|
Pro Ausgabe wird der Titel des Schwerpunktthemas in einer anderen Schrifttype gesetzt. Aber diesmal sind es zwei Schriften, beide von Rudolf Koch: Koch-Fraktur oder Deutsche Schrift (1910) und Kabel (1926). Die Kabel ist eine der meist verbreiteten geometrischen (serifenlosen) Groteskschriften. Die (gebrochene) Fraktur ist die Schrift von Luthers „deutscher“ Bibel. Als Gegenstück zur lateinischen wurde sie dadurch zur „deutschen“ Schrift. Eine solche ist, nicht weniger als ein „deutscher Stil“, nichts anderes als eine nationalistische Konstruktion. Während Jan Tschichold (Vertreter der Neuen Typografie, 1928–33) die gebrochene Schrift als nationalistisch denunzierte, sprach sich Koch für die „deutsche“ Schrift als jene aus, die die Besonderheit des „deutschen Wesens“ repräsentiere. So entstand eine, der politischen extremen Rechten zugeordnete Schriftgruppe. Dies hinderte aber Adrian Frutiger (Univers, 1956) nicht daran, die Kabel von Rudolf Koch als „Prototype“ für alle nachfolgenden, serifenlosen Schriften zu bezeichnen. Tatsächlich ist es schwierig, Schriften politisch eindeutig zu kategorisieren.
|