|
Für die Bildstrecke dieser Ausgabe des Bildpunkt geht Patricia Reschenbach an den Titel „Orte der Kritik“ wörtlich heran. Die etymologische Beschäftigung mit der griechischen Herkunft des Wortes kritein – sichten, sehen, trennen, zerlegen, unterscheiden, entscheiden, beurteilen – führte sie in die Werkstatt eines Uhrmachers. So zeigt sie Bilder bei der Arbeit. Die Aufnahmen der Werkstatt und des Handwerks, die Genauigkeit, die Arbeit des Zer-legens kommentieren das Thema und durchbrechen bewusst die gängige gesellschaftliche Differenzierung zwischen Handarbeit und Kopfarbeit. Patricia Reschenbach ist Kunstpädagogin und Künstlerin.
Das Rückencover für diese Ausgabe gestaltete Kristina Haider. Darin setzt sie sich mit den Strukturen der Räume auseinander, in denen Kritik geübt wird. Sie analysiert, inwieweit diese selbst auch die Strukturen herausbilden und produzieren, die der Kritik zu Grunde liegen und diese ständig auch definieren. Dabei geht es auch um Verantwortung, die gegenüber der Kritik geleistet werden muss, damit sie erfassbar – im Sinne von umsetzbar – ist und bleibt. Kristina Haider ist Künstlerin und lebt und arbeitet in Wien. Seit 2000 ist sie Mitherausgeberin von Die Weisse Blatt. Zeitschrift für Kunst und Politik.
In ihren Arbeiten entwickelt Anja Salomonowitz eine Bildsprache zwischen Dokumentation, Erzählung und Forderung im konkreten Bezug auf gesellschaftliche und politische Verhältnisse. Sie lebt als Filmemacherin in Wien. Ihr Kamerablick verhandelt mit der Realität, die er aufnimmt, produziert und dabei in Frage stellt. Für das Mittelposter hat sie das leere Nachrichtenstudio des ORF in der Nacht fotografiert: Die Fernsehkulisse, vor der allabendlich über das entschieden wird, was wir über die Welt erfahren und damit in gewisser Weise darüber, was öffentlich politisch und sozial existiert. Über das Fernsehen schreibt Pierre Bourdieu, dass es paradoxerweise verstecken kann, indem es zeigt: „Es entscheidet darüber was sichtbar wird und was unsichtbar bleibt. Es ist ein Instrument zur Schaffung von Realität.“ Im Hintergrund und vor dem Hintergrund der Kulisse findet Parteilichkeit und politische Einflussnahme statt. Kritik, die den Möglichkeitsspielraum des nationalen Konsenses unter schwarz-oranger Regierung verlässt, wird ausgeschlossen. Dass es im richtigen Leben nicht so leicht ist, im staatlichen Rundfunk hinter die Kulissen zu schauen, das haben wir alle schon mal gehört.
Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.
|