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Bildpolitiken im Buch

Jens Kastner

Große Einigkeit in den Veröffentlichungen zum Themenkomplex Bild und Politik herrscht vor allem darüber, dass Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft ihr analytisches Monopol auf das Bild verloren haben. Weniger als eine Betrachterdemokratie entstehen dadurch zunächst aber neue wissenschaftliche Ansätze.

Der Verknüpfung von Bildern und Macht hat sich das Bonner Haus der Geschichte angenommen. Der Katalog zur Ausstellung im letzten Jahr ist aber kein theoretisches Werk. Eher ein nettes Bilderbuch zur deutschen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Bilder und Macht präsentiert beide durchweg in einem instrumentellen Verhältnis: „Wer über die Bilder verfügt, hat den Schlüssel zur Macht“ (Jürgen Reiche). Und wer als PolitikerIn keine produziert, verliert sie. Abgesehen davon, dass Macht als ein Verhältnis statt als Besitz verstanden werden müsste, und Politik sich sicherlich nicht auf das beschränken lässt, was „die PolitikerInnen“ tun, muss doch auch die Neutralität der Bilder in Frage gestellt werden: Sind sie denn unbeschriebene Blätter, die für jeden (politischen) Zweck beschrieben bzw. bemalt oder belichtet werden können?

Tom Holert weist in dem von ihm herausgegebenen Band darauf hin, dass eine kritische Herangehensweise an die Bilder nicht umhin kann, „ihre Beteiligung an Praktiken der Willens- und Wissensbildung“ zu untersuchen. Das erste deutschsprachige Standardwerk zu den Visual Studies versammelt Aufsätze und Interviews, die vor allem kulturwissenschaftlich und politisch an die Fragen herangehen, wer oder was welche Bilder wohin steuert.

Was es eigentlich mit dem Iconic Turn auf sich hat, stellt das von Christa Maar und Hubert Burda herausgegebene Buch anhand einer Fülle von Aufsätzen namhafter AutorInnen dar. Das gemeinsame Credo der neuen Bildwissenschaften fasst Horst Bredekamp in der Behauptung zusammen, dass „Bilder keine Illustrationen sind“. Sie seien eine eigengewichtige Instanz in der Hermeneutik und böten eine eigengesetzliche Semantik, also erforderten sie auch eine eigene, freilich interdisziplinäre Wissenschaft. Auch künstlerische Positionen mit der Vorstellung vom Kunstwerk als „Übertragung des inneren Bildes in ein äußeres“ (Bill Viola) sind neben medien-, kunst- und kulturwissenschaftlichen Texten repräsentiert.

Dafür, Bilder nicht als Abbilder zu interpretieren, plädiert auch Klaus Sachs-Hombach in seinem Grundlagenwerk. Bilder seien vielmehr „wahrnehmungsnahe Zeichen“. Zu ihrer Analyse müssten daher vor allem semiotische und wahrnehmungstheoretische Modelle herangezogen werden. Dies tut der Autor und entwickelt ausführlich Elemente einer Bildtheorie. Hinsichtlich der politischen Funktion der Bilder macht Sachs-Hombach auf eine vielleicht nicht übermäßig überraschende, aber wichtige Ambivalenz aufmerksam: Bilder können sowohl manipulierend als auch sinnstiftend wirken.


Jens Kastner ist Soziologe und Kunsthistoriker und lebt als freier Autor in Wien. Er ist koordinierender Redakteur des Bildpunkt.


Holert, Tom (Hg.): Imageneering. Visuelle Kultur und Politik der Sichtbarkeit. Köln 2000, Oktagon Verlag, 199 S., 24,80 €.

Maar, Christa und Hubert Burda (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder. Köln 2004, DuMont Kunst und Literatur Verlag, 452 S., 24,90 €.

Sachs-Hombach, Klaus: Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. Köln 2003, Herbert von Halem Verlag, 365 S., 26 €.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.): Bilder und Macht im 20. Jahrhundert. Bielefeld 2004, Kerber Verlag, 158 S., 19,90 €.