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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Bildpolitiken im Bildpunkt

Editorial

Möglicherweise ist das irreführend: Der Punkt hinter dem Bild im Titel dieser Zeitschrift signalisiert eine Abgeschlossenheit, die wir mit dem neuen Konzept gerade hinterfragen wollen. Bild – Punkt, Basta, alles klar!? Eben nicht. Als Publikation, die sich u.a. an die ProduzentInnen von Bildern richtet, stellt sich für uns konkret die Frage: Welchen Stellenwert haben die Bilder neben dem Text? Die Antworten darauf dürfen nicht allein technischpraktische sein. Sie ziehen vielmehr weitere Fragen nach sich. Denn nicht nur die Bilder sind neben, über oder unter den Text zu platzieren. Auch das Produzieren einer Zeitung hat sich zu verorten, findet in gesellschaftlichen, politischen, ästhetischen und anderen Kontexten statt. In diesem manchmal als Öffentlichkeit bezeichneten Raum fragt sich ganz allgemein: Welchen Stellenwert haben Bilder überhaupt? Wer macht sie wofür, wozu werden sie eingesetzt und zu wem sprechen sie was? Fragen über Fragen, die das Schwerpunktthema dieser ersten Nummer des relaunchten Bildpunkt bestimmen: Bildpolitiken. Denn dass die Produktion von Bildern nicht im politikfreien Raum entsteht, davon gehen wir aus. Ist deshalb aber jedes Bild auch Politik? Was Bildpolitiken sein können, dieser Frage widmen sich alle Beiträge dieser Ausgabe. Eine Begriffsklärung wird in einem einleitenden Artikel versucht, mit ihrem Verhältnis zur Realität befasst sich der Text von Andreas Spiegl. Konkret auf dieses Heft bezogen stellt sandy k. die Frage nach Bildproduktion als politischer Praxis. Gerade weil Bilder immer vieldeutig sind, lassen sie sich für alles Mögliche einsetzen. Wie dies geschieht, macht Tom Holert am Beispiel der Bebilderung eines Newsweek-Artikels deutlich. Was sich dabei zeigt ist, dass Bilder mit Macht zu tun haben und, dass vorgefertigte Bilder Menschen zu dem machen können, was sie sind. Die Schwierigkeiten, sich dagegen zu weh- ren und möglicherweise eigene Bilder zu entwerfen, diskutieren die Aktivistin Araba Johnston-Arthur und die Küntslerin Jo Schmeiser in dem Gespräch, das die Redaktion mit ihnen geführt hat. Und um Gegenbilder, mögliche oder misslungene Gegenentwürfe gegen zuschreibende, unterdrückende Bilderregime geht es auch im Text von Hito Steyerl. Sie untersucht die Bilder, die innerhalb von sozialen Bewegungen ausdrücklich als Gegenbilder produziert werden – und beschreibt das Scheitern dieser Strategien an zwei Beispielen aus globalisierungskritischen Zusammenhängen.

Neben den Texten zum Themenschwerpunkt ist – davon unabhängig – der Heftinnenteil Kulturpolitiken und IG Bildende Kunst Interna gewidmet. Nach Antworten auf die eingangs gestellten Fragen nach dem Stellenwert der Bilder haben wir aber nicht nur in den geschriebenen Beiträgen gesucht, sondern auch in der graphischen Umsetzung des Heftes. Neben der Zeitungsgestaltung durch Toledo i Dertschei sind drei künstlerische Positionen in Form der Bildstrecke (Petja Dimitrova), des Posters (sandy k.) und der Rückseite (Ulrike Müller) vertreten. Ähnlich wie die AutorInnen dieser Nummer – TheoretikerInnen, KünstlerInnen und AktivistInnen, Bekanntere und noch Kennenzulernende – wurden auch die KünstlerInnen direkt von der Redaktion angesprochen und zum Themenschwerpunkt des Heftes angefragt, ob sie sich an diesem Projekt beteiligen wollen. So werden wir es auch in Zukunft halten und hoffen, vergleichbar gute Ergebnisse dabei zu zeitigen. Und damit vielleicht etwas weniger in die Irre zu führen als – im produktiven Sinne – zu irritieren.


Jens Kastner, Koordinierender Redakteur