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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2006/2007

Populäre Provokationen

Von Dada bis Punk gehörte sie zum Standardrepertoire der emanzipatorischen Mittel in Kunst und Popkultur, auch SituationistInnen und AktionistInnen bedienten sich ihrer gut und gerne: Die Provokation. Taucht das Wort hingegen heute auf, ist Vorsicht geboten: Ähnlich wie die Bezeichnungen „Tabubruch“ oder „Querdenker“ zeigt es eher etwas anderes an als emanzipatorische Strategien. In der Regel schwingen sich konservativ motivierte (nicht selten ex-linke) Antifeministen und Antisemiten dazu auf, gegen die angeblich übertriebene „political correctness“ mobil zu machen, die ihrer Meinung nach das gesamte kulturelle Feld eingenommen hat und den freien Ausdruck knebelt. (Diedrich Diederichsen hat das Vorgehen dieser Anti-PC-Fraktion eindrucksvoll geschildert: „Politische Korrekturen“, Köln 1996).

Es stellt sich also nicht nur die Frage, was heute noch wen provozieren kann. Sondern eher die, ob Provokation überhaupt noch eine brauchbare Taktik sein kann und was Bedingungen ihrer Möglichkeit wären – sicherlich auch eine Frage nach gesellschaftlichen Hegemonien.


Heft Herbst 2006

Orte der Kritik

Nicht erst seit bestehen der Generali Foundation Wien ist zu beobachten, dass gesellschaftskritische Positionen in der Kunst – vom linken Flügel der conceptual art bis zur Institutionskritik – immer wieder gerade an besonders heiklen Orten stattfindet: Der Kunstverein einer Versicherung ist dabei nur ein Beispiel von vielen. An diesen Orten ist Fundamentalkritik nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht – und verliert so zwangsweise einen Teil ihrer Funktion (bzw. sie geht in andere Funktionen über). „Orte der Kritik“ soll also Orte für Subversionen aller Art als „kritisch“ (im Sinne von heikel, kritikwürdig) ausmachen und bestimmte, Kritik absorbierende Praktiken kritisieren. Andererseits muss aber auch gefragt werden, ob nicht auch die eher traditionellen Orte der Kritik, also die, an denen Kritik gemeinhin stattfindet (Straße, Barrio/Kiez, Akademia) an Wirksamkeit eingebüßt haben.


Heft Sommer 2006

Performance Performance

Als künstlerische Technik und kunsthistorisches Genre ist die Performance seit den 1960er Jahren aus der Kunstproduktion nicht wegzudenken. Der Gedanke der tätigen Herstellung von Zusammenhängen, Situationen und Räumen hat seit den 1990er Jahren auch die gesellschaftstheoretischen Debatten geprägt, die wiederum zurück wirken auf den künstlerischen Diskurs. Dabei sind nicht selten die Ebenen durcheinander geraten: Galt den einen eine gute Performance schon als revolutionäre Tat, wandten sich andere vom cultural turn völlig ab und zogen sich auf das utopische Potenzial ästhetischer Ausdruckskraft zurück. Die Frage aber bleibt: Was geht? Lässt sich einerseits das Potenzial kultureller Produktionen im Hinblick auf gesellschaftliche Transformationen neu ausloten, kann andererseits der Zwangscharakter der Performanz – man kann förmlich nicht nicht performen – nicht undiskutiert bleiben.


Heft Frühjahr 2006

Streik!

Potenziale des Streiks in Zeiten seiner Verunmöglichung: Prekäre Arbeitsverhältnisse werfen auch die Frage nach Möglichkeiten der Durchsetzung von Interessen neu auf. Büßt in Zeiten, in denen Subjekte sich gemäß der neoliberalen Doktrin als „UnternehmerInnen ihrer selbst“ begreifen sollen, der Streik als ein klassisches Mittel sozialer Kämpfe an Effektivität ein? Droht Streik gar kontraproduktiv zu werden? Doch Arbeitsniederlegung und Verweigerung waren immer schon auch Taktiken und Praktiken jener Gruppen, die keinen oder nur bedingt Zugang zu Produktionsmitteln besaßen: Frauen, MigrantInnen oder auch KünstlerInnen. Den Potenzialen des Streiks zwischen Arbeitskampf, Subversion und Konformität widmet sich diese Ausgabe des Bildpunkt.