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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

 

Dominik Hruza arbeitet als Künstler und Grafiker in Wien. In seinen Arbeiten nimmt er kritisch Bezug auf gesellschaftliche Entwicklungen und mediale Repräsentationen. Er zitiert und verfremdet Bildmaterial aus Mainstream und Massenmedien, immer wieder mit Hilfe von Collage-Techniken. Die Bildstrecke dieser Ausgabe des Bildpunkt ist eine Folge von Reflexionen zum Heftthema: Aufgrund einer der abgebildeten Titelseiten wurde der damalige Herausgeber der Zeitschrift profil, Hubertus Czernin, nach einer Verurteilung durch den Presserat gekündigt. Die Provokation, den Kopf des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen 1996 auf einen nackten Körper zu montieren, war dafür Majestätsbeleidigung genug. Vranitzky, dessen Klage der Kündigung vorausging, bezeichnete die Publikation der Fotomontage als „geschmacklos“ und als „Wegwerf-Journalismus“. Dominik Hruza stellt nun die Frage, bei welchem der Cover es sich tatsächlich um „geschmacklosen Wegwerfjournalismus“ handelt. Das Rückencover ist Teil der Arbeit „Biografía Completa“ (2006) von

Jorge de León, einer visuellen Bestandsaufnahme aller Tätowierungen, Narben und anderen Spuren seines Körpers in Form von Röntgenbildern. „Mein Leben ist auf meiner Haut aufgenommen“, sagt Jorge de León zu seinem biografischen Projekt. Er lebt und arbeitet als Künstler und Tätowierer in Guatemala Stadt, entwickelt und realisiert dort u. a. verschiedene Projekte mit marginalisierten Jugendlichen, wie beispielsweise murales (Wandbilder). Während einer Perfomance 2001 in Mexiko Stadt tätowierte er mit einfachsten Werkzeugen das Logo der Firma Nike in seine Füße. Er selbst meint dazu: „Menschen beuten einander aus, um einen Status durch eine Marke zu erreichen. Sie arbeiten Monat für Monat, um Geld zu sparen, um sich am Ende etwas Unnötiges zu leisten … Der Schmerz, diesen Status nicht zu erreichen, ist größer als jede Tätowierung … Ich will die Frage stellen, ob sich so viel tägliches Leiden wirklich auszahlt, um dann nur Scheiße zu kaufen.“ Das Plakat dieser Nummer ist diesmal von den Bildpunkt-Redaktionsmitgliedern

Eva Dertschei und Carlos Toledo. Sie leben und arbeiten in Wien (und einmal pro Jahr in Guatemala). Das Mittelposter reflektiert ihre Beschäftigung mit den sozialen Bedingungen von Migration und basiert auf Fotomaterial ihrer letzten Reise nach Guatemala. Die Fotomontage weckt in ihrer „illusorischen“ Überlappung „falsche“ Projektionen. Soziale Sicherheit westlicher Staaten oder Staatengemeinschaften basiert auf stark abgeschotteten und militarisierten Außengrenzen (wie auch an der Grenze zwischen Mittelamerika und Mexiko). Die Grenzen zwischen Arm und Reich in Ländern des peripheren Kapitalismus spielen sich hingegen unmittelbar im Landesinneren ab: an den Mauern, Gittern und hochtechnischen Stacheldrahtkonstruktionen, die Wohnhäuser, Geschäfte oder Industriegelände umgeben. Das Zitat bezieht sich auf den Schutz des eigenen Besitzes (und sei es nur der Traum davon) und ist einer der vielen Websites von lateinamerikanischen Sicherheitsfirmen entnommen.


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld,Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.