und an.schläge hatten ihren gemeinsamen Wagen als mobile Cocktailbar eingerichtet. Der Rosa Lila Tipp wartete den vorbeiziehenden ParadenteilnerhmerInnen mit einem erfrischenden Eistee- Punsch auf und stellte eine rosarote („not your cashcow“) und eine lila („not your product“) Kuh auf die Straße. Um 18 Uhr kam die Parade schließlich an ihrem Ziel – der „Schutzzone“ Karlsplatz – an, wo DJs für den musikalischen Ausklang (und weiterhin ein Stapo-Kamerawagen für eine permanente Überwachung) der Parade sorgten.


Una S. Precaria reicht’s auch … nicht!