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Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

 

Die in Sofia geborene Mandarina Brausewetter, Gründerin des Designlabels The Hot Dogs lebt und arbeit seit 1990 in Wien. Ihre künstlerische Arbeit spielt mit den Gesetzmäßigkeiten medialer Allmacht und wahrgenommener Realität. Dabei nutzt sie den öffentlichen (unkuratierten) Raum und entzieht sich den offiziellen Regeln produzierter erweiterter Sichtbarkeit. Die Bildstrecke für dieses Heft zeigt Beispiele von Raumergreifung. Ob via Spray, Druck oder Mode arbeitet sie medial bewusst beliebig. Sie propagiert die geistige Inbesitznahme des unmittelbaren Lebensraumes und bekämpft damit die durchdesignten räumlichen Legalitäten. Fotos: www.kurtprinz.org

Andreas Fogarasi ist Künstler und Mitarbeiter von dérive. Zeitschrift für Stadtforschung. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich häufig mit der Bildwerdung von Orten und Räumen und mit Mustern stadtplanerischer Inszenierung. In seinem Beitrag für das Rückencover dieser Ausgabe überlagern sich vier Bilder: Zwei davon hat er 2005 am Schwarzenbergplatz fotografiert. Eines zeigt die Innenansicht eines großen Zeltes, das für eine Veranstaltung am Platz aufgebaut wurde und die beim letzten Umbau des Schwarzenbergplatzes geschaffene, große Freifläche okkupiert. Im Hintergrund sieht man den Hochstrahlbrunnen leuchten. Das zweite Foto zeigt den Abriss des Steyr-Daimler-Puch-Hauses, das (1958 gebaut) eines der nicht allzu zahlreichen Beispiele repräsentativer Architektur der Nachkriegszeit darstellte, an prominenter Stelle im Stadtbild moderat moderne Architektur als Abbild technischer Industrie. Die Deckenbeleuchtung des Autovaz-Kulturpalastes in der russischen Lada-Stadt Togliatti hat einerseits ganz konkrete Bezüge (UdSSR, Autoindustrie), andererseits gibt es, wie auch beim farbig leuchtenden Hochstrahlbrunnen oder der aktuellen LED-Licht- Markierung des Schwarzenbergplatzes einen geradezu archaischen Glauben an die hypnotische Wirkung von Licht. Als vierter Layer taucht schließlich das Logo der Stadt Erlangen auf, als modernistische grafische Repräsentation einer möglichen lokalen Identität.

Dem K-Duo Bratić/Ferkl geht es um politische Interventionen. Mit der Plakatserie Kolarić verfolgen sie weder analytisch-diskursive Strategien noch solche der Provokation. Sie wollen nicht ergründen, nichts aufzeigen und auch nicht beleidigen. Vielmehr geht es hier um die Konstitution von Subjektivitäten: um die Herstellung eines politischen Subjekts. Das Mittelposter stellt die Nummer IV der Kolarić-Serie dar. Diese beschäftigt sich mit der Subjektivierung einer fiktiven männlichen und migrantisch konotierten Person, die das viel zitierte Objekt einer Werbekampagne im Auftrag der „Aktion Mitmensch der Werbewirtschaft Österreich“ Mitte der 1970er Jahre war: Die Figur Kolarić ist nun gerade dabei, das mittlere Alter zu erreichen. Jetzt, wo er Subjekt wird, kann Kolarić sich überhaupt nicht mit dem anfreunden, was er auf dieser Welt vorfindet. Also startet er in Richtung gesellschaftlicher Veränderung: Nicht seine Interessen verfolgend, sondern mit der Absicht, die Gesamtheit so einzurichten, dass alle zum Subjekt und niemand mehr unwillentlich zum Objekt – egal wessen Begehren – werden darf.


Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.