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Nicht für Jessica!

Ein Interview mit Renate Billeth (Öffentlichkeitsarbeit) und Amina Handke (Programmkoordination) von Okto

Franziska Maderthaner

Bildpunkt: Was war zuerst da, der Kanal oder das Logo?
A.H.:
Der Kanal. Wir haben Telekabel Kanal 8 bekommen und daraus den Namen und das Logo entwickelt.
R.B.:
Unsere Idee war auch einen Namen zu wählen, der nicht selbst schon so behaftet ist mit Inhalt, den man gar nicht mehr füllen kann. Okto bietet eben Projektionsmöglichkeiten. Der Slogan „Okto eckt an“ hat sich angeboten, weil er passt.

Bildpunkt: Und wie bekommt man eine Sendelizenz?
A.H.:
Man kann sich in Österreich für eine Lizenz bewerben und muss dabei bestimmten Kriterien entsprechen. Die Zulassung vergibt die Rundfunk- und Telekom Regulierungs Ges.m.b.H. Man muss sich unter anderem verpflichten zwei Stunden selbst produziertes Programm senden zu können. In der Form ist Okto sicher auch der erste freie Sender.
R.B.:
Okto ist ein wirkliches Community- Medium in diesem Stil und mit dieser Nicht- Kommerzialität sind wir sicher die Ersten.
A.H.: In Deutschland ist dieser so genannte dritte Mediensektor im Gegensatz zu Österreich im Gesetz festgeschrieben, das wurde nach dem 2. Weltkrieg festgelegt.
R.B.:
Wir sind ja rechtlich betrachtet kein dritter Sektor, auch wenn wir das vom Selbstverständnis her so sehen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen funktionieren nach dem Privatfernsehgesetz.
A.H.:
Damit hat ja auch Orange 94.0 lange gekämpft, mit diesem Fehlen der gesetzlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland ist auch die Finanzierung gesetzlich festgeschrieben. Da gibt es Umlageverfahren für die Rundfunkgebühren und ein bestimmter Prozentsatz wird auf offene Kanäle umgewidmet.

Bildpunkt:
Wie seid ihr finanziert?
R.B.:
Über eine Förderung von der Stadt Wien. Das war ja eines von mehreren rotgrünen Projekten, ein Projekt, dessen Umsetzung als wichtig für die Stadtkultur eingeschätzt wurde.
A.H.: Eines unserer Ziele in finanzieller Hinsicht ist aber auch die Beteiligung an Rundfunkgebühren in Österreich, also ähnlich dem deutschen Modell.

Bildpunkt: Müsst ihr eigentlich die Kameraleute, CutterInnen, etc. nach Kollektivvertrag bezahlen? Das ist – je nach öffentlicher Förderung, ja verschieden.
R.B.: Wir unterliegen keinem Kollektivvertrag. Wir sind Plattform und auf dieser Plattform gibt es mehrere Sendungen und Gruppierungen, die Fernsehen machen, die ja letztlich auch die Kamera bedienen, selbst schneiden, moderieren, etc. Bezahlte Arbeit bei Okto ist Struktur erhaltende Arbeit.

Bildpunkt: Ihr seid also nicht ProduzentInnen im klassischen Sinn?
A.H.:
Nein, eher HerausgeberInnen, Plattform. Wir sind die Infrastruktur, die es möglich macht. Mit unseren Ressourcen können eben die unterschiedlichsten ProduzentInnen arbeiten. Wir unterstützen sie nur dabei. Den Weg zur Sendung kann man auch gut auf unserer Website erfahren: www.okto.tv. Es gibt ein Programmteam mit dem man grundsätzlich in Kontakt treten kann, wenn man in irgendeiner Form eine Idee hat oder eine Sendung auch wirklich umsetzen will. Und dann folgen mehrere Schritte bis die Sendung wirklich auf Sendung geht.

Bildpunkt: Wie wird man ProduzentIn? Muss man eine Schulung machen?
A.H.:
Verpflichtend sind Workshops in Medien- und Urheberrecht und eine Einführung in die Strukturen von Okto. Es muss auf Grund der rechtlichen Lage für jede Sendung eine sendungsverantwortliche Per- son geben. Wir versuchen den Leuten einfach so gut es geht zu ermöglichen ihre Inhalte zu vermitteln, ohne dass sie dadurch Probleme bekommen. Dann gibt es noch ein Basis-Training „Gestaltung und Technik“.
R.B.: Die Schulungen in Kamera, Schnitt und Ton sind dann verpflichtend, wenn man unser Equipment gratis verwenden will.

Bildpunkt: Gibt es bei Okto Programmschienen?
A.H.: Das Programm besteht im Moment in erster Linie aus regelmäßigen Sendungen, die selbstständig von bestimmten Personen und Gruppen gemacht werden. Regelmäßig deswegen, damit sich überhaupt erstmal eine Struktur, eine Wiedererkennbarkeit, etablieren kann. Durch den Sendebeginn Ende November sind wir noch in einer Art Testphase. Es wird im Moment sehr viel ausprobiert. Die meisten ProduzentInnen machen monatlich eine halbstündige Sendung. Das ist vom Arbeitsaufwand her für viele gerade noch im Rahmen des Machbaren.

