critical correctness Seit rund zwanzig Jahren wird nun die Vokabel der „political correctness“ (PC) politisch eingesetzt. Auch mit Kunst hatte das zu tun, denn gerne wurde der Etat des National Endowments for the Arts von der US-amerikanischen Rechten zum Anlass für Debatten um den Fortbestand der Zivilisation und dessen Gefährdung durch Künstler_innen und andere (vor allem ethnisch markierte) Minderheiten genommen. Obwohl es nie eine linke political correctness-Bewegung gegeben hat, wurde mit dem Begriff hantiert, als sitze eine kleine Clique aus radikalen Linken, dekonstruktivistischen Theorie-Fans und Feministinnen an den Schaltstellen der Macht und terrorisiere die übrige Bevölkerung mit ihren Sprachregelungen und Denkverboten (worüber sich vor allem ältere, rechtsgesinnte weiße Männer beschwerten). Nach zwanzig Jahren haben sich die Wogen kaum geglättet. Anders als Worte wie Impressionismus hat sich PC nicht von einer einstmaligen Schmähvokabel zum konsensuell gelobten Gegenstand gewandelt. Der Kampf um die soziale Etablierung marginalisierter/peripherer Positionen kommt gegenwärtig auch in den Debatten um Critical Whiteness zum Ausdruck. Aber nicht nur darin finden sich Kristallisationspunkte sich wandelnder politischer Allianzen. Vom Stand im Stellungskrieg beim Kampf um die Worte berichtet diese Ausgabe des Bildpunkt.
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