IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Heft Winter 2007/2008

Kollektivkräfte

Bereits Vincent Van Gogh wollte aus seinem Gelben Haus in Arles eine Künstlerkommune machen und die klassische Moderne ist ohne kollektive künstlerische Organisierung kaum denkbar. Handelte es sich einmal um rein pragmatische Zusammenschlüsse, stand Kollektivität zum anderen auch programmatisch auf der Agenda der Kunstschaffenden. Als solche löste sie sich in der zweiten Hälfte mehr und mehr von den Organisierungen und Utopien kommunistischer Parteigeschichte und stellte einen anderen Versuch dar, den Individualisierungstendenzen der Moderne bzw. des Liberalismus zu begegnen. So wurden ausgerechnet im künstlerischen Feld, das wie kaum ein anderes auf das autonome Individuum mit seiner „Kreativität“ und „Schöpferkraft“ setzt und angewiesen ist, auch Oppositionen gegen das liberalistische Menschenbild und Politikmodell entwickelt.

Die Eigendynamiken von KünstlerInnenkollektiven und kollektiven Organisierungen innerhalb des kulturellen Feldes sollen in diesem Heft ebenso diskutiert werden wie die Frage, ob, und wenn ja inwiefern, die „Kollektivkraft“ (Marx) auch neue Standards für das Politische setzt (oder zumindest Impulse gibt).


Heft Herbst 2007

Widerstand. Macht. Wissen

„Kollektives Widerstandslernen organisieren!“ So lautet der fordernde Titel eines Interviews, das die Manoa free university publizierte, eine „selbstorganisierte freie Universität“, eine Gruppe von Kunst- und WissensproduzentInnen in Wien, die in diesem Zusammenschluss eine „Weiterentwicklung der bisherigen kollaborativen Praxen im politischen Kunstfeld ermöglichen“ wollten. Fragen nach alternativer Wissensproduktion, nach „Education“ sowie nach den Bedingungen und Möglichkeiten von Forschung, lernen und lehren beschäftigen zunehmend das Feld der Kunst. So stellt das Thema Bildung eine der drei zentralen Säulen der documenta 12 dar, so lief unter dem Titel „Academy“ 2005/2006 ein mehrteiliges Projekt in Hamburg, Antwerpen und Eindhoven das sich mit lehren und lernen im Museum und in der Kunst auseinandersetzte. Dabei geraten klassische Trennlinien zwischen einer in sich geschlossenen Kunst und ihrer nachträglichen Vermittlung längst in Wanken. Die Debatte um selbstorganisierte Wissensproduktion und neue Formen des Forschens und Lernens entwickelte sich zunächst sehr stark im Umfeld der Kunstuniversitäten. Im internationalen Kontext bildeten sich dabei zahlreiche Projekte „alternativer“ oder „freier“ Universitäten heraus. Wo Kunst, Politik und Theorie zusammentreffen werden Schnittstellen zwischen Bildung und Aktivismus diskutiert und hergestellt um die Arbeit am Wissen, an Geschichte und Gegenwartsperspektiven, an Forschung und Lehre weder dem Markt noch den bestehenden Institutionen zu überlassen. Was hier auf dem Spiel steht, ist mehr als bloße Partizipation: die Arbeit an alternativem Wissen eröffnet Perspektiven auf eine Veränderung der Definitionsmachtverhältnisse.

 

Heft Sommer 2007

Aneignen

Zu den schillernden Begriffen, die in den letzten Jahren sowohl kunsttheoretische Debatten als auch soziale Kämpfe durchzogen haben, gehört jener der Aneignung. Das Schillern ist in diesem Fall, wie so oft, auch einer Unbestimmtheit und Dehnbarkeit geschuldet: Zum einen entstanden seit den 1980er Jahren künstlerische Arbeiten, die mit dem Etikett der Appropriation Art belegt wurden und das Aufgreifen, Zitieren und Wiederverwenden bestimmter Gegenstände und Verfahren pflegten. Wird der Begriff etwas weiter, über das Label der Appropriation Art hinaus, gefasst, scheint es in der zeitgenössischen Kunst kaum Praktiken zu geben, die nicht in irgendeiner Weise aneignend verfahren. Zum anderen wurden Konzepte der Aneignung aber auch in sozialen Bewegungen diskutiert und praktiziert (umsonst-Kampagnen etc.), die zwischen konkretem „rebellischen Verhalten“ und einer grundsätzlichen Infragestellung gegenwärtiger kapitalistischer „Enteignungsökonomie“ (Christian Zeller) changieren. Und nicht zuletzt in der gender- und queer-Theorie fungiert Aneignung als eine Möglichkeit, Vorgefundenes aufzugreifen und durch Wiederholungen und Verschiebungen zu verändern. Der Bildpunkt diskutiert diese verschiedenen Ansätze und Konzepte im Hinblick auf Grenzen und Möglichkeiten von Infragestellung herrschender Paradigmen und (symbol)politischen Interventionen.

 

Heft Frühjahr 2007

ALLES FÜR ALLE!

Allianzenbildung gilt als eine wesentliche Strategie politischer Arbeit im Kontext aktivistischer Gruppen und Zusammenhänge. Gleichzeitig hat sich die künstlerische Praxis sich in den letzten Jahren verstärkt Kooperationen zugewandt, die nicht bloß über Politik handeln, sondern gemeinsam mit politischen AkteurInnen entwickelt werden.

Das Heft fragt ausgehend vom zapatistischen Slogan „Alles für alle – für uns nichts!“ nach Möglichkeiten eines „strategischen Universalismus“ und damit nach der politischen Perspektive der Gleichheit. Im Vordergrund steht dabei eine Auseinandersetzung mit politischen Konzepten und einer politischen ästhetischen Praxis, die über reine „single issue Politik“ hinausgehen und Identitätspolitiken überschreiten. Thema sind Formen und Strategien zwischen Solidarität, Inter-/Transnationalismus und Allianzenbildung sowie Ziele und Perspektive gemeinsamer politischer Kampffelder.