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Abwehrstreik. Generalstreik. Hungerstreik. Massenstreik. Oktoberstreik. Solidaritätsstreik. Streikantrag. Streikaufruf. Streikdrohung. Streikfrage. Streikgegner. Streiklied. Streikposten. Streikrecht. Streiktag. Streikunterstützung. Streikzahlen. Streikziel. Streikzone. Sympathiestreik. Warnstreik.
Wessen Lebenszusammenhänge werden gedacht, wenn Streik ausgesprochen wird? Aus welchen Perspektiven, Haltungen und aus wessen Realitäten heraus? Wenn es so ist, dass es immer auch streikende Körper aus widerstreitenden Positionen sind, ist der Weg zum Streikbrecher des eigenen (?) Streiks in Sicht. Trotz Streikbeschluss und Streikabsicht könnte jede Streikmaßnahme eine Reproduktion ihrer selbst werden, unabhängig von der Streikdauer und den Streikmitteln. Es könnte auch ein Streik gegen uns selbst sein, wie immer häufiger beteuert wird. Kausal hergestellte Zusammenhänge, als Momente aus diskursiven Prozessen herausgegriffen, verschieben Ordnungs- und Gestaltungsmächte. Welcher Körper gehört jetzt der Belegschaft, welcher der Unternehmensführung und welcher der Gewerkschaft? Welcher mir selbst? Welcher dem Streik? Wie kann die Gestaltungsmacht über den eigenen Körper wieder erlangt werden. Ein vielleicht aussichtsloser Kampf, wenn nur auf einer Ebene sozialer Funktionszuschreibungen gehandelt wird. Das alte, zum Unwort gewordene, könnte neu belegt und gefüllt werden. Auch von den Aus- geschlossenen. Der Hungerstreik – ohne Streikantrag und Streikaufruf, ohne Streikrecht und Streikposten – als individualisierte Handlungsmöglichkeit, wird manchen oft als einzige Handlungskompetenz zugesprochen und zugleich abgesprochen. Mit Sonden und Infusionen. Mit Schlägen und Tod.
Wo bleibt die Solidarität – nicht die definitorisch vorbestimmte! – als notwendige Bedingung für eine Politik der Ausverhandlungen und Handlungen abseits strukturell vorgegebener Rahmen, abseits von Spaltungen in Körper und Arbeitende? Kann ein verunmöglichter Streik Solidaritäten bewirken, die nicht in Strukturen von Belegschaften oder Gewerkschaften enden, sondern diese sprengen und erweitern? Sich selbst und eigene Positionen und Haltungen benennen und kontextualisieren zu können, kann als Selbstverständlichkeit eines arbeitspolitischen Handelns angenommen werden. Wie weit kann die Kontrolle von Menschen und ihren Körpern durch die Bestimmung ihrer Umwelt, durch das Vorbestimmen ihrer Handlungen im Setzen von Rahmen, Verboten und Geboten, durch das Voraussagen ihrer Fähigkeit, rational zu sein oder nicht, gehen?
Es streiken Körper von MigrantInnen, Lesben und Schwarzen. Schwulen, Transgender und Studierenden. Von FeministInnen und MarxistInnen. Bisexuellen und AktivistInnen. Illegalisierten und Legalisierten. Es streiken Körper mit und ohne Privilegien und viele mit ein bisschen davon.
Vlatka Frketić beschäftigt sich mit queer politics im Antirassismus und lebt in Wien.
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