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Bildpolitiken, Machtspiele und mangelnder Wille

Für die Wiener Linien offenbar kein Thema: Rassismus in öffentlichen Verkehrsmitteln und anderswo

Beatrice Achaleke

Migrantinnen im Allgemeinen und schwarze Frauen im Speziellen bilden eine Gruppe in der österreichischen Gesellschaft, die auf dem Weg zu einer politischen Positionierung noch intensive und gezielte Sensibilisierungen zu leisten haben. Das gilt sowohl für die allgemeine Öffentlichkeit als auch in Bezug auf öffentliche Einrichtungen und Institutionen. Die geplante Beteiligung des Vereins Schwarze Frauen Community (SFC)[1] an dem Projekt Arbeiten gegen Rassismen[2] diente genau diesem Ziel. Im Rahmen dieses Projekts wurde die Schwarze Frauen Community (SFC) von den InitiatorInnen eingeladen, gemeinsam mit anderen KünstlerInnen und AktivistInnen in Wien eine Plakataktion mit politischen Inhalten zu gestalten. Wir von der SFC freuten uns riesig über diese Möglichkeit, öffentliche Räumen zu erobern und zu politisieren. Insbesondere freute ich mich darüber, im öffentlichen Raum (Straßenbahn Linie D, Citylights und Litfaßsäulen in Wien) unsere Anliegen – nicht zuletzt als sehr aktive Nutzerinnen der öffentlichen Verkehrmittel – an eine breite Öffentlichkeit zu bringen. Da die öffentlichen Verkehrsmittel für alle, unabhängig von Aussehen, Herkunft, Sozialstand, Religion, Weltanschauungen etc. ohne jegliche Einschränkungen zugänglich sind, sollte es doch selbstverständlich sein, dass die Wiener Linien unser Anliegen auch unterstützen würden. Ich freute mich umso mehr gerade deshalb, weil anders aussehende Menschen, insbesondere schwarze Menschen, täglich mit rassistischen Angriffen konfrontiert sind – gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Konkret wollten wir (SFC) spezielle Forderungen von schwarzen Frauen, resultierend aus Diskussionen im Rahmen der von der SFC organisierten „1. Bundestagung schwarzer Frauen in Österreich“ (September 2004), an die dafür zuständigen Entscheidungs- trägerInnen übermitteln und u.a. auf Werbeflächen auf und in Straßenbahnzügen präsentieren. Gleichzeitig sollten dadurch schwarze Frauen und deren Anliegen sichtbar gemacht werden. Wir fanden eine Projektentwicklung in diesem Zusammenhang nicht nur mit dem Fonds für Kunst im öffentlichen Raum Wien, sondern auch mit den Wiener Linien als öffentliche Einrichtung sehr spannend, denn diese bedeutete für uns die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus aus unserer und ihren Perspektiven: Eine Möglichkeit für die Wiener Linien, politisch Stellung zu beziehen, indem sie die Forderungen von schwarzen Frauen unterstützen. Abgesehen davon, dass diese Zusammenarbeit eine Art Revolution bedeutet hätte, hätte die Kombination Wiener Linien – SFC Arbeiten gegen Rassismen einen bedeutenden Beitrag zu Anti-Rassismus und Minderheitenpolitik in Österreich geleistet. Eine Debatte hätte dadurch ausgelöst werden können, die vor allem in Zeiten wie diesen (kurz vor den Wiener Gemeinderatswahlen) interessant und spannend gewesen wäre. Auch hätte die Realisierung der Forderungen der SFC auf der Straßenbahn Linie D zweifellos viel dazu beigetragen, das meist negative und vorurteilbehaftete Bild von schwarzen Menschen (wie Medien und Politik es darstellen) im positiven Sinn zu verändern; denn durch dieses Projekt wollten wir vorgegebene bzw. vorgeschriebene Bilder vor allem von schwarzen Frauen durch Selbstbilder ersetzen.

