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Katrina Daschners künstlerische Produktion nimmt queerfeministische Positionen ein. Die Bildstrecke dieser Ausgabe des Bildpunkt zeigt Ausschnitte aus der Dokumentation eines Tätowierungsvorganges an ihrem eigenen Körper: Auf die Unterseite ihres Armes werden mit der Nadel die Worte „Dem Körper sind Macht und Gewalt eintätowiert“ geschrieben. Der Schriftzug – in Courier Schrift ist ca. 20 cm lang. Aus dem Video, das während der Tätowierung gedreht wurde, hat Katrina Daschner Stills ausgewählt, die den Prozess zeigen, in dem der Satz langsam entsteht. Als konkrete Auseinandersetzung mit dem Thema des Heftes wird hier die Performativität der Gewalterfahrung am Körper zum Thema gemacht. Darüber hinaus aktualisiert Katrina Daschner die wiederkehrende Frage nach der Zeitlichkeit von „Performances“. Ist die Performance die Idee, der Akt des Tätowierens oder die Zeit, mit der die Künstlerin damit herumläuft, sprich ihr Leben lang?
Carlos Perez ist Maler und studiert an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Seine Arbeit für das Rückencover dieses Heftes beschäftigt sich mit der systematischen Ermordung der „Marer@s“ in Guatemala. Zehn Jahre nach Ende des Bürgerkrieges und der Legalisierung der linken Guerilla zu einer Partei, sind die Perspektiven für eine soziale Umwälzung in Guatemala klein. Urbanisierung und Anbindung an die Welt ist für viele Jugendliche (und war für Carlos Perez, der im mehrheitlich ländlichen, indigenen und verarmten Guatemala aufwuchs) nur über die „Maras“ (Gangs) in der Großstadt möglich. Sie sehen in diesen eine neue Form von Rebellion gegen die bürgerliche Ordnung und ihre Sicherheitskräfte. Die „Kriminalität“, von „Bandenkriegen“ bis zu „sozialen Säuberungen“, forderte über 5 000 Tote im Jahr 2005 – in einem Land von 14 Millionen EinwohnerInnen. Perez’ Arbeit ist in diesem Zusammenhang auch als Mahnung gegenüber europäischen Ausblendungen und westlicher Ignoranz zu verstehen. Handzeichen und Tätowierungen, Graffiti und Slang, Gesten und Kleidung der „Marer@s“ sind eine neue Sprache, die im neoliberalen Guatemala nicht mehr wegzudenken ist. „Solange es Klassen gibt, gibt es die Maras“, sagt Carlos Perez.
In zahlreichen Arbeiten beschäftigt sich Marko Lulić mit der Konstruktion von Geschichte und Ideologie im Raum, mit Denkmälern und Architekturen, oft in Form von Nachbauten. Für das Mittelposter hat er zwei Fotos aus der Serie Reactivation (Circulation in Space) in einen neuen Zusammenhang gestellt. Die Serie nimmt im wörtlichen Sinne Bezug auf den Titel einer Skulptur von Vojin Bakic, Circulation in Space, aus dem Jahre 1971, die im Skulpturengarten des Museums für Gegenwartskunst in Belgrad steht. In einer fotografierten Performance (97 Fotos) führt Marko Lulić eine Bandbreite von Positionen und Bewegungen vor, die von sportlich bis clownesk reichen und die an Kriegerdenkmäler genauso erinnern wie an Körperhaltungen von Performances der 1970er Jahre.Lulić geht hier ähnlich wie bei den Nachbauten vor. Auch hier geht es um das „Nach-“. Der Prozess des Abtastens, der bei den installativen Bezugnahmen Lulićs auch als erster Arbeitsschritt unabdingbar ist, wird hier wörtlich umgesetzt.
Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.
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