Bildpunkt: Eure Schwerpunkte?
A.H.: Kultur – ist zwar ein sehr labbriges Wort, aber ich würde es in dem Fall trotzdem behaupten. Sozialpolitische Inhalte, Minderheiten, Kunst, Film. Es gibt auch verschiedene Überlegungen zu Eigenproduktionen, die teilweise in verschiedenen Konzeptions- und Prozessphasen sind. Weiters Diskussionsund Nachrichtenformate, die es auch zulassen, dass Leute punktuell mitarbeiten können und wo es auch eine Redaktion gibt.

Bildpunkt: Gibt es so was wie Zensur bei Okto?
A.H.:
Es gibt Richtlinien, die sich auch sehr stark an die von Orange 94.0 anlehnen, da geht es um sexistische, rassistische, die Würde des Menschen verletzende Inhalte. Und es gibt ganz klare Vorgaben, was man laut Mediengesetz nicht tun darf. Es ist für uns sehr wichtig einen Schwerpunkt auf Themen und Personen zu setzen, die sonst nicht repräsentiert sind.

Bildpunkt: Taucht da nicht auch oft die Frage nach der Quote auf? Wer wirklich konsumiert nun Okto?
A.H.:
500 000 Haushalte in Wien können Okto empfangen. Für kommerzielle Medien ist die Quote sicher wichtig, wenn ich Werbezeit oder sonst was verkaufen will. Wir werden das von den ProduzentInnen auch permanent gefragt. Es ist auch das ein längerer Prozess des Kommunizieren und Bewusstmachens: Wie wird eigentlich operiert in anderen Medien und wo ist der Unterschied?

Bildpunkt: Wann wird man Okto via Internet empfangen können?
R.B.:
Der Livestream soll in diesem Quartal anlaufen. Das wird für die ProduzentInnen ein Quantensprung werden, weil man sie dann weltweit empfangen kann.
A.H.:
Wichtig ist, dass die einzelnen Sendungen ihre Zielgruppen erreichen. Man kann uns auch nicht mit ATV oder Puls TV vergleichen. Über Breite kann sich das Programm von Okto in dem Sinn nicht definieren.
R.B.:
PulsTV z. B. hat da eine ganz klar definierte Zielperson. Sie heißt Jessica, ist 31 und – ich glaube – Werbegrafikerin. Die Jessica gibt’s bei uns nicht, und die soll’s auch nicht geben. Eine ganz klar definierte Zielgruppenpersönlichkeit heißt ja auch nichts anderes als der Werbebranche zu verkaufen, dieses Marktsegment gibt es bei mir um diesen Preis.
A.H.:
Wir haben versucht Gruppen gezielt anzugehen und zum Fernsehmachen einzuladen. Gruppen, die sonst nicht von selber kommen. Was zumindest aus der internen Sicht schon bedingt hat, dass das Programm so vielfältig ist. Hätten wir das nicht gezielt gemacht, dann hätten wir jetzt zu 90% einen männlichen Studentensender.

Bildpunkt: Im Bereich Bildende Kunst, was gibt es da für Sendungen?
A.H.:
Es gibt kit – Kunst in town, Senf TV oder das Magazin K3. Und Play ist ein wöchentlich kuratiertes Magazin, in dem unmoderiert mit kurzen Zwischeninserts sehr interessante Kunstfilme und -videos laufen. Im Bereich Film gibt es Super-act, Film frei, Diagonale TV, Filmecke. Die Links zu den einzelnen Sendungen findet man auf der Website.

Bildpunkt: Sendet Okto 7 Tage die Woche?
A.H.: Ja. Von 11h vormittags bis 2h früh. Die Kernsendezeit ist Montag bis Freitag 20h bis 22h. Das ist die Zeit, in der die Sendungen erstmals ausgestrahlt werden. Danach werden sie im zeitversetzten Rotationsprinzip an den darauf folgenden Tagen wiederholt. So erreichen die Communities mit ihren Sendungen einfach mehr ZuseherInnen. Was wir ab April planen, sind Schwerpunktabende, zu denen, ähnlich wie bei arte, Leute oder Institutionen punktuell eingeladen werden, um mit Filmen, Kurzfilmen, Studiodiskussionen ein Thema zu gestalten.

Bildpunkt: Gibt es eine Lieblingssendung?
R.B.:
Für mich, als ehemalige koordinierende Redakteurin der an.schläge ist das an.schläge TV. Eine sehr schöne Sendung, die immer wieder mit null Budget und viel Arbeitszeit und Engagement gemacht wird.
A.H.: Spannend bei Okto ist ja auch, dass es ähnlich wie bei dem Format an.schläge TV immer wieder Magazine gibt, in denen verschiedene Themen Platz haben. Gettoisieren wollen wir nicht.


Renate Billeth ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei Okto und lebt in Wien.

Amina Handke ist Künstlerin und Programmkoordinatorin bei Okto und lebt in Wien.


Franziska Maderthaner ist Vorsitzende der IG Bildende Kunst.

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