|
2004 auf Initiative von Fiftitu% in Linz gegründet, trifft sich die Bundesvernetzung kulturschaffender Frauen einmal im Jahr an einem Ort in Österreich. So hat sich Mitte Oktober diesen Jahres eine Gruppe von Frauen in Feldkirch zusammengefunden, um das vor allem auch für die soziale und finanzielle Absicherung von kulturschaffenden Frauen zu diskutierende Grundeinkommen zu thematisieren, was in Form einer Podiumsdiskussion geschah und viele Anregungen brachte. Nicht zuletzt in der an das Treffen anschließenden Diskussion auf der Mailingliste der Bundesvernetzung wurden auch Argumente gegen die Einführung eines Grundeinkommens vorgebracht – so meinte etwa Andrea Mayer-Edoloeyi von Fiftitu%, dass gerade die „Partizipation an der Erwerbsarbeit für Frauen ein ganz entscheidender Schritt für mehr Selbstbestimmung war“ und sie diese durch ein bedingungsloses Grundeinkommens gefährdet sieht.
Im Tags darauf anschließenden Arbeitstreffen wurde relativ rasch eine Übereinkunft darüber erzielt, den Forderungskatalog von 2004 zu aktualisieren, um der gesellschaftspolitischen und sozialen Entwicklung der letzten Jahre Rechnung zu tragen. Zum Punkt Existenzsicherung bzw. Grundeinkommen formulierte Daniela Koweindl von der IG Bildende Kunst den Satz: „Existenzsicherung muss auch unabhängig von Erwerbsarbeit gewährleistet sein – ohne Bedingungen und für alle.“ Die Themen, die überarbeitet wurden, umfassen darüber hinaus die Bereiche Förderungen, Förderberichte, Parität, Kultureinrichtungen der öffentlichen Hand, Existenzsicherung, Freiheit der Kunst bzw. Bleiberecht für alle, Aus- und Weiterbildung und Vernetzung.
Kein Konsens wurde bisher erzielt über die Einbeziehung „queerer Forderungen“ in den Katalog „anderer feministischer und antidiskriminatorischer Positionen“.[1] Einerseits wird durch die Absage an das (biologische) „Geschlecht“ eine Beliebigkeit, eine Aufweichung der feministischen politischen Forderungen befürchtet, ein Verlust eines gemeinsamen „Frauen Wir“. Auf der anderen Seite haben gerade die „queeren Forderungen“ sich in ihrer radikalen Gesellschaftskritik gegen Heterosexualität als Herrschaftssystem (weiß, hetero als unmarkiertes Zentrum, als Norm), gegen die etablierten Geschlechterund Sexualitätsordnung gewandt und sich eingesetzt für die Durchsetzung gleicher Rechte unabhängig von herrschenden Geschlechtszuschreibungen oder sexuellen Praxen. Nach wie vor unumstritten ist aber die Schlussforderung des Katalogs von 2004: Das Frauenvolksbegehren, das auch nach knapp 10 Jahren nicht an Bedeutung verloren hat, muss umgesetzt werden.
Nach eingehender Diskussion – über die Mailingliste – ist das Ziel, die Forderungen der neuen Frauenministerin bzw. Bundesregierung vorzulegen. Der erarbeitete Vorschlag kann über die Mailingliste bestellt werden und ist bislang auch über die Homepage der IG Kultur Vorarlberg einzusehen: www.igkultur-vbg.at. Das nächste Bundesvernetzungstreffen ist für Oktober 2007 in Wien geplant.
Sabine Benzer, IG Kultur Vorarlberg (www.igkultur-vbg.at)
www.frauenkultur.at vernetzung@frauenkultur.at (Mailinglist) www.fiftitu.at www.renner-institut.at/frauenakademie/ volksbg/frauenvbg.htm
[1] Siehe z. B. Yo Taubert, Go Drag! GenderQueer – Voices from beyond the sexual binary, S. 83, in: Sabine Benzer (Hg.), Creating the Change, Beiträge zu Theorie & Praxis von Frauenförder- und Gleichbehandlungsmaßnahmen im Kulturbereich, Wien 2006.
|