Die Firma Gewista, die die Werbeflächen auf und in den öffentlichen Verkehrsmitteln verwaltet, teilte den InitiatorInnen mit, das Projekt könne so nicht umgesetzt werden, nachdem wir unsere Vorschläge vorgelegt hatten. Sie seien „nicht geeignet, an den Fahrzeugen der Wiener Linien angebracht zu werden“. Nicht, dass wir wegen der Absage der Wiener Linien im letzten Moment unsichtbar geworden sind, ganz im Gegenteil, das Presseecho und das allgemeine Interesse waren sehr groß. Schließlich waren einen Monat lang dennoch alle Plakate, die wir gemeinsam mit dem Künstlerinnenkollektiv Klub Zwei (Simone Bader und Jo Schmeiser) erarbeitet hatten, zu sehen – nämlich auf Werbeflächen entlang (!) der Straßenbahnlinie D, anstatt (wie ursprünglich geplant) auf und in den Straßenbahnzügen selbst. Nicht einmal die negativen und zum Teil rassistischen Meldungen im LeserInnenforum von Standard- online bzw. auf der SFC-Homepage haben der positiven Wirkung der Aktion geschadet. Auch Drohmails bzw. Beschimpfungen bekamen wir, leider von anonymen bzw. nicht real existierenden AbsenderInnen. Leider deshalb, weil wir gern bereit gewesen wären, uns auch mit solchen auszutauschen, die andere Meinungen vertreten als wir.

Rückblickend ist es mir persönlich unklar, was die Wiener Linien an unseren Forderungen so gestört haben könnte. Unsere Forderungen transportierten weder pornografische noch gefährliche Inhalte. „Österreich braucht ein Anti-Diskriminierungsgesetz!“ zum Beispiel kann unmöglich für die Wiener Linien untragbar gewesen sein. Es kann sich nur um einen Irrtum handeln, denn Anti-Diskriminierungsgesetze werden bereits in den meistens EU Ländern umgesetzt. Lag es gar daran, dass sie nicht wahr haben wollen, dass wir schwarze Frauen „kompetente Arbeitnehmerinnen“ sind und deshalb „Zugang zum Arbeitsmarkt“ „fordern“? Auch an der Forderung „Schafft das Ausländerbeschäftigungsgesetz endlich ab!“ konnte es also nicht liegen, oder? Jedenfalls lassen wir uns durch diese „Nicht-Realisierung“ von unseren Forderungen nicht abhalten und auch nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil, wir erkennen darin viel Arbeit, die wir noch leisten müssen, um unseren Platz in unserer Heimat Österreich zu finden. Wir sind hier und wir bleiben hier. Zudem haben wir jede Menge Kraft, Mut und die Bereitschaft, Österreich aktiv mitzugestalten. Es stellt sich für uns nur die Frage, ob Österreich bereit ist.

In meinen Augen haben die Wiener Linien die Gelegenheit verpasst, ein Zeichen gegen die zahlreichen rassistischen Angriffe in U-Bahn- und Straßenbahn-Bereichen zu setzen. Sie haben es verabsäumt, uns anders aussehende Nutzerinnen der öffentlichen Verkehrsmittel zu überzeugen, dass sie ein weltoffener Betrieb sind, der bemüht ist, Vielfalt zu respektieren und sich für Rechte und Gerechtigkeit einzusetzen. Gerade deshalb bieten wir den Wiener Linien gerne ein kostenloses Sensibilisierungsseminar zum Umgang mit sichtbaren Minderheiten an. Gutschein jederzeit einlösbar.


Beatrice Achaleke ist Mitbegründerin und Obfrau des Vereins Schwarze Frauen Community. Sie ist seit Jahren in der Erwachsenenbildung und in entwicklungspolitischen, anti-rassistischen und Migrationsbereichen tätig. Sie ist Obfrau von ENARA – European Network against Racism Austria.


[1] Die SFC ist eine Selbstorganisation von schwarzen Frauen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Kultur, Sozialisation, Religion, Hautfarbe, Sprache, Weltanschauung, Lebensweise etc. SFC-Frauen verbindet die Erfahrung mit Rassismus und Sexismus, sowie verschiedenen Formen von Diskriminierungen, Vorurteilen und Ausgrenzung. Ziel der SFC ist es, durch verschiedene Maßnahmen das Selbst-Empowerment, das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung von schwarzen Frauen sowie die Stärkung ihrer Handlungskompetenzen zu fördern. Der Verein wurde in Oktober 2003 nach dem tragischen Tod von Seibane Wague von engagierten schwarzen Frauen gegründet. www.schwarzefrauen.net

[2] www.arbeitengegenrassismen.net