Heft Winter 2006/2007Populäre Provokationen
Von Dada bis Punk gehörte sie zum Standardrepertoire der emanzipatorischen Mittel in Kunst und Popkultur, auch SituationistInnen und AktionistInnen bedienten sich ihrer gut und gerne: Die Provokation. Taucht das Wort hingegen heute auf, ist Vorsicht geboten: Ähnlich wie die Bezeichnungen „Tabubruch“ oder „Querdenker“ zeigt es eher etwas anderes an als emanzipatorische Strategien. In der Regel schwingen sich konservativ motivierte (nicht selten ex-linke) Antifeministen und Antisemiten dazu auf, gegen die angeblich übertriebene „political correctness“ mobil zu machen, die ihrer Meinung nach das gesamte kulturelle Feld eingenommen hat und den freien Ausdruck knebelt. (Diedrich Diederichsen hat das Vorgehen dieser Anti-PC-Fraktion eindrucksvoll geschildert: „Politische Korrekturen“, Köln 1996). Es stellt sich also nicht nur die Frage, was heute noch wen provozieren kann. Sondern eher die, ob Provokation überhaupt noch eine brauchbare Taktik sein kann und was Bedingungen ihrer Möglichkeit wären – sicherlich auch eine Frage nach gesellschaftlichen Hegemonien. |
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